Bildung dank Briefmarken

von Redaktion

Marlene Liegl (84) unterstützt seit 30 Jahren die Sammelaktion des Kolpingwerkes

Bad Aibling – Vor 30 Jahren startete das Internationale Kolpingwerk in Köln eine Briefmarken-Sammelaktion als Dauereinrichtung, mit deren Reinerlös Ausbildungsplätze für Jugendliche in Ländern der „Dritten Welt“ geschaffen werden. Marlene Liegl (84) aus Bad Aibling ist von Anfang an mit dabei und hat im Verlauf der Jahrzehnte etliche Kilogramm Briefmarken für den guten Zweck gesammelt.

Fünf Kilo für einen
Ausbildungsplatz

„Es macht mir immer noch Freude“, sagt die ehemalige Bad Aiblinger Stadträtin über ihre ehrenamtliche Tätigkeit – eine von vielen, die sie in ihrem Leben ausgeübt hat und zum Teil noch innehat. Die stattliche Anzahl der Kuverts oder auch Gefrierbeutel, in denen ihr ihre Zulieferer unter anderem die Marken überlassen, ist ein Gradmesser für die breite Unterstützung, die ihre Tätigkeit nicht nur in Bad Aibling seit Jahren erfährt.

„Obwohl die Nutzung von Briefmarken im Zeitalter der Digitalisierung deutlich zurückgegangen ist, registriert die 84-Jährige bisher keine Minderung des Volumens, das sie alle Jahre nach Köln schickt. „Das Anwachsen meiner Unterstützer gleicht den Rückgang bei der Verwendung von Briefmarken wohl aus“, erklärt sich Liegl diesen Umstand. „Etwa fünf Kilogramm Marken reichen aus, um einen Ausbildungsplatz zu finanzieren“, weiß sie.

Das Kolpingwerk verkauft die eingehenden Briefmarken an Händler und investiert die Einnahmen in seine Ausbildungsoffensive. Angenommen werden sowohl abgestempelte Marken aus der täglichen Post als auch sortierte Sammlungen. Es handelt sich um eher kleinere Beträge, die bundesweit auf diese Weise zusammenkommen. 13729 Euro waren es im vergangenen Jahr, der bisherige Rekorderlös wurde mit 27305 Euro 2017 erzielt.

Warum dieses Geld dennoch Jahr für Jahr zu einer großen Hilfe wird, erläutert das Internationale Kolpingwerk auf seiner Homepage. „In Afrika, Asien oder Lateinamerika kostet eine Ausbildung weit weniger als bei uns. Oft reichen schon 300 Euro aus, damit ein Jugendlicher einen Beruf erlernen und den Weg in feste Arbeit finden kann.“

Wie viele Jugendliche dank ihres Engagements einen Beruf erlernen konnten, kann die Bad Aiblingerin nicht genau beziffern. „Ein paar Dutzend waren es bestimmt“, so ihre Hochrechnung. „Es mag ein Tropfen auf den heißen Stein sein, aber wir setzen mit dieser Aktion ein Zeichen“, sagt Marlene Liegl.

Die Aiblinger Kolpingsfamilie gehörte zu den ersten bundesweit, die mit von der Partie waren, als die Aktion 1995 ins Leben gerufen wurde. Liegls Mann Jakob, der lange Jahre Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender des Vereins war, hatte einst die Initiative ergriffen und wurde dabei von seiner Frau unterstützt. Als er 2013 starb, hat sie diese Tätigkeit alleine fortgeführt. Mittlerweile greift ihr eine Frau aus der Pfarrgemeinde ein wenig unter die Arme. Mit dem Sammeln der Briefmarken und dem Verschicken nach Köln ist es nämlich nicht getan. Marlene Liegl achtet darauf, dass jede Briefmarke „versandgerecht“ die Kurstadt verlässt und greift deshalb häufig zur Schere.

„Viele Leute reißen ein Stück vom Kuvert ab und schicken mir die Marken dann samt einem Teil des Umschlags. Die schneide ich dann zurecht“, berichtet sie. Eine Tätigkeit, für die sie im Verlauf eines Jahres viel Freizeit opfert. Über die Anzahl der unentgeltlich geleisteten Stunden führt sie keine Statistik. „Oft schneide ich die Marken beim Fernsehen nebenbei aus. Das geht ganz gut. Aber ich lege schon auch mal eine Schicht am Wohnzimmertisch ein“, verrät Liegl.

„Ich freue mich, dass unser Verein von Anfang an die Aktion unterstützt und bin Marlene für ihre Arbeit sehr dankbar“, lobt Bad Aiblings Kolpingvorsitzender Franz Besel ihr Wirken. An ein paar besondere Momente, die die ehrenamtliche Tätigkeit mit sich brachte, erinnert sich die 84-Jährige gerne zurück. 2019 konnte sie beispielsweise ein acht Kilogramm schweres Paket mit Briefmarken nach Köln schicken. Vier Kilo stammten aus dem Nachlass eines Bad Aiblinger Sammlers. Allein rund 500 Euro Reinerlös brachte beispielsweise ein Paket, das sie im Januar des vergangenen Jahres verschickte.

Über die Kolpingsfamilie gelangte sie an 21 Originalsendungen, die ein Mitglied des Sammlerverbandes Berlin zusammengetragen hatte. Bei den Marken handelte es sich unter anderem um Sonderausgaben, die vor der Jahrtausendwende auf dem Markt waren und unter anderem an Papst Johannes Paul II. erinnerten. In der Jahresversammlung der Bad Aiblinger Kolpingsfamilie berichtet Marlene Liegl regelmäßig über den Erfolg der Aktion, denn aus ihren Reihen erfährt sie die größte Unterstützung.

Unterstützer werden
weiterhin gesucht

„Zur Versammlung muss ich immer eine große Stofftasche mitbringen, weil mir viele Mitglieder bei dieser Gelegenheit Marken übergeben. Das ist fast schon ein Ritual“, sagt sie voller Dankbarkeit für diese Gesten der Solidarität. Wer die Briefmarkenaktion unterstützen möchte oder Rückfragen hat, kann sich gerne mit Marlene Liegl unter der Telefonnummer 08061/4550 in Verbindung setzen.

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