„Eine nicht unerhebliche Einschränkung“

von Redaktion

Aufatmen im Mangfalltal: Um das Stau-Chaos rund um den A8-Ausweichverkehr endlich zu beenden, haben die betroffenen Kommunen eine richtungsweisende Entscheidung getroffen. Wie groß die Erleichterung in Bad Aibling und Kolbermoor ist.

Mangfalltal – Feierabendverkehr, Großbaustellen, Unfälle: Probleme auf der A8 sorgen immer wieder für massives Verkehrschaos in den umliegenden Gemeinden. Denn wenn die Autobahn dicht ist, suchen viele Autofahrer nach Ausweichrouten, die nicht zuletzt das Mangfalltal, Bad Feilnbach, Bad Aibling und Kolbermoor betreffen. Doch dort, wie auch in zahlreichen weiteren Landkreis-Gemeinden, herrscht nun Erleichterung. Denn helfen soll künftig zwar kein offizielles Abfahrtsverbot, dafür aber ein Durchfahrtsverbot.

Wie das Landratsamt Rosenheim kürzlich mitteilte, haben Landrat Otto Lederer und die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden zuletzt in einem kurzfristig anberaumten Gespräch zum Ausweichverkehr entlang der A8 einen konkreten Vorschlag zum weiteren Vorgehen ausgearbeitet. Ziel sei, ab 15. August die Ortsdurchfahrten der Ausweichstrecken entlang der Autobahn bei Stau für den Ausweichverkehr zu sperren. Diese Sperrung soll jeweils von Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen gelten.

Wie Bad Aibling zu
dem Vorstoß steht

Umsetzen will man die Sperrung mit extra angefertigten Hinweisschildern, die bereits in Auftrag gegeben wurden und bis Mitte August aufgestellt werden sollen. Die Autobahn GmbH sicherte zudem zu, begleitend entsprechende LED- und Hinweisschilder an der A8 zu installieren, sobald die Sperrungen vor Ort durch die zuständigen Straßenverkehrsbehörden angeordnet werden.

Auch an der Autobahnausfahrt bei Bad Aibling werden entsprechende Hinweisschilder mit einem Abfahrtsverbot aufgestellt, bestätigt Bürgermeister Stephan Schlier auf OVB-Anfrage. „Das Landratsamt hat angekündigt, dass das Abfahrtsverbot durch die Polizei kontrolliert werden wird und angehaltene Autofahrer gegebenenfalls auch umdrehen müssen, zurück auf die Autobahn.“

Schlier begrüßt diese Maßnahme sehr. „Festzustellen ist, dass die Stadt Bad Aibling sehr wohl in der Vergangenheit betroffen war, allerdings bei Weitem nicht so stark wie andere Gemeinden im weiteren Verlauf der Autobahn hin zur Landesgrenze.“ Die Kurstadt habe weniger unmittelbar unter dem Ausweichverkehr im Innenstadtbereich – „spürbar, aber nicht dramatisch“ – gelitten. „Mehr beobachteten wir eine deutliche Belastung auf der nachgeordneten Verkehrsinfrastruktur, speziell an verkehrsreichen Wochenenden“, so der Bürgermeister. Durch den Rückstau auf den Staatsstraßen sei eine vernünftige Erreichbarkeit der Nachbarorte zeitweise kaum noch möglich.

„Weil es ein absolutes
Novum ist“

„Gerade für Bürger, die auf diese Strecken angewiesen sind – sei es privat oder beruflich – stellt dies eine nicht unerhebliche Einschränkung dar“, betont Schlier. Von den Abfahrtsverboten, die der Verkehrslenkung und -beruhigung dienen, erhoffe man sich eine merkliche Verbesserung. „Aus meiner Sicht ist der Erfolg der Durchfahrtsverbote sehr hervorzuheben, weil es ein absolutes Novum ist“, sagt Aiblings Rathauschef. Was jahrelang trotz intensiver Bemühungen des Landratsamtes nicht gelang, funktioniere nun mit der neuen Bundesregierung. So hatte das Bundesverkehrsministerium ein derartiges Vorgehen bisher weder mitgetragen noch unterstützt. Schlier erkennt hier eine politisch neue Linie und einen Paradigmenwechsel, sich rechtlich auf die besondere Gefahrenlage zu stützen.

Umsetzung bis
Mariä Himmelfahrt

Dass die Umsetzung schon bis Mariä Himmelfahrt erfolgt, sei dem Zusammenwirken von Landrat Lederer und der Hartnäckigkeit von Daniela Ludwig in Berlin zu verdanken.

Und auch wenn es Kommunen im Landkreis gibt, die deutlich stärker vom Durchfahrtsverkehr betroffen sind als Bad Aibling, verdeutlicht Schlier, dass das Problem bisher durchaus Auswirkungen auf zahlreiche Strecken hatte. Etwa werde immer wieder die Staatsstraße 2089 in Richtung Norden (Kolbermoor), die Staatsstraße 2078 bis zur Hohenofener Straße in Richtung Pang, die Staatsstraße 2089 in Richtung Süden (Bad Feilnbach) oder die Staatsstraße 2010 bis zur St2078 (Rosenheim) blockiert. Zeitweise verlängere sich auf letztgenannter Route eine normale Fahrzeit von rund 20 Minuten auf bis zu zweieinhalb Stunden. Und: „Rettungskräfte können aufgrund der massiv überfüllten Straßen die Hilfsfristen nicht einhalten“, ergänzt Schlier.

Was man sich in
Kolbermoor wünscht

Zwar ist im Mangfalltal direkt nur die Ausfahrt Bad Aibling auf dem Gebiet der Gemeinden Bad Aibling und Bad Feilnbach betroffen. Jedoch ist auch die Stadt Kolbermoor durch den weiteren Straßenverlauf der Staatsstraße 2089 involviert. Deshalb war auch Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo an den Gesprächen beteiligt. „Da wir davon ausgehen, dass sich alle Verkehrsteilnehmer selbstverständlich an die Durchfahrtsverbote halten, dürfte zukünftig bei Stau auf der Autobahn keine zusätzliche Belastung auf der Staatsstraße zu spüren sein, was für Kolbermoor natürlich positiv ist“, erklärte hierzu Christian Poitsch, Leiter des Kolbermoorer Stadtmarketings, gegenüber dem OVB.

Sollten sich jedoch einzelne Verkehrsteilnehmer nicht an die Beschilderung halten, so werden die Staatsstraße 2089 und die Staatsstraße 2078 wie bisher überlastet sein, fürchtet man in Kolbermoor. Die Belastungen durch den Ausweichverkehr seien seit Jahren äußerst unangenehm, betont Poitsch. „Deshalb wäre es nach unserem Dafürhalten dringend an der Zeit, die A8 und A93 endlich leistungsfähig auszubauen.“ Eine Stellungnahme der Gemeinde Bad Feilnbach lag auf OVB-Anfrage bislang nicht vor.

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