Gemeinderat setzt auf Stahl

von Redaktion

Die Gemeinde Feldkirchen-Westerham plant ein neues Wärmenetz rund um das Gebiet Ölbergring und Kellerberg. Doch die geplanten Rohre sind umstritten – aus zahlreichen Gründen.

Feldkirchen-Westerham – Das Gebiet um den Ölbergring und den Kellerberg soll sich verändern – und zwar im Bereich einer neuen Wärmenetzversorgung. Diese soll durch die Nutzung von Abwärme einer nördlich gelegenen Biogasanlage betrieben werden. Die Verwaltung der Gemeinde Feldkirchen-Westerham habe daraufhin eine Wärmenutzungsabfrage durchgeführt, bei der Anleger ihr Interesse mitteilten. Nun geht es an die weitere Planung, doch in der jüngsten Gemeinderatssitzung zeigte sich, dass vor allem ein Punkt zu unterschiedlichen Meinungen führt.

Viele Nachteile
mit PE-Rohren

Nachdem vor gut drei Jahren die Wärmenutzungsabfrage durchgeführt worden war, übergab die Verwaltung die Ergebnisse dem potenziellen Netzbetreiber Energie Südbayern (ESB). Das Projekt habe sich daraufhin über die Jahre gezogen. „Wir haben jetzt die Projektskizze, die mögliche Wärmeversorgungen in dem Gebiet abbildet“, erklärt Bürgermeister Johannes Zistl (OLV). Und dabei sei man zu neuen Erkenntnissen gelangt.

„Aufgrund der engen Wärmedichte ist dieses Projekt nur wirtschaftlich, wenn man anstatt der Stahlrohre, die wir eigentlich im Rahmen des Wegenutzungsvertrags vorschreiben, das Ganze mit PE-Rohren macht“, so der Rathauschef. Bei den PE-Rohren handelt es sich um Polyethylenrohre, die aus Kunststoff bestehen. Doch auch wenn die ESB dieses Material vorschlägt, gebe es hier einige Nachteile.

„Wir haben uns mit unabhängigen Ingenieurbüros zusammengetan und die teilten uns mit, dass PE-Rohre eine begrenzte Nutzungsdauer von maximal 30 bis 40 Jahren haben“, so Zistl. Allerdings müssten die Rohre in diesem Zeitraum auch ausgetauscht werden, „weil sie die Vorlauftemperatur nicht 40 Jahre aushalten.“ So würden PE-Rohre nur eine geringe Maximaltemperatur aushalten, während Stahlrohre hitzebeständig sind. Der Bürgermeister zieht daraus schon das erste Ergebnis: „Ein Ingenieurgutachten sieht massive Probleme in der Nutzung von PE-Rohren.“

Denn auch eine Netzerweiterung sei bei den Kunststoffrohren nicht möglich. Beziehungsweise sie sei möglich, allerdings „nur bedingt“ und „kostenintensiv“. Und auch eine Leckageüberwachung gibt es bei diesem Material nicht. „Bedeutet, dass bei Wasserverlust kein Alarm losgeht und man aufwendig mit einer Wärmebildkamera alles absuchen muss, um das Leck zu finden“, betont der Bürgermeister. Skepsis besteht auch gegenüber der Druckstufen aufgrund der Höhenunterschiede.

Etwa 1,8 Millionen
Euro Preisunterschied

Für die PE-Rohre würde allerdings der Preis sprechen, denn Stahlrohre seien deutlich teurer, wie Zistl erklärt. „Aus Kostengründen sagt die ESB, dass sie es ohne PE-Rohre gar nicht machen. Und der Preisunterschied liegt bei etwa 1,8 Millionen Euro auf die gesamte Netzlänge.“ Dennoch habe sich die Verwaltung der Gemeinde Feldkirchen-Westerham gegen die PE-Rohre ausgesprochen. Es seien zu viele Nachteile und deshalb nicht „empfehlenswert“.

„Ich als Bürgermeister habe ein bisschen das Problem mit der Haltbarkeit und Zuverlässigkeit dieser PE-Rohre in Bezug auf die Abhängigkeit der Bürger“, sagt Johannes Zistl. „Ein weiteres Problem, das ich sehe, ist der Wegenutzungsvertrag, der uns am Ende der vereinbarten Laufzeit ermöglicht, dieses Netz zu kaufen.“ Und das sei das Ziel der Gemeinde. Doch wenn die PE-Rohre nach 30 Jahren Laufzeit „verbraucht“ sind, könne dieses Ziel ganz klar nicht erreicht werden. „Aus diesem Grund würde ich darauf bestehen, dass das Ganze, wie auch alle anderen Leitungen in der Gemeinde, als Stahl ausgeführt werden muss. Das würde allerdings dazu führen, dass sich die ESB von dem Projekt trennt“, so Zistl.

Weiterer Ausbau
mit Stahlrohren

Deshalb bittet die Verwaltung den Gemeinderat, den Bau eines Wärmenetzes mit PE-Rohren für den Ölbergring und Kellerberg „aufgrund der technischen Eigenschaften nicht weiter zu forcieren“. Für Michael Günzl (Grüne) ein Satz, der zu Missverständnissen führen kann. „Für mich ist der Beschlussvorschlag so komisch, weil wir eigentlich wollen, dass das Projekt weiterverfolgt wird, und das sollten wir auch deutlich zeigen.“ Zuspruch kommt von den anderen Gemeinderäten und auch vom Bürgermeister. „Das stimmt, wir fordern, den weiteren Ausbau in Stahl zu forcieren und nicht mit PE-Rohren“, sagt Johannes Zistl.

Wichtig ist einigen Gemeinderatsmitgliedern, dass man nicht zu viele Jahre wartet. „Es ist ein sehr wichtiges Projekt und deshalb darf das nicht liegen bleiben“, betont unter anderem Thomas Henties (Grüne). Der Gemeinderat beschloss einstimmig, den Bau eines Wärmenetzes mit Stahl-Rohren anstelle der PE-Rohre für das Gebiet Ölbergring und Kellerberg weiter zu verfolgen.

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