Bad Aibling – Selten hat ein Mammut-Projekt die Menschen derart bewegt, wie die Großbaustelle mitten im Herzen Bad Aiblings. Nach nunmehr einigen Jahren hat man sich längst an den eingeschränkten Durchfahrtsverkehr und den Baulärm in der Kirchzeile gewöhnt. Doch wie steht es heute eigentlich um das Großprojekt „Lichtspielhaus/Wohnen am Mühlbach“ und wann dürfen die Bad Aiblinger Bürger mit Veränderung oder gar der Fertigstellung rechnen? Gegenüber dem OVB gaben die Verantwortlichen nun konkrete Einblicke und laden zudem Bürger ein, sich über den Stand der Dinge zu informieren.
Emotionale Diskussionen
Doch um zunächst die Tragweite des Projektes zu verstehen, lohnt immer auch ein Blick in die Historie. Bereits 2018 machte das Vorhaben weit über die Grenzen der Kurstadt hinaus Schlagzeilen, als sogar ein Bürgerentscheid die Frage nach der Höhenentwicklung behandelte. Seither wurde über die Bauwerke emotional diskutiert. Und die beiden Projekte brachten auch nach Beginn der Abrissarbeiten im Jahr 2022 nicht nur Befürworter hervor. Zu groß war vor allem die Sorge bei einigen Anliegern, die durch die jahrelange Baustelle erhebliche Einschränkungen befürchteten. Alleine der Wegfall zahlreicher Parkplätze, die der Baustelle beziehungsweise der ausweichenden Straßenführung weichen mussten, traf und trifft Gastronomen, Einzelhändler und Hoteliers. Hinzu kommt das freilich nicht wirklich ansprechende Erscheinungsbild einer Großbaustelle – an solch zentraler Stelle. Reibungslos liefen im Anschluss auch die Arbeiten an sich nicht immer. So bremsten Verzögerungen zu Baubeginn aufgrund der schwierigen Untergrundverhältnisse sowie archäologischer Funde die Bauphase erheblich aus. Doch all das gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Trotz der großen Herausforderungen scheint nun ein Ende der Baumaßnahmen in Sicht. An einem verregneten September-Nachmittag laufen Geschäftsführer Florian Eisner (Werndl Eisner & Partner) sowie Projektleiterin Stefanie Puscher über die Baustelle und zeigen sich grundsätzlich zuversichtlich.
„Unterm Strich sind wir zufrieden“, sagt Florian Eisner gegenüber dem OVB auch im Hinblick darauf, dass man nun große Teile der Baumaßnahmen bereits hinter sich gebracht habe. Wohl wissend, dass sich das Projekt aus den unterschiedlichen Gründen extrem lange hingezogen hat. „Wir haben das Grundstück 2017 gekauft, insgesamt arbeiten wir dann rund zehn Jahre dran, das ist schon lange“, weiß Eisner. Und dass die Großbaustelle auch „eine Qual für die Innenstadt“ sei, wissen die Verantwortlichen. Neben dem schwierigen Baugrund seien die größten Herausforderungen, dass man sich mitten im Ortszentrum befinde, über keine Lagerflächen verfüge und mehrere direkte Nachbarn berücksichtigen müsse. „Deshalb ist das Thema hier auch so emotional. Wir bauen hier ja nicht irgendwo auf der grünen Wiese“, so Eisner.
Doch trotz allem sei man überzeugt von den Bauwerken „Lichtspielhaus“ und „Wohnen am Mühlbach“ und von dem Mehrwert für die Stadt. Etwa auf die Fassade, die mittlerweile Gestalt annimmt, sei man „richtig stolz.“ Und laut Eisner entspanne sich die Lage rund um die Baustelle nun auch immer mehr. „Die groben Arbeiten fallen jetzt nach und nach weg.“ Nach Angaben von Stefanie Puscher, Projektleiterin für beide Baueinheiten, befinde man sich derzeit in der Innenausbauphase, wozu etwa Estrich, Fliesen oder Trockenbau zähle. „Die Fassade entsteht nebenbei“, erklärt Puscher. Wenn die Gebäude fertiggestellt wurden, beginnen die Freiflächenarbeiten, wobei unter anderem die gleichen Bäume wie zuvor wieder gepflanzt werden. „Wenn das der Fall ist, wird die Baustelle zeitgleich zurückgebaut“, sagt Puscher. Bedeutet auch, dass die Betonabsperrung entfernt und somit der Verkehr wieder in gewohntem Ausmaß rollen kann. Wann genau dieser Meilenstein erreicht wird, sei laut der Projektleiterin allerdings schwer exakt vorauszusagen. „Das wird nächstes Jahr erfolgen, sobald es die Witterung zulässt.“ Die Gesamtfertigstellung, sodass die Gebäude also auch bezugsfertig sein werden, erwartet man Ende 2026.
„Es wird jetzt von Woche zu Woche schöner“, sagt Puscher, die sich an die großen logistischen Herausforderungen der vergangenen Monate und Jahre gut erinnert. So habe man beispielsweise extra eine Firma engagiert, die sich alleine um die Logistik kümmert. „Da wird dann genau geregelt, wer liefert, wann die auf Abruf wartenden Lkw herfahren können, wo der Müll hin soll“, sagt Puscher mit Blick auf die herausfordernden Platzverhältnisse im Herzen der Stadt.
Wohnungen, Läden und Gastronomie
Mit dem Großprojekt „Lichtspielhaus/Wohnen am Mühlbach“ entstehen insgesamt rund 40 Wohnungen. Davon sind bisher etwa 50 Prozent verkauft, weiß Geschäftsführer Eisner. Neben dem Wohnraum beinhaltet das Lichtspielhaus zudem zwei Läden im Erdgeschoss, eine Bürofläche im ersten Obergeschoss sowie eine Gastronomie im Erdgeschoss anstelle des früheren „Sebastiani Bräu“.
Nach einem Streifzug durch die derzeit entstehenden Wohnungen – die kleinste noch verfügbare ist 54, die größte 149 Quadratmeter groß – laufen Eisner und Puscher durch die Tiefgarage, die beide Bauwerke im Untergrund miteinander verbindet. Und die für die Verantwortlichen aufgrund der Bodenverhältnisse und der benötigten Stellplatzanzahl wohl zu den größten Herausforderungen des Großprojektes zählte. Wieder oben auf der Baustelle angekommen, sind sich Eisner und Puscher einig: Es ist ein besonderes Großprojekt mitten im Herzen der Stadt. Und auch deshalb wollen sie die Bürger Ende September bei einem Tag der offenen Tür über den aktuellen Stand und die Zukunft der Baukomplexe informieren.