Finanzen gefährden Open-Air-Programm

von Redaktion

Das ABM-Orchester aus Attel sorgte beim vorletzten Kultursommer-Konzert in Bad Aibling für große Begeisterung. Doch das sommerliche Kulturleben in Bad Aibling steht vor Veränderungen. Die finanzielle Lage ist schlecht – Streichungen im Programm sind notwendig.

Bad Aibling – Elf Konzerte umfasst in diesem Jahr der Open-Air-Kultursommer „Kultur im Park“ in Bad Aibling. Am vergangenen Wochenende verzauberte das ABM-Orchester das Publikum. Doch es war bereits die vorletzte Veranstaltung der Reihe.

„Ich kann es nicht fassen, dass es schon fast wieder vorbei ist“, sagte Kurdirektor Thomas Jahn und brachte damit die gefühlte Kurzweiligkeit des Programms auf den Punkt.

Wegen Witterung
ins Kurhaus verlegt

Heftige Regenschauer am Nachmittag und ungewohnte Kälte waren der Grund, dass man diesmal das Konzert ins Kurhaus verlegen musste. Der Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch: Das Publikum erlebte einen ebenso stimmungsvollen wie gelungenen Abend.

Da die beliebte Konzertreihe nun schon seit 27 Jahren besteht, sei es an der Zeit, Dank zu sagen, betonte Kurdirektor Thomas Jahn und nannte zuvorderst die Musikinitiative Rosenheim (MIR) und Manfred Lenz, der leider an diesem Abend nicht unter den Gästen weilte.

Dann kam Jahn aber auf etwas Unerfreuliches zu sprechen: die Finanzen. „Die schlechte finanzielle Lage der Stadt macht Streichungen und Änderungen in unserem Open-Air-Programm unumgänglich“, berichtete er. Stand heute würden auf alle Fälle die Frühschoppenkonzerte wegfallen.

„Um den Erhalt der Brunnenhofkonzerte am Donnerstag und den Kultursommer ,Kultur im Park‘ am Freitag kämpfen wir noch“, so der Kurdirektor, der sich aber optimistisch zeigte, beide Veranstaltungen erhalten zu können.

Und dann legte die Band des Tages, das ABM-Orchester der Stiftung Attl, los. Die „Attler Bunte Mischung“, kurz ABM, wurde 2002 gegründet. Das Besondere daran: Zehn Menschen mit geistiger Behinderung und fünf Betreuer rocken hier zusammen. Und wie!

2011 wurde das ABM-Orchester unter die besten zehn integrativen Bands Deutschlands gewählt und das will etwas heißen.

Auch in Bad Aibling zeigte die Band von Beginn an ihr großes Repertoire an bayerischem Blues und Rock. Hervorstechend dabei: die absolute Treue zu bayerischen Texten. Ob bei „I’m a Believer“ von den Monkeys oder bei „Suzie Q“ von Creedence Clearwater Revival – der Funke sprang sofort auf das Publikum über. Ebenso bei „Highway to Hell“ von AC/DC oder dem „Kommissar“ von Falco. Aber auch mit Eigenkompositionen begeisterte Bandleader Ben Leinenbach die Zuhörer – und zudem mit vielen Anekdoten. Und zwar so gut, dass am Ende bei „Happy Together“ von den Turtles und dem Welthit „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens alle im Saal fleißig mitklatschten.

Originelles Repertoire
und große Spielfreude

Es war ein begeisternder Auftritt eines Orchesters, das zu zwei Dritteln aus Menschen mit Assistenzbedarf besteht. Ihr originelles Repertoire und das erstaunliche Können der Musiker, gepaart mit einer großen Spielfreude übertrug sich zwangsläufig auf das Publikum, das viel Beifall spendete. Man darf hoffen, die Attler Musiker beim Open-Air-Kultursommer in der Kurstadt bald wieder einmal zu erleben.

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