Bruckmühl – Am Samstag, 4. Oktober, knallen ab 10 Uhr auf dem Gelände der BRK-Bereitschaft Bruckmühl am Dr.-Wilhelm-Glasser-Weg 2 die Sektkorken. Grund dafür sind die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des First-Responder-Fördervereins (FRFV). Zusammen mit dem First-Responder (FR)-Team der BRK-Bereitschaft wurde eine auch überregional beachtete Erfolgsstory mit Vorzeigecharakter geschrieben. Dies wird mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.
Eng mit dem FRFV ist gerade auch der Name Reinhard Geigerseder verbunden. Der 79-Jährige ist nicht nur Mann und Vorsitzender der ersten Stunde, sondern bis heute sein Gesicht.
Rückblick: Als Vorbild für den Bruckmühler „schnellen Helfer vor Ort“ dienten Anfang der 1990er-Jahre die im Landkreis München ins Leben gerufenen First-Responder-Teams. Die ersten Planungen in der Marktgemeinde Bruckmühl reichen in den Herbst 1997 zurück. Nachdem eine Vielzahl von behördlichen und bürokratischen Hürden genommen war, folgte das Genehmigungsverfahren im Sommer 1998 – und im Oktober ging es dann schon los.
Konsequente Finanzplanung
Ein zehn Jahre alter Audi 80 diente als erstes Einsatzfahrzeug, die Beschaffung der Einsatzausstattung in Höhe von 10000 Mark übernahmen Bruckmühler Firmen und Privatpersonen. Bereits nach der ersten sechswöchigen Erprobungsphase konnte das Fazit gezogen werden: Der Bruckmühler First-Responder-Dienst hat einen hohen qualitativen Wert.
„An einem Abend im Frühjahr 2000 stand mein Sohn Christof, FR-Einsatzfahrer, vor der Tür. ‚Papa, wir haben ein Problem, unser FR-Audi hat den Geist aufgegeben, wir haben einen gebrauchten VW-Passat gekauft und nun haben wir kein Geld mehr. Wir brauchen jemanden, der die Sache mit einem Förderverein anpackt. Das wäre doch was für dich‘“, erinnert sich Geigerseder mit einem Schmunzeln. Der Bruckmühler nahm das Job-Angebot spontan an.
Nachdem er schon in kurzer Zeit die ersten engagierten Mitstreiter gewinnen konnte, fand am 7. Juli 2000 im Gasthaus Ampletzer (heutige Kulturmühle) die Gründungsversammlung statt. Als Führungs-Trio wurde Geigerseder als Vorsitzender, Margot Patzlsperger, Zweite Vorsitzende und Kassier, sowie Schriftführerin Gertraud Geigerseder gewählt. „Nachdem wir eine Art Marshallplan erstellt hatten, begann schon Tage später das große Klinkenputzen“, erinnert sich der Vereins-Pionier. Jede sich bietende Gelegenheit wurde beim Schopf gepackt, ob beim Einkaufen oder bei Veranstaltungen im Gemeindegebiet, um über die ehrenamtliche Tätigkeit des FR-Teams und der Funktion des Fördervereins zu informieren. Der Lohn: Am 20. November 2000 konnte bereits das 100. Fördermitglied begrüßt werden.
Doch damit nicht genug. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde in den folgenden Monaten breiter aufgestellt und die Akquise von Sponsoren intensiviert. So konnte das FR-Team aus Eigenmitteln mit einheitlicher Einsatzkleidung und bedarfsgerechter Ausrüstung ausgestattet werden. Im Oktober 2002 wurde dann sogar der Traum der FR-Einsatzcrew Realität. Mit einem Festakt samt Fahrzeugweihe konnte das neue, komplett eigenfinanzierte Einsatzfahrzeug, ein Audi A4 Avant, mit einer großen Portion Stolz der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Damit war der Startschuss zur 25-jährigen Erfolgsstory abgefeuert. Mit einem Maßnahmenpaket wurde der Bekanntheitsgrad des FRFV in der Region gesteigert. Dazu zählte auch die Intensivierung von Schulungsmaßnahmen mit dem Defibrillator in enger Kooperation mit dem FR-Team sowie der Verkauf eines bebilderten FR-Jahreskalenders in limitierter Auflage. Neue Impulse setzte auch die Freischaltung der FR- und FRFV-Homepage im November 2016. Im gleichen Jahr verlieh der BRK-Kreisverband Rosenheim dem FRFV die Henry-Dunant-Medaille in Gold.
Ein weiterer Meilenstein war Mitte Oktober 2020 der Einzug in den Neubau der BRK Bereitschaft Bruckmühl am Krankenhausweg/Dr.-Wilhelm-Glasser-Weg 2. Durch eine bis zum heutigen Tag konsequent verfolgte und zielgerichtete Finanzplanung konnte das Bruckmühler FR-Team durch das unermüdliche ehrenamtliche Engagement des Fördervereins auf einen hohen professionellen Einsatzstand gehalten werden. So wurde am 3. Dezember 2022 das bereits vierte eigenfinanzierte Einsatzfahrzeug, ein BMW X3 Hybrid, in Dienst gestellt.
Nach einem nächsten großen Ziel gefragt, antwortet Geigerseder spontan: „Das ist ganz klar die 1000er-Mitgliedsmarke, dazu fehlen uns jetzt nur noch rund 50 Unterstützer“. In dem Zusammenhang bedauert er, dass der Allgemeinheit in Teilen immer noch das Bewusstsein für das Thema Rettungsdienst im Allgemeinen und den First Responder im Speziellen fehlt.
Auch der Vorsitzende wurde schon gerettet
„Man muss sich im Klaren darüber sein, dass jeder, egal welchen Alters, zu jeder Zeit, an jedem Ort, ob zu Hause, im Job, in der Freizeit oder beim Sport, mit einer Unfallsituation konfrontiert werden kann – und man dann Gott froh ist, wenn bestens ausgebildete Rettungskräfte mit professioneller Einsatz-Ausstattung in kürzester Zeit mit einer schnellen Erste Hilfe vor Ort sind. Dies sollte doch wirklich jedem Bruckmühler 15 Euro im Jahr wert sein“, ist sein Appell.
Pikante Randnotiz: „First Responder-Gruppe rettet ihrem Vorstand das Leben“, titelte der Mangfall-Bote am 22. August 2005 auf den Lokalseiten. Dass er selbst als Vorsitzender des FR-Fördervereins aus einer lebensbedrohlichen Situation durch das Bruckmühler FR-Team gerettet werden musste, bezeichnet Geigerseder auch heute noch „als Fügung des Schicksals“. Auf dem Bruckmühler Volksfest hatte er sich an einem Stück Grillfleisch derart verschluckt, dass es sich unglücklich auf den Kehlkopfdeckel gelegt hatte. Eine schlagartige Atemnot setzte ein. „Ohne das perfekte Zusammenspiel zwischen einem angehenden Arzt und dem Bruckmühler First-Responder-Team würde ich heute nicht mehr leben.“