Sterntaler Filze vor Neuanfang

von Redaktion

„Wow-Effekt“ soll Besucher begeistern – Kosten von rund 78000 Euro veranschlagt

Bad Feilnbach – Die Sterntaler Filze bei Bad Feilnbach ist seit vielen Jahren ein beliebtes Ziel für Familien, Naturfreunde und Erholungssuchende. Doch die Moorerlebnisstation ist in die Jahre gekommen. Jetzt hat ein ehrenamtliches Team um den Geografen und Hochschullehrer Oliver Eisenbiegler ein Konzept für eine Neugestaltung vorgelegt.

Im Wirtschafts-, Kur- und Tourismusausschuss stellte Eisenbiegler die Ergebnisse der vergangenen Monate vor. Dabei zeigte er zunächst die Stärken und Schwächen auf. Pluspunkte seien die Vielfalt von Wiese, Wald und Moor, die große Artenvielfalt, drei ruhige Wasserflächen sowie zwei Aussichtspunkte mit Blick auf die Wiedervernässungsflächen. Auf der anderen Seite gebe es viele unklare Trampelpfade, marode Holzplankenwege, hohen Parkdruck am Wochenende und ein veraltetes didaktisches Konzept.

Mangelhafte
Orientierung

Besucher seien zwar von der Naturkulisse begeistert und sprächen von einem „Wow-Effekt“. Doch Orientierung und Beschilderung seien oft unklar, die Wissensvermittlung unzureichend. Auch Bänke, Wege und Rastbereiche seien veraltet. Eisenbiegler formulierte ein klares Ziel: Ein „Bildungs-, Natur- und Erfahrungsraum“, der ökologische, kulturelle und gesellschaftliche Aspekte des Moores lebendig macht.

Fachliche Inhalte sollen mit emotionalen Eindrücken, partizipativem Lernen und konkreten Handlungsimpulsen verbunden werden. „Ziel ist, dass jeder Besucher drei neue, überraschende und weiterzuerzählende Aspekte über das Moor mitnimmt“, fasste er zusammen.

Für Bad Feilnbach könne das Projekt viel bewirken: Es stärke die regionale Identität, fördere nachhaltigen Tourismus, biete Lernorte für Schulen und Kitas, trage zum Klimaschutz bei und schaffe Erholung für Bürger. Zudem gewinne die Gemeinde an Sichtbarkeit und Anerkennung.

Didaktisch sei ein Aufbau im „Zwiebelprinzip“ denkbar: von der Wiese bis zum Moor. Erlebnisräume sollen entstehen, Besucher stärker beteiligt werden. „Bevor etwas final umgebaut oder installiert wird, wird es getestet“, so Eisenbiegler. Insgesamt sei eine Gliederung in 14 Stationen möglich. Beispiele brachte er gleich mit: Ein „Scheunenweg“ könnte schon vor dem Eingang in die Filze eine Einführung in die Landschaftszonen geben. Besucher würden in vier Stufen an das Moor herangeführt und könnten auch den Wandel durch Landwirtschaft nachvollziehen – etwa über Infotafeln, eine Bank mit Bergblick oder eine Audio-Zeitreise. Auch die Wasserflächen und Aussichtspunkte ließen sich entsprechend gestalten.

Die Kosten für Schilder, Bänke, Tische, Holzbauten, Planung, Projektmanagement sowie Website und Infomaterial veranschlagte er auf rund 78000 Euro. Dabei solle besonders auf Förderfähigkeit geachtet werden.

Im Ausschuss fand das Konzept grundsätzlich Zustimmung. Zum Thema Barrierefreiheit erklärte Eisenbiegler, der Pfad könne „barrierearm“, aber nicht vollständig barrierefrei gestaltet werden. Auch die knappen Parkplätze und Nutzungskonflikte mit Landwirtschaft, Autos und Radfahrern wurden angesprochen. Eisenbiegler regte eine Erweiterung der Parkflächen und ein klares Leitsystem an.

Umsetzung schon
im kommenden Jahr?

Bürgermeister Max Singer stellte klar, dass ein finanzieller Effekt für die Gemeinde nicht direkt messbar sei. Eisenbiegler betonte jedoch, dass die Neugestaltung insgesamt positiv auf die Destination Bad Feilnbach einzahle. Moorführer Stephan Oberprieler ergänzte, dass viele Gäste eigens für die Sterntaler Filze nach Bad Feilnbach kämen.

Raphael Wagner, Leiter des Bereichs Kur und Tourismus, fasste zusammen: „Die Filze ist ein großes touristisches Highlight, das man gut besuchen und sowohl im Sommer als auch im Winter nutzen kann.“ In ihrem derzeitigen Zustand allerdings „vegetiert sie vor sich hin“.

Zeitlich könnte es schnell gehen: Bei einer positiven Entscheidung könnten in sechs bis acht Wochen die Förderanträge gestellt werden. Eine Umsetzung wäre bereits im kommenden Jahr möglich. Einen Beschluss fasste der Ausschuss im öffentlichen Teil zwar nicht – er nahm die Ausführungen aber zustimmend zur Kenntnis.

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