Bad Feilnbach – Seit 125 Jahren gilt für die Liedertafel Bad Feilnbach ihr Sängerspruch „Fest wie der Wendelstein, soll unsre Treue sein!“ Ihren Geburtstag feiert der Kulturträger am Samstag, 4. Oktober, mit einem Jubiläumshoagascht. Beginn ist 19.30 Uhr beim Kistlerwirt in Bad Feilnbach.
Gratulieren wollen beschwingt und heiter die junge Tanzlmusi „Bresiad ja Nix“, das Zithertrio „Umadaum-Musi“, das Gitarrenensemble „Auer MusiTanten“, der Männergesangverein „Liederkranz“ Au, die Liedertafel Fischbachau, der Männergesangverein „Götting“ und die Liedertafel als Gastgeber. Aus der Chronik zitiert Peter Keill. Durch den Abend führt Matthias Schwaiger.
Bürgermeister ist
der erste Dirigent
Die bewegte Geschichte des Kulturträgers am Fuße des Wendelsteins mit Markenzeichen „Alpenländisches Liedgut“ beginnt der Chronik zufolge am 8. März 1900 im damaligen Gasthaus Obermaier, dem heutigen Gasthof Pfeiffenthaler. 14 sangesfreudige Männer „im verheirateten und ledigen Stande“ entschieden sich in der Lokalität, in der auch Proben stattfanden, zur Gründung eines Gesangvereins. Erster Vorstand war Rupert Ritsch und den Chor dirigierte Josef Rambold, der auch das Amt des Bürgermeisters bekleidete. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern gehörten Josef Ettle, Otto Regnat, Josef Gernstl senior, Georg Gernstl junior, Anton Eggensberger, Georg Gantenhammer, Josef Riesenberger, Julius Staude, August Gernstl, Virgil Lettenbichler, Georg Fischer und Georg Grüntner.
Drei Monate später, die königliche Bezirksregierung in Rosenheim hatte inzwischen die Vereinsstatuten abgesegnet, fand mithilfe der „Musikgesellschaft Feilnbach“ das erste Konzert mit unerwarteten Erfolg statt. Von großem Ehrgeiz und beachtlichen Eifer gepackt, folgten in den darauffolgenden Jahren jeweils ein Sommer- und ein Faschingskonzert mit anschließendem Tanz statt.
Die sorgfältig geführten Annalen berichten von Wettbewerben und Preissingen sowie 1913 von einem Gausängertreffen in Holzkirchen, bei dem die Sänger mit dem Jodlerlied „D´Liab zum Dirndl“ den damals größten Applaus verbuchen durften.
Anders als alle übrigen Chöre traten sie in der Gamsledernen, die „Kurze im Sommer“ und darüber hinaus mit der Bundhose auf. Für Qualität und Erfolge der „Liadatofe“ zeichnete engagierte Dirigenten verantwortlich, die auch ein gewisses Maß an Disziplin nicht außer Acht ließen. Etwa von 1917 bis 1957 Fritz Pfaffinger, und nachfolgend Anderl Echtler senior und bis zum plötzlichen Tod 2009 Anderl Echtler junior. Auch dessen Nachfolger Balthasar Müllauer war nur eine kurze Lebenszeit gegönnt und die Chorgemeinschaft hielt sich mit Aushilfen am Leben – bis zum Jahr 2013, als Elisabeth Huber als Dirigentin das Sängerstüberl beim Kistlerwirt betrat und den Chor für gefeierte Konzerte und Auftritte formte.
Auf Geschlossenheit und Zusammenhalt bedacht waren Vorstände. Höhen und Tiefen erlebte Rupert Ritsch in seiner 45-jährigen Amtszeit, die kurz nach dem Krieg mit dem Tod endete. Ihm folgten Josef Rambold (1947 bis 1957), Hans Riesenberger (1957 bis 1966). Dr. Willi Krombacher (1966 bis 1978), Siegfried Seebacher (1978 bis 1994) und bis heute Ehrenvorsitzender, Max Fischer (1994 bis zum plötzlichen Tod 1996), sowie Vitus Reger (1997 bis 1999).
Nachwuchs wird
dringend gesucht
Dessen Nachfolger Hans Roth bemüht sich bis heute für ein solides Vereinsleben zur Förderung und Pflege alpenländisches Liedgut. 1999 wurde eine CD mit beliebten Liedern veröffentlicht. Zu verschiedenen Ehrungen zählt die Verleihung der Zelter-Plakette für langjähriges Wirken und erworbene Verdienste in der Chormusik und des deutschen Volkslieds“. Dem traditionsreichen Männerchor, der dem Sängerkreis Wendelstein angehört, treiben seit einiger Zeit gravierende Sorgenfalten betreffend seiner Zukunft auf die Stirn. Zur Aufrechterhaltung ihrer Singfähigkeit benötigt die harmonische Gemeinschaft sangesfreudigen Nachwuchs in allen Stimmlagen.