Sorge vor Gift-Ködern beim Gassigehen

von Redaktion

Ein ganz normaler Spaziergang endet für Alexandra Menge aus Feldkirchen-Westerham mit einem Schock. Am Bauch ihres Jack Russell Terriers Spike bildet sich ein Bluterguss. Der Verdacht: Rattengift-Köder. Wie es dem Hund geht und wie Besitzer sofort reagieren sollten.

Feldkirchen-Westerham – Für Alexandra Menge war es ein Schock. Vergangene Woche ging sie mit ihrem Hund Spike in den Wald an der Mangfall in Westerham spazieren. Sie ließ ihren Jack Russel Terrier von der Leine. Der kleine Hund verschwand hinter einem Gebüsch. „Er kam aber gleich wieder, als ich nach ihm schrie“, erinnert sich Menge. Doch dann der Schock. Spike kam zu seinem Frauchen zurück. Aus seinem Maul hing der Schwanz eines „bereits toten Eichhörnchens“.

Spike geht
es schlecht

„Er hat es gleich liegen lassen, als ich ‚pfui‘ sagte“, so Menge. Ein Tag später ging sie mit ihrem geliebten Vierbeiner erneut spazieren. Dieses Mal gingen sie durch die Miesbacher Straße in Richtung Mangfall. „Als wir den Hügel heruntergegangen sind, hat er wieder irgendwas gefressen“, sagt die Feldkirchen-Westerhamerin. „Aber so schnell konnte ich gar nicht schauen, was er da gefressen hat.“

Und der nächste Schock ließ nicht lange auf sich warten. Als Alexandra Menge wieder zu Hause war, bemerkte sie wenig später einen Bluterguss am Bauch ihres Hundes. „Wir waren beim Tierarzt und die Tierärztin hatte gleich den Verdacht auf Rattengift“, sagt Menge. Dem kleinen Spike wurde daraufhin Blut abgenommen. Für Alexandra Menge und ihren Mann hieß es dann, mehrere Tage auf das Ergebnis der Blutanalyse zu warten.

In der Zwischenzeit war es der Feldkirchen-Westerhamerin wichtig, andere Hundebesitzer in ihrer Umgebung auf mögliche Rattengiftköder aufmerksam zu machen. Sie verfasste einen Post auf Facebook: „Achtung! In Westerham wurden wahrscheinlich Rattengiftköder ausgelegt. Passt bitte auf eure Hunde auf! Entweder war es in der Miesbacher Straße oder an der Mangfall.“

Am vergangenen Montag fuhren die Menges wieder zur Tierärztin, um zu erfahren, ob es Rattengift war. „Sie können es nicht ausschließen“, sagt Alexandra Menge nur. Nun müsse Spike in einer Woche noch einmal zum Blutabnehmen in die Praxis kommen. Der Bluterguss ist immer noch am Bauch des kleinen Jack Russell Terriers.

Für das Ehepaar Menge heißt es also immer noch Warten auf das endgültige Ergebnis und darauf, dass es ihrem geliebten Vierbeiner wieder besser geht. Doch wie kann ein Hundebesitzer schnellstmöglich erkennen, dass sein Vierbeiner einen präparierten Köder gefressen hat und was sollte er in dieser Situation sofort machen? In einem ähnlichen Vorfall hat Doktor Sabine Schnabel, Fachärztin für Kleintiere in der Tierarztpraxis Dr. Brinkmann in Bad Aibling, über die Gefahren und die richtige Reaktion aufgeklärt.

„Die mir bekannten Patienten mit fremdkörperinduzierten Verletzungen im Magen-Darm-Trakt oder Vergiftungen ereigneten sich fast ausnahmslos durch eine versehentliche Aufnahme von Fremdmaterial (Scherben, Schaschlikspieße, Unrat) oder Fremdstoffen (Rattengift, Schneckenkorn, Drogen, Medikamente) im heimischen Umfeld, Reiterhof, Stadtpark oder Ähnliches. Köder haben in der täglichen Praxis Seltenheitswert“, sagt die Tierärztin.

Besitzer vermuten allerdings oft bei akutem und blutigem Erbrechen oder Durchfall ihres Hundes einen Giftköder. Doch in den meisten Fällen leiden die Tiere hier an einer infektiösen Magen-Darm-Entzündung, die durch Viren, Bakterien oder Parasiten ausgelöst wird. Schnabel erklärt, dass bei Hunden aufgrund ihrer empfindlichen Schleimhaut starkes Erbrechen oder Durchfall leicht zu sichtbaren Blutungen führen kann.

Die Tierärztin ist selbst Hundebesitzerin und kann das schnelle ungute Gefühl nachempfinden. „Ich selbst kenne die Bedenken, die der schmatzende Hund beim Rückweg aus dem Gebüsch hervorruft, beziehungsweise wenn die Nachricht von Köderfunden die Runde macht“, sagt Schnabel. Doch echte Köderfälle seien sehr selten. Kommt es aber dennoch vor, dass ein Hund so etwas zu sich nimmt, gibt es viele Hinweise.

Bei einer Giftaufnahme können zahlreiche akut auftretende Symptome darauf hinweisen. Darunter zählen unter anderem Zahnfleischbluten, blutiger Urin, blasse Schleimhäute, Erbrechen, starkes Hecheln und eine sehr hohe oder niedrige Körpertemperatur. Auch Leber- und Nierenschäden, Blutungsneigung, Gerinnungsstörungen oder gefährliche Blutbildveränderungen sind mögliche Folgeerscheinungen.

Erste Hilfe
beim Hund

Bei diesen Symptomen sollten Hundebesitzer sofort eine Tierarztpraxis aufsuchen. Durch eine schnelle Hilfe kann der Schaden einigermaßen in Grenzen gehalten werden. Sabine Schnabel erklärt, dass durch herbeigeführtes Erbrechen, Magen-Spülung, Spiegelung, Infusionstherapie oder die Zugabe von toxinbindenden Mitteln oder Gegengift man den Fellnasen helfen kann.

Die Tierärztin gibt aber auch Tipps, die Hundebesitzer selbst direkt unternehmen können, wenn ihr Tier einen präparierten Köder zu sich genommen hat. „Für Hunde geeignete Aktivkohlepräparate und Sauerkraut (mit Leberwurstgeschmack) in der häuslichen Hundeapotheke können im Ernstfall helfen, unter tierärztlicher Anleitung zügig Erste Hilfe zu leisten“, erklärt Schnabel. Am besten helfe jedoch Aufmerksamkeit und Vorsicht. Die beste Prävention ist allerdings ein „vorbildlich erzogener Hund, der nichts ohne Erlaubnis frisst“, so Schnabel. Doch die Tierärztin weiß selbst, dass das nicht immer so einfach ist und es nicht jedem Hundehalter gelingt. „Mir auch nicht“, sagt sie.

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