Bad Aibling – Wer an einem Donnerstagabend den Gmoahof in Willing betritt, hört Musik erklingen, angereichert mit englisch gesprochenen Anweisungen wie „Up To The Middle And Back“, „Join Hands“, „Rock Forward And Back“ oder „Lines Of Four“. Ein neugieriger Blick in den Saal zeigt: Hier sind die „Dancing Moor Lights“ (DML) in Aktion.
Übersetzungen
wären ein Stilbruch
Die Gruppe wurde 1992 als „Square Dance Club Bad Aibling“ gegründet und 1999 in ihren heutigen Namen „Dancing Moor Lights“ (DML) umbenannt. Sie zählt aktuell 48 Mitglieder. Die Tanzgruppe sorgt regelmäßig für einen Höhepunkt des Aiblinger Bürgerfestes, tritt sonst aber nicht öffentlich in Erscheinung.
Jetzt hat sie an zwei Abenden zum „Open House“ in den Gmoahof eingeladen – quasi zum „Tag der offenen Tür“. Die OVB-Heimatzeitungen waren an einem Abend dabei. Zuerst fällt einem die Kleidung der Square Dancer ins Auge. Die Vorschriften erläutert DML-Präsident Helmut Stenzel: „Die Herren tragen eine normale lange Hose (dunkle Jeans) sowie ein Hemd mit langem Arm. Dazu als ,Schmuck‘ Kragenecken fürs Hemd, ein Western Bolo Tie (Western- oder Cowboykrawatte) oder ein Bandana (Halstuch), einen Gürtel mit Buckle (Gürtelschnalle) sowie ein Square Dance Towel (kleines Handtuch am Handtuchhalter). Die Damen dürfen es sich dagegen etwas luftiger machen, ihnen sind auch kurze Ärmel zugestanden. Sie tragen eine Bluse oder ein T-Shirt, dazu den beliebten Square-Dance-Rock oder -Kleid mit einem Petticoat. Unter den Petticoats gehört noch ein Pettipant dazu. Im Old-Style darf es statt Rock und Bluse auch ein traditionelles Kleid der amerikanischen Gründungszeit sein.“
Damen wie Herren tragen ein Club-Badge mit Namensschild, auf dem sich der jeweilige Vorname des Tänzers befindet. Square Dance ist ein amerikanischer Volkstanz und entstand aus den europäischen Volkstänzen der Gründungszeit Amerikas. In aller Welt wird heute Square Dance getanzt. Stets in Gruppen zu je vier Paaren, die an den Linien eines gedachten Quadrats (= Square) stehen. Square Dance ist ein rhythmisch fließender, durch Höflichkeit, Freundlichkeit und Freundschaft geprägter Gemeinschaftstanz. Bei den DML wird Mainstream einmal wöchentlich am Donnerstag zum Clubabend getanzt. Das Mainstream-Programm beinhaltet derzeit 67 Figuren wie beispielsweise „Circle Left“, „Courtesy Turn“ oder „Forward and Back“. Die Tänze bestehen aus aneinander gereihten Figuren, die ein Caller (Ansager) in immer verschiedenen Kombinationen zu unterschiedlicher Musik „called“. Eine feste Abfolge, wie bei vielen Volkstänzen, gibt es nicht. Der Caller wählt die Figuren frei aus und kann so den Tanz vielfältig und immer anders gestalten.
Die Tänzer erlernen die einzelnen Figuren in einem speziellen Kurs. Danach können die Tänzer überall tanzen, da die Namen und die Ausführung weltweit standardisiert sind. „Die Anweisungen des Callers (Benennung der Figuren) erfolgen in englischer Sprache, daran geht kein Weg vorbei. Eine Übersetzung wäre Stilbruch“, betont der seit 2024 amtierende Präsident und führt weiter aus: „Außerdem muss es eine einheitliche Sprache geben, damit man überall auf der Welt miteinander tanzen kann. Da man aber nur die Namen der Figuren mit ihrer Ausführung verknüpfen muss, ist es nicht notwendig, Englisch zu sprechen oder zu verstehen.“
Der Verein verfügt über zwei feste Clubcaller (Peter und Christof), die etwa 75 Prozent der Clubabende im Jahr abwechselnd bestreiten. Weitere zehn bis zwölf Gastcaller werden für den Rest der Abende eingesetzt.
Als Musik kommen nicht nur Country und Western zum Einsatz, sondern unter anderem auch Rock, Pop, Hip-Hop, Reggae, Rock‘n‘ Roll und Jazz. So wird auch zu Welthits wie „A Hard Day’s Night“ (Beatles), „Dancing Queen“ (Abba) oder „Proud Mary“ (CCR) getanzt.
Interessierte sind
herzlich willkommen
Im Herbst beginnt bei den DML ein Anfängerkurs. Von Oktober bis April oder Mai werden die 67 Tanzfiguren mit den Neuzugängen (Students) eingeübt, die dann eine Abschlussprüfung (Graduation) ablegen. Die Jury wird vom Präsidenten beauftragt und setzt sich aus einem oder zwei Callern zusammen.
„Anfänger für den neuen Herbstkurs ab 9. Oktober sind gerne willkommen“, bekräftigt Helmut Stenzel abschließend.