Trostkoffer hilft jungen Trauernden

von Redaktion

Projekt will Kindern den Abschied von einem geliebten Menschen erleichtern

Bad Aibling – Ende Mai dieses Jahres haben die Stadtbücherei Bad Aibling und die örtliche Kolpingsfamilie die sogenannte „Aktion Trostkoffer“ als Gemeinschaftsprojekt ins Leben gerufen. Sie soll Kindern und Jugendlichen nach dem Tod eines geliebten Menschen eine wertvolle Hilfestellung bei der Bewältigung der Trauerphase sein. „In drei Fällen wurde diese Hilfe bereits in Anspruch genommen“, zieht Büchereileiterin Gabriele Huber eine erste Zwischenbilanz, die die Initiatoren des Projekts durchaus positiv stimmt.

„Zahlen aus vergleichbaren Gemeinden zeigen, dass diese Anzahl an Ausleihen andernorts der Jahresnachfrage entspricht“, weiß Kolpingvorsitzender Franz Besel. Mit der Büchereileiterin ist er sich dennoch in der Einschätzung einig, dass der Bedarf für das Angebot in Bad Aibling weit höher liegen dürfte.

Mit Stoffengel
und Tagebuch

„Es braucht halt eine gewisse Zeit, bis das Projekt einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt und von den Menschen wie selbstverständlich angenommen wird. Deshalb wollen wir im Herbst nochmals kräftig die Werbetrommel rühren“, sagen Huber und Besel übereinstimmend.

Etwa 40 Bücher, die sich für die Zielgruppe als Begleitliteratur im Trauerfall eignen, hat die Stadtbücherei mittlerweile vorrätig. Sie sind in einer eigenen Vitrine ausgestellt. „Wenn jemand Beratung wünscht, dann helfen wir selbstverständlich gerne weiter“, sagt Hubers Kollegin Brigitte Paul.

Voll hinter dem Projekt steht auch Heidi Benda, die Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbücherei, der eine Anschubfinanzierung von rund 600 Euro gewährte. Wie wichtig in einem Trauerfall Trost auch für Kinder ist, weiß die ehemalige Stadträtin und Vizebürgermeisterin von Bad Aibling aus eigener Erfahrung. „Als mein Mann vor fünf Jahren starb, war es nicht ganz einfach, den Enkelkindern den Verlust des Opas begreiflich zu machen“, sagt Benda. Genau deshalb sei sie fest davon überzeugt, dass das Angebot ein wichtiger Schritt im Rahmen der Trauerbewältigung sein könne.

Bei der Kolpingsfamilie sieht man in der Kooperation mit der Stadtbücherei nicht nur einen Vorteil wegen der Arbeits- und Kostenteilung. „Ich denke, wir erreichen über die Bücherei leichter auch Betroffene, die Hilfe brauchen, der Kirche aber eher fernstehen und den Pfarrhof deswegen als Anlaufstelle meiden. Auch für diese Leute wollen wir da sein“, ist sich Vorsitzender Franz Besel mit seinem Stellvertreter Norbert Kotter einig.

Neben geeigneter Literatur für den Trauerfall, die vom Team der Bücherei in jedem Einzelfall bedarfsgerecht zusammengestellt wird, befindet sich im Trostkoffer auch ein Trauertagebuch, in dem man sich Kummer förmlich von der Seele schreiben kann. Feste Bestandteile sind darüber hinaus auch Trostengel „Charlie“ und ein Flyer mit einem Begleittext zum Inhalt. Für diejenigen, die zusätzlich ein Gespräch mit einem Seelsorger wünschen, enthält die Broschüre entsprechende Kontaktnummern.

Die Kolpingsfamilie bezahlt auf Dauer das Trauertagebuch und übernimmt auch die Material- und Nähkosten für „Charlie“. Beides dürfen deshalb diejenigen behalten, die den Trostkoffer ausleihen. Der Koffer und die restlichen Leihbücher müssen nach dem vereinbarten Zeitraum für die kostenlose Ausleihe an die Bücherei zurückgegeben werden.

Bürgermeister Stephan Schlier nennt die gemeinsame Aktion „eine sehr sinnvolle Angelegenheit“. Er freue sich vor allem auch darüber, dass die Bücherei und die Kolpingsfamilie so reibungslos Hand in Hand arbeiten. „Das ist sicher wertvoll für alle Betroffenen, die diese Form von Hilfe benötigen“, sagt Schlier.

Bisher liegen die Flyer neben der Bücherei in den Pfarrbüros der katholischen und evangelischen Kirche aus. Auch die kirchlichen Mitarbeiter, die in der Krankenhausseelsorge tätig sind, haben Kenntnis davon. Der Kreis derjenigen, die sie bei Bedarf ausgeben können, soll jetzt auf jeden Fall deutlich erweitert werden. Pflegedienste, Altenheime und die Arztpraxen in der Stadt sollen in einem nächsten Schritt mit solchen Informationsbroschüren über das Angebot versorgt werden. „Das steigert den Bekanntheitsgrad des Trostkoffers auf jeden Fall“, sind sich Gabriele Huber und Heidi Benda einig.

Wer diese Form der Hilfe im Trauerfall benötigt, Flyer haben möchte oder Fragen zur „Aktion Trostkoffer“ hat, kann sich unter Telefon 08061/4901140 jederzeit an die Stadtbücherei wenden.

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