Tuntenhausen – Im Rahmen der sechsten bayerischen Demenzwochen organisierten Gemeinde, Seniorenbeauftragte, Wohnberatung, Nachbarschaftshilfe und Frauengemeinschaft verschiedene Veranstaltungen in der Gemeinde Tuntenhausen. So war dieser Tage ein Vortrag von Dr. Jens Benninghoff, Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin im kbo-Isar-Amper-Klinikum in Haar, über Demenz angesagt. Benninghoff ging in seinem Vortrag auf August Alzheimer ein, dem deutschen Neurologen, der 1906 als Erster die charakteristischen Veränderungen im Gehirn seiner verstorbenen Patientin Auguste Deter beschrieb. Welche Dimension diese Krankheit mittlerweile einnimmt, zeigte der Chefarzt in einer Grafik des Trends der Demenzerkrankungen auf: Im Landkreis München waren es 2012 noch 5500 Fälle, 2020 schon 7500 und 2032 sind schon 9800 prognostiziert. Das ist eine prozentuale Veränderung von plus 78 Prozent. Im Landkreis Rosenheim, so der Arzt, sieht es fast genauso so aus (77 Prozent mehr).
Schaut man auf die Anamnese bei kognitiver Störung, sind die Symptome bei Gedächtnis, Sprache, Verhalten und Motorik auffällig. Benninghoff erinnerte, wachsam zu sein gegenüber Auffälligkeiten im Alltagsverhalten von älteren Menschen. Die ersten Anzeichen von Demenz entwickeln sich schleichend, können aber von den Angehörigen bemerkt werden, wenn die Person beginnt, alltägliche Dinge zu vergessen.
„Das Kurzzeitgedächtnis ist oft zuerst betroffen“, so der Arzt. Orientierungsprobleme sind ein weiteres frühes Anzeichen von Demenz. Dagegen kann mittlerweile aber gut therapiert werden, wie er ausführte. Nicht nur mit Medikamenten, auch Musik, körperliche Aktivität, Lichttherapie und Gedächtnistraining bringen Verbesserungen oder zumindest eine Verlangsamung der Progression.
Bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen könnten durch Prävention verhindert werden, heißt es in einem aktuellen Report der medizinischen Fachzeitschrift Lancet. Ohnehin ist es das Ziel, einen möglichst langen Verbleib in der vertrauten Umgebung zu ermöglichen.
Nach dem vielbeklatschten Vortrag gab es noch Gelegenheit für Fragen, was ausgiebig genutzt wurde. Gedächtnis-Sprechstunde, Memory Klinik und der Gewinn an Lebensqualität standen hier im Mittelpunkt. Maria Breuer, Zweite Bürgermeisterin und Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, bedankte sich am Ende bei Dr. Benninghoff. Sie zeigte sich beeindruckt vom Vortrag. ws