Feldkirchen-Westerham – Was schon vor einem Jahr absehbar war, hat sich jetzt endgültig bewahrheitet: Das Awo-Seniorenheim in Feldkirchen-Westerham ist zu einem Leuchtturmprojekt in Hinblick auf die Anpassung an den Klimawandel geworden. Denn im Herbst 2024 startete man ein Projekt, in dem die Einrichtung nicht nur von Grund auf hinsichtlich ihrer „Klimawandeltauglichkeit“ geprüft werden sollte. Es wurde über das vergangene Jahr hinweg auch ein detaillierter Maßnahmenplan entwickelt. Jetzt wurde der Abschlussbericht fertiggestellt und veröffentlicht.
Lebhafte Diskussion zum Ergebnisbericht
Wer jetzt denkt, dass es sich dabei um Tipps handelt, die in der Preislage „Kauft ein paar zusätzliche Sonnenschirme und installiert weitere Jalousien“ liegen, der irrt. Es wurde bei der Untersuchung vielmehr das ganze Haus inklusive Freiflächen sozusagen auf den Kopf gestellt und – fast wichtiger noch – es blieb nicht bei der bloßen Feststellung der Verbesserungsmöglichkeiten.
Das Seniorenheim geht jetzt in die zweite Runde dieses Programms des Bundesumweltministeriums zur „Klimaanpassung sozialer Einrichtungen“. In dieser zweiten Phase geht es an die Umsetzung der einzelnen vorgeschlagenen Maßnahmen, wiederum mit staatlicher Unterstützung.
Nützlich sind die Erkenntnisse aber, davon ist Enver Krivaca, der Leiter des Seniorenheims, überzeugt. Auch für alle anderen Seniorenheime in der Region, im Grunde sogar darüber hinaus: Auch alle Einrichtungen, in denen viele Menschen zwar nicht wohnen, aber über längere Zeit zusammenkommen, etwa um zu arbeiten, können von den Untersuchungen profitieren.
Denn bei dem, was aus dem Beispiel des Awo-Seniorenheims herauszuziehen ist, geht es um weit mehr als nur um Veränderungen am Bau und an den Freiflächen. Es geht auch um die Art und Weise, wie man das Problem der Klimaanpassung anpackt: Nämlich im direkten Gedankenaustausch zwischen allen, die in diesem Gebäude leben und arbeiten.
Das war in Feldkirchen-Westerham schon ganz zu Beginn so: Denn am Anfang des Projektes stand ein Workshop, an dem nicht nur Bewohner und Pflegekräfte teilnahmen. Einrichtungsleiter Enver Krivaca hatte den Kreis bewusst viel weiter gezogen, es waren auch Vertreter der Gemeinde dabei, des Landkreises und selbst der Kreisbrandmeister. Ziel war es, sich für die weiteren Überlegungen eine feste Basis zu schaffen, die deshalb wirklich fundiert ist, weil von Anfang an möglichst viele „Betroffenheiten“ eingebracht werden konnten. Und auch im weiteren Verlauf waren neue Anregungen nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht.
Wie man sich diesen Austausch vorstellen kann, zeigte die Präsentation der Ergebnisse. Denn dort ging es nicht um die förmliche Anerkennung der geleisteten Arbeit und das freundliche Abnicken des Ergebnisberichtes. Unter den Teilnehmern, die wie schon beim Anfangsworkshop aus den unterschiedlichsten Bereichen kamen und zu denen auch Andrea Rosner als Vertreterin des Landrats gehörte, entspann sich aus dem Ergebnisbericht heraus eine lebhafte Diskussion, die weitere Ideen und Anregungen aufbrachte.
So etwa bei der Unterstützung des Personals. Für die Leitung des Seniorenheims der Arbeiterwohlfahrt (Awo), auch für die Awo insgesamt, ist längst klar, dass das Personal genauso vor Hitze geschützt werden muss wie die Bewohner. „Wer wegen der Temperaturen selbst schon am Ende seiner Kräfte ist, kann anderen nicht mehr helfen“, betonte etwa Volker Schneider, Leiter des Umweltqualitätsmanagements der Awo. In Feldkirchen-Westerham achte man, so Enver Krivaca, deshalb mit Nachdruck darauf, dass die Mitarbeiter nicht nur ausreichend Pausen hätten, sondern diese auch wahrnähmen – nicht zuletzt, um währenddessen auch zu trinken. Eine neue Anregung, die aus der Runde kam, war es aber, dass es von den Mietwäscheanbietern auch Mitarbeiterbekleidung gäbe, die ganz speziell auf Hitzebelastung ausgelegt sei.
Zusammenarbeit
ins Spiel gebracht
Eine weitere interessante Überlegung war, ob es nicht möglich sei, dass sich die verschiedenen Träger bei der Seniorenpflege untereinander öffneten: Nicht nur, um für das fahrende Personal an extrem heißen Tagen kühlere Räume zur Verfügung zu stellen, in denen kurze Pausen eingelegt werden könnten. Sondern schlicht auch, um den Gang zu einer Toilette anbieten zu können – dafür einen Ort und eine Gelegenheit zu finden, ist in der ambulanten Pflege nämlich nicht einfach.
Kurz: Der Ergebnisbericht ist für alle Heime in der Region und auch weit darüber hinaus ein beispielhafter Fundus an Ideen und Anregungen, der zumindest zu eigener Diskussion führen kann und wird. Und über die Notwendigkeit einer Klimaanpassung solle man sich, so sagte Daniel Willeke, der das ganze Projekt als Ingenieur begleitet hatte, keine Illusionen machen: Auch wenn der vergangene Sommer sich etwas kühler angefühlt habe als in den Jahren zuvor – alle Daten zeigten, dass wir im Klimawandel schon viel weiter seien als befürchtet: „In den Veränderungen, die man erst für die 2030er- und 2040er-Jahre prognostizierte, stecken wir schon jetzt.“