Ostermünchen – Seit rund 15 Jahren ist es schon gute Tradition, dass in Maxlrain unweit des Hopfengartens der Schlossbrauerei fleißige Frauen Hopfenkränze binden. So auch heuer wieder.
In der gut 100 Kilometer entfernten Hallertau gehören Hopfenkränze traditionell zum Schmuck vieler Häuser. Und nicht nur das. Auf den Straßen in der Hallertau finden sich an vielen Stellen Schilder mit der Aufschrift: „Hopfenkränze zu verkaufen“. Viele Menschen nutzen die Gelegenheit, sich mit frisch gebundenen Hopfenkränzen ein kleines Taschengeld dazuzuverdienen.
In vielen Familien gehört es in der Hallertau zur Tradition, sich einen Hopfenkranz zu binden und ihn sich in die gute Stube zu hängen. Dort kann er dann bis zum nächsten Jahr hängen, bis ihn wieder ein frischer Kranz ablöst. Dabei sollte er aber beim Trocknen nicht in der Sonne hängen, da der Hopfen sonst braun wird. So kann man sich das ganze Jahr an den schönen Hopfendolden erfreuen.
Gehegt und gepflegt wird der Hopfengarten in Maxlrain, der als Schaugarten dient, von August Neureuther und seiner Frau Josefa. Sie bringen auch das Grundmaterial zum Binden der Hopfenkränze mit. Schon am frühen Morgen holte August Neureuther nun jüngst im Hopfengarten die erste Ernte ein. Er riss die Ranken herunter und fuhr sie die wenigen Meter zum Bräustüberl hinüber. Hier schnitten Frauen des Obst- und Gartenbauvereins Beyharting die hellgrünen Dolden ab und säuberten die Ranken von den Blättern, denn sie dienen als Rohlinge für die Hopfenkränze. Vor dem Obst- und Gartenbauverein machte dies immer ein Team direkt aus der Hallertau.
Im rund ein Achtel Hektar großen Hopfengarten von August Neureuther wachsen derzeit rund 400 Ranken. Nach fast 30 Jahren im Einsatz mussten heuer viele der alten Wurzelstöcke ausgeackert werden. An ihrer Stelle wurde Junghopfen gesetzt, der allerdings im ersten Jahr noch nicht geerntet werden darf. Mit der heurigen Ernte zeigte sich Neureuther dennoch zufrieden: „Eins-a-Qualität!“, bescheinigte der Hopfenbauer der Ernte. Für die Bierproduktion der Maxlrainer wird der Hopfen allerdings nicht verwendet – die Zertifizierungskosten wären zu hoch. Zudem würde die Ernte aus dem Hopfengarten nur rund ein Drittel des Hopfenbedarfs der Brauerei abdecken.
Gut so, denn dadurch kann der gesamte Hopfen für den alten Brauch des Kranzbindens mit verwendet werden. Beim Kranzbinden werden die Hopfenranken möglichst dicht und flächendeckend um den Kranz gewickelt und mit Blumendraht fixiert. Zum Schluss wird am unteren Ende eine Schleife aus Schmuckband angebracht. Zweieinhalb Tage lang werkelten die Frauen eifrig. Der Lohn: Die Hopfenkränze wurden ihnen förmlich aus den Händen gerissen. Das Interesse an den duftenden Kränzen war wieder groß. „Der Hopfenkranz ist als Türschmuck besonders für die Zeit zwischen Herbst und Weihnachten gut geeignet“, betonte Josefa Neureuther. Einen weiteren Anreiz schilderte Christine Daxenbichler, Vorsitzende der Gartler in Beyharting: „Er riecht sehr angenehm.“ Und sie lobte den Ideenreichtum der Vereinsmitglieder, die immer wieder mit raffinierten Gestaltungen überraschen. Und das Beste dabei: Auch das Vereinsleben kam beim Hopfenkranzbinden nicht zu kurz, denn nebenbei konnte man das eine oder andere „beratschen“. Werner Stache