Exotische Schildkröten in der Mangfall

von Redaktion

Eine Schildkröte in der Mangfall? Diese Entdeckung macht eine Spaziergängerin. Was es damit auf sich haben könnte und wo die Schildkröte jetzt untergekommen ist.

Bad Aibling – Es sollte eigentlich eine ganz normale Gassirunde am Mangfallufer für Birgit Kuntscher, ihren Mann und ihren Hund werden. Doch anstelle von Enten oder anderen Vögeln entdeckte sie dieses Mal eine Schildkröte mitten im Fluss.

„Ich lebe hier schon immer“, erzählt Kuntscher dem Mangfall-Boten am Telefon. Sie werfe, gerade wenn sie mit dem Hund unterwegs ist, gerne mal einen genaueren Blick in die Natur. „In der Mangfall schwimmen öfter Biber, einen Eisvogel habe ich auch schon mal gesehen“, sagt sie. Doch als sie an diesem Tag ins Wasser schaute, entdeckte sie dort einen außergewöhnlichen Besucher: Auf einem Stein saß eine Schildkröte, die sich die Sonne auf den Panzer scheinen ließ.

Spaziergängerin
„wie versteinert“

„Im ersten Moment konnte ich es nicht glauben und bin ein paar Sekunden wie versteinert dagestanden“, erzählt Kuntscher. Mit einer Schildkröte habe sie in der Mangfall nicht gerechnet. „Mein Mann wollte die Schildkröte einfangen, aber sie ist sofort davon geschwommen“, so Kuntscher. Über Facebook teilte sie kurz darauf ihre Beobachtung. Am 8. September kommentierte dort eine Nutzerin, dass sie die Schildkröte eingefangen und ins Tierheim gebracht habe.

Beim Tierschutzverein Rosenheim wurde tatsächlich am 8. September eine Schildkröte abgegeben, wie Vorsitzende Andrea Thomas auf Anfrage des Mangfall-Boten informiert. Das Weibchen, eine sogenannte Cumberland-Schmuckschildkröte, wurde in der Nähe der Mangfallbrücke bei Willing aufgegabelt. Thomas geht davon aus, dass es sich hierbei um die Schildkröte handelt, die Birgit Kuntscher bei ihrem Spaziergang entdeckte.

In der Region werden ihr zufolge öfter Schildkröten gesichtet. „Bei uns werden eigentlich ständig welche abgegeben“, sagt Thomas. Aktuell leben insgesamt 90 Stück im Rosenheimer Tierheim, 75 Wasserschildkröten und 15 Landschildkröten. „Die Vermittlung ist allerdings schwierig“, so die Vereinsvorsitzende. Dennoch gelinge es immer wieder, Schildkröten in ein artgerechtes neues Zuhause zu vermitteln.

Aber auch andere Reptilien wie Bartagamen oder Schlangen landen oft im Tierheim. „Das ist nur deshalb der Fall, weil viele Menschen sich solche Tiere unüberlegt anschaffen“, erklärt Thomas. Aufklärung sei deshalb unabdingbar. „Aber solange man im Internet Reptilien kaufen kann, wird sich daran auch nichts ändern.“

Der Tierschutzverein veröffentlicht alle Fundtiere in den sozialen Medien. „Manchmal meldet sich sogar der Besitzer der Schildkröte“, erzählt Thomas. Handele es sich aber um eine geschützte Art, müsse der erst einmal gültige Papiere vorlegen, bevor er sein Reptil zurückbekommt. „Das wird auch streng von den Behörden überprüft“, so Thomas. Die Cumberland-Schmuckschildkröte steht allerdings nicht unter Schutz. Dass Schildkröten aus ihrem Zuhause entkommen, passiert ebenfalls häufiger. „Sie sind recht erfinderisch, wenn sie ausreißen möchten“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Deshalb müsse man sich vor der Anschaffung genau über die artgerechte und sichere Unterbringung informieren. Die meisten Schildkröten werden ihr zufolge aber einfach ausgesetzt. „Sie wurden irgendwo aus dem Ausland mitgebracht, vielleicht noch als Mini-Schildkröte, und sobald sie größer sind, werden sie einfach entsorgt“, kritisiert die Tierschützerin. Oft mache sich der Besitzer wenig Gedanken über die anspruchsvolle Haltung. Hinzu kommt, dass jede Schildkrötenart andere Anforderungen an ihre Umgebung hat. „Außerdem können Schildkröten leicht 100 Jahre alt werden.“

Klima und Straße
sind gefährlich

Für die Reptilien ist es – genau wie für alle anderen Wild- oder Haustiere – sehr gefährlich, wenn sie Straßen überqueren. Auch das Klima kann einigen Arten zu schaffen machen. „Die meisten, unter Artenschutz stehenden Landschildkröten, die aus wärmeren Ländern kommen, haben im Winter keine langen Überlebenschancen“, informiert Thomas. Manche Wasserschildkröten könnten vielleicht einige Jahre überleben, seien aber auch nicht für unser Klima geeignet. „Sie werden meistens krank und sterben schnell.“

Der abgegebenen Schildkröte aus der Mangfall geht es aber so weit gut. Im Tierheim wird sie jetzt erst einmal versorgt, beim Tierarzt sei sie auch schon gewesen. Und vielleicht meldet sich auch bald derjenige, dem das kleine Reptil entwischt ist.

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