Mentor und Anekdoten-Archiv

von Redaktion

Große Trauer um Vereinslegende Franz Xaver Engl (76)

Bruckmühl/Feldkirchen-Westerham – Anfang des Jahres hatte die Faschingsgilde Vagen noch fröhlich ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert, jetzt tragen die Vagener Narren – und viele weitere Vereine in der Region – Trauer: Ehrenpräsident Franz Xaver Engl, von vielen liebevoll nur „Xare“ genannt, ist am vergangenen Dienstag im Alter von 76 Jahren gestorben. „Es ist ein großer Verlust für unsere Familie und viele Vereine“, sagt Engls Sohn Stefan gegenüber dem OVB.

Faschingsgilde
ist tief bestürzt

Auch die Faschingsgilde Vagen, die Engl jahrelang führte, zeigte sich tief bestürzt. „Mit Xare verlieren wir nicht nur einen treuen Wegbegleiter, sondern eine Persönlichkeit, die unsere Gilde über Jahrzehnte hinweg geprägt hat – mit Herz, Verstand, Humor und einem tief verwurzelten Gespür für das, was unsere Gemeinschaft ausmacht.“

Gemeinschaft – das war es auch, was der gelernte Buchbinder, der in der Druckerei des Klosters Gars ausgebildet worden ist, im Familienleben praktizierte. „Er war ein ausgesprochener Familienmensch“, sagt Stefan Engl, einer von drei Söhnen des Verstorbenen. „Wir hatten das große Glück, dass er spätestens um 16 Uhr von der Arbeit daheim war“, erinnert sich Stefan Engl, der ebenfalls in Mittenkirchen bei Bruckmühl lebt, an seine Kindheit zurück. „Und dann hat er sich, bis er abends zu seinen Vereinsaktivitäten gegangen ist, immer Zeit für uns genommen.“ Auch der Sommerurlaub mit der ganzen Familie sei ihm „immer heilig gewesen“.

Was Engl zeitlebens ebenfalls begleitet hat, war seine schwere Krankengeschichte: Im Alter von vier Jahren an Polio erkrankt, sollte die Kinderlähmung sein Leben massiv beeinflussen. Gelang es den Ärzten zunächst, dem kleinen Buben durch Atemtraining in der Eisernen Lunge und mithilfe eines Stützkorsetts ein relativ unbeschwertes Leben zu ermöglichen, holte ihn im Alter von 50 Jahren die Krankheit wieder ein.

Postpolio-Syndrom lautet die Diagnose, die dazu führte, dass Muskelkraft und Ausdauer nach und nach schwanden. Was letztlich dazu führte, dass Engl bereits im Alter von 51 Jahren seinen Beruf aufgeben musste. Auch das Gehen fiel ihm bis zuletzt schwer, sodass er sich in der Regel auf einem Elektroscooter durchs Mangfalltal bewegte.

Und dennoch: „Mein Vater hat nie gejammert, sondern immer das Beste aus jeder Situation gemacht“, berichtet Stefan Engl über seinen Vater, der „tief im christlichen Glauben verwurzelt war“. Stets positiv denken und voller Zuversicht nach vorne blicken – das sei Franz Xaver Engls Lebensmotto gewesen. Auch wenn ihn Schicksalsschläge wie der frühe Tod seiner geliebten Frau Katharina im Jahr 2017 extrem mitgenommen hatten. „Mama war schließlich bei allem, was er gemacht hat, sein starker Rückhalt“, so Stefan Engl.

Wo Franz Xaver Engl stets Halt gefunden hat: In den zahlreichen Vereinen, in denen er sich engagierte. „Er hat uns immer vorgelebt, dass das Ehrenamt keine Belastung ist, sondern es etwas Schönes ist, wenn man sich für die Gemeinschaft einsetzen kann“, erinnert sich Stefan Engl, der mittlerweile selbst dem Trachtenverein d‘Neuburgler Vagen vorsteht. Papa Franz Xaver war dort selbst über 30 Jahre als Kassier aktiv, was ihm später die Ernennung zum Ehrenkassier eingebracht hatte. Auch als Vorstandsmitglied beim Burschenverein Mittenkirchen, als erster Kassier überhaupt bei den Verantwortlichen fürs Vagener Dorffest, als Kassier beim Sozialverband VdK, als Mitglied der Kirchenverwaltung, davon zwölf Jahre als Kirchenpfleger in Mittenkirchen, sowie als Pfarrgemeinderatsmitglied hatte sich der 76-Jährige im Laufe seines bewegten Lebens eingebracht.

Neben dem Trachtenverein war zweifelsohne die Faschingsgilde Vagen eines seiner großen Steckenpferde: Anfang der 1970er-Jahre in die 1964 gegründete Faschingsgilde eingetreten, wurde Engl 1983 als Zweiter Präsident ins Präsidium gewählt. „Schon damals war spürbar: Da ist jemand, der nicht nur verwaltet, sondern gestaltet – der den Fasching lebt“, beschreibt das aktuelle Präsidium das Wirken Engls. 1987 übernahm er dann das Amt des Ersten Präsidenten und führte die Gilde bis 1995 „mit Umsicht, Leidenschaft und einem feinen Gespür für Tradition und Wandel“.

Kein Wunder also, dass ihm die Vagener Narren 1996 den Titel des Ehrenpräsidenten verliehen hatten, zumal er nach Angaben des amtierenden Präsidiums für viele Mitglieder „eine feste Konstante, ein Mentor, ein ruhender Pol und ein Archiv der Geschichten der Faschingsgilde“ war. Da überrascht es auch nicht, dass Xare Engl bei den Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen der Faschingsgilde nicht fehlen durfte. So beispielsweise beim Jubiläumsball der Faschingsgilde am 18. Januar 2025, wo „er länger geblieben ist, als ich“, wie sich Sohn Stefan schmunzelnd erinnert. „Diesen Jubiläumsball hat er einfach in allen Zügen genossen.“

Verwandte, Freunde, Weggefährten und Bekannte werden jetzt aber Abschied von Franz Xaver Engl nehmen müssen. Am heutigen Freitag findet um 19 Uhr in Mittenkirchen ein Rosenkranz für den Verstorbenen statt. Der Trauergottesdienst für Franz Xaver Engl wird am morgigen Samstag, 6. September, um 10 Uhr ebenfalls in der Mittenkirchener Kirche St. Nikolaus abgehalten. Anschließend ist die Beerdigung auf dem angrenzenden Friedhof.

Im Truhenwagen
des Trachtenvereins

Rund um seine Bestattung wird dem Verstorbenen eine ganz besondere Ehre zuteil. Denn Engls Sarg wird im Truhenwagen des Trachtenvereins zur letzten Ruhestätte auf den Mittenkirchener Friedhof gebracht.

Auch das Präsidium der Faschingsgilde wird sich dem Trauerzug anschließen, hat aber jetzt bereits mit rührenden Worten vom Ehrenpräsidenten Abschied genommen: „Du wirst uns fehlen – als Ratgeber, als Vorbild, als Freund“, teilte die aktuelle Führungsriege der Vagener Gilde mit. „In unserer Mitte und vor allem in unseren Herzen wirst Du immer einen festen Platz behalten.“

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