Kirchdorf – Am Sonntag, 16. April 2023, fand letztmals ein Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Vigilius im Bruckmühler Ortsteil Kirchdorf statt. Anschließend begannen die umfassenden Renovierungsarbeiten, die jetzt in den Endspurt gehen.
Im Jahr 1258 wurde das Gotteshaus ursprünglich in Holzbauweise errichtet und 1470 von Ritter Hans Holnsteiner durch eine Steinkirche im spätgotischen Stil ersetzt. 1697 erfolgte die Barockisierung, 1708 entstand der Turm und 1875 wurde die Kirche im neugotischen Stil umgestaltet.
Alle Figuren und Kreuzweg überholt
Die letzte komplette Innenrenovierung mit ihrem heutigen Erscheinungsbild erlebte das Gotteshaus im Jahr 1927. Ein Schwerpunkt der Renovierung bildete die Erneuerung der sogenannten Gestühlspodeste, also des Holzfußbodens unter den Kirchenbänken. Dazu musste das gesamte Kirchengestühl ausgebaut werden.
Ebenfalls für die Restaurierung abgenommen wurde die feuchtigkeitsgeschädigte Wandverkleidung an den Außenwänden. Die Wandverkleidung wurde um einige Zentimeter von den Wänden abgerückt, um eine Hinterlüftung zu gewährleisten und dadurch erneute Feuchteschäden zu vermeiden. Unter den Sitzbänken und hinter der Wandverkleidung wurde die neue Heizung in Form einer Warmwasserleitung verlegt.
Die Kirche wird über das örtliche Biomassenahwärmenetz beheizt. Große Bedeutung kam auch der Erneuerung der Decken und Wände, also der sogenannten Raumschale, zu. Dabei wurden alle Wandflächen gereinigt und gepflegt, was zu einer deutlichen Aufhellung führte. Der Hochaltar und die Seitenaltäre wurden zudem gefestigt und ihre farbige Fassung von 1927 grundlegend überholt, gleiches galt für alle Figuren und den Kreuzweg.
Ferner wurden die teils gravierenden Schäden am Natursteinboden im Kirchenraum aus Solnhofener Platten restauriert beziehungsweise der Belag ergänzt und gereinigt. Auch die Kirchenfenster mit ornamentaler Glasmalerei und farbigen Randbordüren wurden restauriert. Im Zuge der Renovierung entfielen einige Bankreihen unter der Empore. An ihrer Stelle entstanden ein Andachtsraum und das Taufbecken.
Zum Renovierungsprogramm zählt unter anderem auch die Umgestaltung der Sakristeien und die Überarbeitung des linken Seitenaltars mit der Reliquie der heiligen Modestine. Die Gebeine der römischen Katakombenheiligen sind in würdiger Form im Pfarrhaus zwischengelagert.
Arbeiten gehen
bis Anfang November
Derzeit werden das Gestühl wieder eingebaut und an den Altären die unteren Vorderfronten sowie einige Heiligenfiguren restauriert. Im Altarraum wird der Ambo von bisher links nach rechts versetzt und in der Mitte der neue Volksaltar errichtet. Auch der Kirchturm ist in die rund 3,8 Millionen Euro umfassende Renovierungsmaßnahme miteingeschlossen. Sein Dachstuhl wurde ausgebessert, die Schieferbedachung erneuert und die Zifferblätter der Kirchturmuhr repariert.
Der Kirchturm erhielt zudem ein neues Turmkreuz (wir berichteten). Kirchenpfleger Anton Hell ist optimistisch, dass alle Arbeiten bis Anfang November abgeschlossen werden. „Am Samstag, 8. November, findet die feierliche Wiedereröffnung mit Altarweihe statt“, erklärte er gegenüber dem Mangfall-Boten.