Böse Überraschung in der Tiefe

von Redaktion

Die Sanierung der Thermalbohrung II der Gesundheitswelt Chiemgau AG in Bad Endorf sollte längst abgeschlossen sein. Doch in der Tiefe lauerten böse Überraschungen, die den Zeitplan durcheinander brachten. Jetzt wird ein neuer Versuch gestartet, um die 65 Jahre alte Bohrung zu regenerieren.

Bad Endorf – Nein, es ist keine Geothermiebohrung. In Bad Endorf gibt es in mehr als vier Kilometern Tiefe zwar 115 Grad Celsius heißes Thermalwasser. Doch das ist kein einfaches Tiefenwasser, sondern hoch mineralisiertes Heilwasser. Seit einiger Zeit erklären die Mitarbeiter der Gesundheitswelt Chiemgau (GWC) ihren Gästen, was es mit den gewaltigen Erdbewegungen im angrenzenden Gelände auf sich hat. Das Areal südlich der Simssee Klinik und westlich der Chiemgau Thermen hat sich in eine Großbaustelle verwandelt. Beschwerden gibt es deshalb keine. Ganz im Gegenteil. Jeder spürt, dass hier etwas Außergewöhnliches passiert und will mehr darüber wissen.

65 Jahre alte Bohrung
muss saniert werden

Vor 65 Jahren wurde die Bohrung in Betrieb genommen, um Thermalwasser aus circa 4850 Metern Tiefe zu fördern. Da die Bohrung aber nicht integer ist, aus dem Förderrohr unkontrolliert Wasser in die Umgebung sickert, ordnete das Bergamt Südbayern deren Sanierung an.

Für eine Übergangszeit ist das kein Problem. 250 Kubikmeter Thermalwasser – das sind fast 1400 Badewannenfüllungen – können auch aus der Bohrung „GWC III“ gefördert werden. Doch auf Dauer werden beide Bohrungen gebraucht – für die Betriebssicherheit der Chiemgau Thermen und den Erhalt des Titels „Heilbad“.

Zur Sanierung der Bohrung II und einer Investition von 11,5 Millionen Euro gab es also keine Alternative. Im April begannen die Arbeiten. Zuerst sollte die alte Bohrung „totgepumpt“ werden. Dabei wird das mit Thermalwasser und Gasen gefüllte Bohrloch entspannt, der Druck auf einer Länge von fast fünf Kilometern auszirkuliert und eine schwere Spülung in die Bohrung gefüllt, um das Gas in der Förderröhre behutsam nach oben zu drücken und über ein Ventil kontrolliert abzuführen.

Doch wie bei der Sanierung von betagten Gebäuden warteten auch bei der 65 Jahren alten Bohrung unangenehme Überraschungen. „Bei 900 Metern war Schluss“, erklärt Dominique Hannig, Generalbevollmächtigte Touristik der Gesundheitswelt Chiemgau AG. Zwei Wochen lang versuchten die Spezialisten, mit ihrer Bohrtechnik weiter in die Tiefe vorzudringen und mit Kameras die Ursache des Hindernisses zu ergründen. Ohne Erfolg. Die Arbeiten mussten abgebrochen werden. „Wir konnten die schwere Spülung nicht einbringen“, informiert Hannig. „Die Bohrung steht noch immer unter Druck, das Thermalwasser versickert unterirdisch, das mitgeführte Gas wird abgefackelt.“

Trotz der Schwierigkeiten gibt es keine Alternative: Die Bohrung muss vom tiefsten Punkt in etwa 4850 Metern bis auf 2500 Meter verfüllt werden. Auf diesem Horizont befindet sich das Thermalwasser-Reservoir. Ab dieser Tiefe soll das Förderrohr saniert werden. „Wir mussten umprogrammieren, neue Sonderbetriebspläne erstellen, die Bohrung aus Sicherheitsgründen mit einem Käfig vor Erschütterungen schützen, eine spezielle Entgasungsanlage herstellen und auch dafür sorgen, dass die schwere Spülung täglich gerührt wird, damit sie nutzbar bleibt“, begründet Dominique Hannig die Verzögerung der Sanierung um vier Monate.

Ursprünglich sollten die Arbeiten bis Juni 2026 abgeschlossen sein. Das ist nicht mehr zu schaffen. Doch die Regierung von Oberbayern hat einer Verlängerung bereits zugestimmt. Inzwischen liegen auch alle Genehmigungen des Bergamtes vor. Die voraussichtlichen Kosten haben sich auf mittlerweile 13 Millionen Euro erhöht.

Jetzt soll es Schlag auf Schlag gehen. Die Zufahrtsstraße zur Baustelle wurde bereits verbreitet. Im Moment bereiten Tiefbauer der Porr-Gruppe den Bohrplatz vor. Innere und äußere Bohrplatzbereiche sollen asphaltiert und getrennte Ableitungen für Schmutz- und Oberflächenwasser gelegt werden. Ab dem 15. September wird die elf Meter hohe Schallschutzwand aufgebaut, die Anwohner, Patienten der benachbarten Klinik und Gäste der Thermenlandschaft so gut wie möglich vor Lärm schützen soll. Und dann rücken die Spezialisten der MND-Bergbaugruppe an. „Ab dem 22. September werden in 61 Schwerlasttransportern Bohrturm und -anlage sowie Arbeits- und Wohncontainer angeliefert“, kündigt Dominique Hannig das Mammut-Vorhaben an.

Spezialtechnik – 4850
Meter in die Tiefe

Ende September beginnt die heiße Phase. Dann soll die Bohranlage „RIG 40“ den Zugang zu den Tiefen der Thermalbohrung öffnen. Dominique Hannig ist zuversichtlich, dass das gelingt, denn die MND-Bergbaugruppe gehört zu den wenigen Unternehmen in Europa, die solch komplexe Projekte beherrschen. „Trotzdem bleibt unsere Thermalbohrung ein einmaliges Projekt, das alle fasziniert. Es wird hochspannend. Wir müssen uns überraschen lassen“, sagt Hannig.

Läuft alles nach Plan, könnte die Bohrung noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Abhängig von der Witterung sollen im ersten Quartal 2026 der Bohrplatz zurückgebaut und die Wiese rekultiviert werden. Im nächsten Schritt entsteht die Obertageanlage mit neuem Betriebsgebäude für die Bohrung und den Leitungen des Thermalwassers in die Chiemgau Thermen. Bis Herbst 2026 soll das Großprojekt abgeschlossen sein.

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