Hilfe in Krisensituationen

von Redaktion

Irene Durukan gründete vor 15 Jahren den Verein „Mut & Courage“. Ihr eigenes Erlebnis motivierte sie, anderen zu helfen. Der Verein ist heute nicht mehr wegzudenken.

Bad Aibling – „Ich bin damals selbst überfallen worden und hätte mir so sehr gewünscht, dass mir jemand hilft“, sagt Irene Durukan und erinnert sich an ein einschneidendes Erlebnis vor vielen Jahren.

Auch um mitzuhelfen, dass Menschen in ähnlichen Situationen nicht mehr alleine sind, gründete die Bad Aiblingerin vor 15 Jahren den Verein „Mut & Courage Bad Aibling“. Dieser feierte kürzlich im Hotel Lindner sein Jubiläum. Und Vorsitzende Durukan, die erst im vergangenen Jahr für ihr weitreichendes soziales Engagement von Ministerpräsident Markus Söder mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet wurde, blickte dabei noch einmal auf die bewegende Zeit zurück.

Mit Mut für die
eigene Überzeugung

„Wir haben viel lernen dürfen und uns auch selbst verändert“, sagt sie gegenüber dem OVB über sich und die Mitglieder des Vereins. Und es erfülle einen schon mit Stolz, wenn man sich klarmache, was der Verein in den 15 Jahren alles auf die Beine gestellt hat, betont die Stadträtin.

Der Verein, der sein Jubiläum zusammen mit dem zehnjährigen Bestehen des Bundesnetzwerks Zivilcourage feierte, stehe nicht nur für Zivilcourage, Mut und das Hinschauen. Bei der ehrenamtlichen Arbeit gehe es auch um Informationen, Vernetzung und einen respektvollen Umgang miteinander.

Diese Werte leben die Mitglieder auch mit zahlreichen Aktionen, Vorträgen, Workshops oder Konzerten. „Im Moment des Handelns treten mutige Menschen für ihre Überzeugung ein, die auf einer inneren Wertehaltung basiert“, so Durukan. So bedeute Zivilcourage, für jemanden oder etwas einzutreten und dabei den eigenen Schaden in Kauf zu nehmen.

Der tatsächliche Anlass der Vereinsgründung war eine Schlägerei in Bad Aibling im Jahr 2007. Damals begab sich Durukan selbst in Lebensgefahr, um einen jungen Mann vor den Tritten und Schlägen anderer Jugendlicher zu retten. Der Vorfall, bei dem sie brüllend, mutig und „auch ein Stück weit unvernünftig“ dazwischen ging, ging damals auch durch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ durch die Medien.

Zwei Jahre nachdem sie hierfür den XY-Preis „Gemeinsam gegen das Verbrechen“ überreicht bekam, gründete sich der Verein „Mut & Courage“. Es folgten weitere Ehrungen wie die als Vorbild für Zivilcourage durch die Dominik-Brunner-Stiftung – 2011 überreicht von Uli Hoeneß in der Münchner Allianz-Arena. „Solche Preise bedeuten natürlich eine Wertschätzung und motivieren auch, das Ganze weiterzumachen“, sagt Durukan rückblickend. Seit vielen Jahren ist der Verein nun nicht mehr aus dem Aiblinger Stadtleben wegzudenken.

Neben den vielen Aktionen, etwa organisierten Lesungen, Schulbesuchen oder Infoständen, gehören die Max-Mannheimer-Kulturtage in Bad Aibling, die Lesung am Tag der verbrannten Bücher sowie der bundesweite Tag der Zivilcourage zu den bekannten Aktivitäten. Hinzu kommen Projekte wie die Initiierung des Kreises Migration, der monatliche „Courage!Talk“ oder die regelmäßige „Respekt!Konzertreihe“. 2015 wurde zudem in Bad Aibling besagtes Bundesnetzwerk für Zivilcourage gegründet.

Doch die engagierte Aiblingerin Irene Durukan hat selbst bereits viele tiefe Täler durchqueren müssen. Und so ging sie nun bei der Jubiläumsfeier, etwa vor den Augen von Gästen wie Landrat Otto Lederer, Gabi Schmid, Ehrenamtsbeauftragte der Regierung von Bayern, oder Bürgermeister Stephan Schlier, auch auf den Suizid ihres Ehemanns Otto Steffl, „unserem geschätzten Vorstandsmitglied“, im Jahr 2016 ein. „Wir haben dies zum Anlass genommen, einen ‚Tree of Memory‘ – einen Baum der Erinnerung – in Feldolling zu pflanzen“, sagt Durukan.

Zahlreiche Kundgebungen oder Projekte, bei denen etwa kreativ gestaltete Keramik-Schmetterlinge an jedes der 1,5 Millionen getöteten Kinder im Holocaust erinnern, gehören seit vielen Jahren zu den Tätigkeiten von „Mut & Courage“. Zu diversen Aktionstagen gelang es Durukan und Co. zudem immer wieder, hochkarätige Gäste in die Kurstadt zu lotsen. 2024 sprach etwa die Influencerin Lijana Kaggwa mit zahlreichen Experten vor Schülern und Erwachsenen am internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.

Angebote an Schulen
im kommenden Jahr

„Das war ein sehr berührender Moment, weil man dann sah, was wir schon alles hinbekommen haben“, sagt Durukan über den Jubiläumsabend, der musikalisch von Christina Ullmann, Raphael Lichius, Ibou Kalaama und Stefan Weißleder begleitet wurde. Durukans Appell: „Nehmt euch vor zu helfen, manchmal klappt es nicht gleich.“ Doch genau dann sei es mutig, es einfach wieder zu versuchen und nicht aufzugeben.

Gleichzeitig richtete die Vorsitzende auch den Blick nach vorne. So plane man für 2026 neben diversen Projekten etwa ein Angebot für Aiblinger Schulen, zu dem unter anderem Zivilcouragetraining und Lehrerfortbildungen gehören. Durukan abschließend: „Achtung, Courage ist ansteckend. Ihr werdet es selbst in euerem Umfeld erleben.“

Bad Aiblings Mutter Courage

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