Wärmewende: Tuntenhausen setzt Maßstäbe

von Redaktion

Erneuerbare Energien schon bei knapp 50 Prozent – deutlich über Bundesschnitt

Tuntenhausen – Städte und Gemeinden sollen künftig die Wärmewende unterstützen. Das entsprechende Planungsgesetz des Bundes drängt die Kommunen zum Handeln. Tuntenhausen hat den Abschlussbericht zur Kommunalen Wärmeplanung nun vorliegen und damit eine Basis für künftiges Agieren. Ziel ist eine Dekarbonisierung bis 2045.

Bereits im Frühjahr 2023 hatte die Gemeinde die Aufstellung einer Kommunalen Wärmeplanung beschlossen und den Auftrag an die INEV GmbH Rosenheim (Institut für nachhaltige Energieversorgung) erteilt. Die INEV stellte nun mit Adrian Hausner die Ergebnisse dem Gemeinderat vor.

„Am Beginn der Wärmeplanung stand eine Eignungsprüfung, ob eine nähere Untersuchung für ein Wärmenetz überhaupt sinnvoll erscheint“, führte der Projektleiter aus. Folgend gab es eine Potenzialanalyse sowie eine Umsetzungsstrategie. Für die Datenerhebung wurden Energieversorger, Bezirksschornsteinfeger und Behörden eingeschaltet, Betriebe befragt, ergänzt durch öffentliche Daten.

Der Endenergieverbrauch der Gemeinde (Wärme, Strom und Kraftstoffe) betrug demnach im Jahr 2021 insgesamt 139283 MWh/a. Davon ist die Wärme mit 56 Prozent der maßgebliche Faktor, gefolgt vom Verkehr (25 Prozent) und Strom (19 Prozent). Die Treibhausgasemissionen beliefen sich 2021 auf 38126 Tonnen CO²-Äquivalente. Auch hier ist der Wärmesektor mit 36 Prozent der größte, gefolgt von Strom (33 Prozent) und Verkehr (30 Prozent). Heizöl ist im Bereich Wärme dabei der größte Treiber.

Schaut man auf die sektorale Verteilung des Wärmeverbrauches, sind private Haushalte mit 76 Prozent der mit Abstand größte Teil des Wärmeverbrauchs. Mit Abstand folgt das Gewerbe (15 Prozent, der Handel und Dienstleistungen. Interessant war Hausners Feststellung zu den eingesetzten Energieträgern. Hier ergibt sich ein Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Wärmeverbrauch von knapp 50 Prozent. „Das verdeutlicht, dass die Dekarbonisierung in Tuntenhausen fortgeschritten ist“, betonte Hausner. Bundesweit lag der Anteil im Jahr 2021 nur bei 16 Prozent. Die Bedeutung der Erneuerbaren ist dabei vor allem auf den großen Anteil von Photovoltaik sowie Biomasse zurückzuführen.

Bei der Potenzialanalyse stach das Gewerbegebiet Oberrainer Feld hervor. „Hier empfiehlt es sich, das Projekt weiter zu analysieren und eine Machbarkeitsstudie durchzuführen“, so Hausner. Hier bestehe langfristig eine gute Möglichkeit zur Umsetzung einer leitungsgebundenen Wärmeversorgung. Gleichzeitig zeige sich für andere dezentrale Siedlungsbereiche – wie viele kleinere Ortsteile – ein hoher Handlungsbedarf im Bereich individueller, klimafreundlicher Heizsysteme.

Ein erheblicher Hebel zur Reduktion des zukünftigen Wärmebedarfs liegt dabei im Gebäudebestand. Hier bieten energetische Sanierungsmaßnahmen großes Potenzial. So können bereits bei einer Sanierungsrate von fünf Prozent jährlich bis zum Jahr 2045 stolze 48537 MWh/a eingespart werden, erklärte Hausner. „Damit ist ein erster, wichtiger Schritt hin zur treibhausgasneutralen Wärmeversorgung vollzogen“, betonte der INAV-Projektleiter.

Die im Wärmeplanungsgesetz vorgesehene Fortschreibung im Fünfjahresrhythmus ermöglicht es, neue technologische Entwicklungen, regulatorische Rahmenbedingungen sowie veränderte lokale Gegebenheiten zu integrieren. Für Bürgermeister Georg Weigl ein großer Schritt: „Wir haben das Thema immer wieder im Gemeinderat behandelt, hier haben wir nun die Basis für ein Agieren.“

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