Bad Aibling – Überaus groß war die Schar der Trauergäste, die den im Alter von 85 Jahren verstorbenen Bernhard Kneifel auf seinem letzten irdischen Weg begleitet haben. Obwohl seine Gesundheit bereits längere Zeit zu wünschen übrig ließ, kam sein Tod doch überraschend und plötzlich.
Als Pfarrer Philipp Kielbassa den Gottesdienst in Mariä Himmelfahrt feierte, säumten die Fahnen der Gebirgsschützenkompanie Aibling, deren Ehrenhauptmann Kneifel war, der Patenkompanie Audorf sowie der „Nachbarn“ aus Rosenheim und Raubling den Altarraum. Gekommen waren auch die Vertreter des Bundes der Bayerischen Gebirgsschützen mit der Bundesfahne und des Bataillons Inn-Chiemgau mit der Bataillons-Standarte.
In der Firma war sein
Rat bis zuletzt gefragt
Die Freiwillige Feuerwehr Mietraching sowie der Trachtenverein Edelweiß ehrten ihr passives Mitglied ebenfalls mit Fahnenabordnungen. Pfarrer Kielbassa zeichnete den Lebensweg des Verstorbenen nach, um den neben Ehefrau Maria die Söhne Martin, Andreas und Stefan trauern.
Kneifel hatte mit großem Fleiß eine Werkzeugbau-Firma aufgebaut, die zunächst in der Dieselstraße angesiedelt war und später an ihren jetzigen Standort in Mietraching umzog. Schon längere Zeit hatte er sich aus der aktiven Geschäftsführung zurückgezogen und die Firma an seine Söhne übergeben. Auch im Ruhestand war er nahezu täglich in der Werkstatt anzutreffen. Seine Erfahrung und sein Rat waren bis zuletzt gefragt.
Ein eindrucksvolles Bild bot der Trauerzug, mit dem sich die Abordnungen der Gebirgsschützen und der Ortsvereine, angeführt von Landeshauptmann-Stellvertreter Hans Rucker, zugleich Kommandant des Bataillons Inn-Chiemgau, zum Friedhof bewegten. Vorangetragen wurde dem Zug ein Bild von Bernhard Kneifel in dessen Schützenmontur. Ein erster Beweis dafür, wie sehr er der Aiblinger Kompanie und dem Schützenwesen selbst verbunden war. Am Sarg ihres Ehrenhauptmanns hielten vier Kameraden Wache, als der Pfarrer die Gebete in der Aussegnungshalle sprach. Unter Vorantritt von Musikanten der Dreder- und Willinger Musi ging es zum Grab, in welchem auch Kneifels Schwestern ihre letzte Ruhe gefunden hatten.
Für die Jagdgruppe Bad Aibling dankte Vorsitzender Christian Hilz dem engagierten Jäger, der sich seit 1981 aktiv in die Gruppe eingebracht hatte. „Er war stets zur Stelle, wenn Hilfe gefragt war“, so Hilz, der daran erinnerte, dass Kneifel das Ehrenzeichen für 40-jährige Mitgliedschaft verliehen wurde. Die Jäger erwiesen ihrem Kameraden mit dem „letzten Halali“ die Ehre.
Anfänge als
Gebirgsschütze
„Wir verlieren mit Bernd Kneifel einen in Bund und Bataillon hochgeachteten Kameraden.“ Mit diesen Worten trat stellvertretender Landeshauptmann Hans Rucker ans Grab. Er hob besonders Kneifels Passion für das sportliche Schießen hervor, der jungen Schützen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stand. Unzählige Auszeichnungen in den verschiedensten Disziplinen zierten seine Montur. Kneifel trug auch die Würde des Bataillons-Schützenkönigs und errang bei den Bundesschießen mehrfach die Goldene Schieß-Eichel sowie etliche „Kokarden“. Auch in den kompanieinternen Wettbewerben war er stets auf vorderen Plätzen zu finden.
Für die Aiblinger Kompanie nahmen Hauptmann Hermann Bogner und Oberleutnant Uwe Hecht sichtlich bewegt Abschied vom „Vater der Kompanie“, der eine kaum zu schließende Lücke hinterlässt. „Bernd trat 1981 in die Kompanie ein, sein erstes Amt war das des Pioniers“, erinnerte Hecht an dessen Anfänge als Gebirgsschütze.
„Dieser Pionier, der vorausgeht, anderen den Weg bereitet, begleitete ihn sein komplettes Schützenleben“, machte der Oberleutnant deutlich, was den Verstorbenen auszeichnete. So hatte er Koppelschlösser und Vorderlader für die Pioniere gefertigt. Die Metallteile der ersten Kompaniefahne mit dem Löwen als Spitze waren ebenso sein Werk wie Beschläge und Spitze der jetzigen Fahne, die 2010 gesegnet wurde.
„Mit dem Armbrustschießen hat Bernd ein erstes Vermächtnis geschaffen“, erinnerte Uwe Hecht an eine im Schützenwesen einmalige Veranstaltung, die bis in die heutigen Tage Bestand hat. Von der Visierung der Armbrüste über die Schießbolzen bis zum elektrischen Scheibenlauf – alles war Bernhard Kneifels Werk.
Als die Kompanie 2004 von der Stadt im Rahmen des damaligen Doppel-Jubiläums darum gebeten wurde, den Patronatstag als höchsten Feiertag der Gebirgsschützen nach Bad Aibling zu holen, wich die anfängliche Skepsis seinem Mut und seiner Durchsetzungskraft. „Bernd war dann der Motor, der alles und alle antrieb, keine Besprechung und kein Arbeitseinsatz ohne ihn“, wusste der Oberleutnant und war sicher: „Ohne unseren damaligen Hauptmann wäre der Patronatstag niemals erfolgreich gewesen.“
Abschied vom
Ehrenhauptmann
Auch als Ehrenhauptmann schlug sein Herz weiter für „seine“ Kompanie, bis zuletzt unterstützte er diese, wann immer und wo immer es ihm möglich war. „Wenn jemand keine 24 Stunden, bevor er diese Welt verlassen musste, sich noch bei Schützenkameraden erkundigte, wie das Bundesschießen verlaufen ist, dann spricht das Bände für das, was die Kompanie für ihn bedeutet hat“, schloss er seine Ausführungen. Unter dem Kommando von Leutnant Waffenmeister Pascal Geiger hallten drei Salutschüsse zum Lied „Ich hatt einen Kameraden“ vom Friedhof hinunter in die Stadt zum Abschied vom Ehrenhauptmann der Kompanie und einem Bad Aiblinger „Original“.
Den abschließenden Gang zum offenen Grab nutzten alle Trauergäste zur Gelegenheit zum persönlichen Abschied, und selbst bei „gestandenen Mannsbildern“ blieb kein Auge trocken.