Tuntenhausen – Ein Antrag auf Ermäßigung der notwendigen Stellplätze für ein Bauvorhaben von zwei Mehrfamilienhäusern in Hohenthann an der Aiblinger Straße 10 (ehemaliger Bräu) führte zu intensiven Diskussionen im Gemeinderat. Der Zustimmung für den Antrag durch die Verwaltung wollten die meisten Gemeinderäte nicht folgen, sie fürchteten überwiegend zu wenig Parkplätze.
Bürgermeister Georg Weigl schilderte anfangs das Projekt, mit dem an der Aiblinger Straße 10 ein Wohnungsbau mit 32 Mietwohnungen entsteht. Nach der aktuellen Stellplatzsatzung der Gemeinde wären hierfür 64 Stellplätze nachzuweisen, somit zwei Stellplätze pro Wohneinheit.
Der Antragsteller möchte nun eine Reduzierung auf 38 reguläre Stellplätze, ergänzt um drei Stellplätze für E-Carsharing-Fahrzeuge. Er begründet dies mit den kleinen Wohnflächen und bezieht sich auf die Wohnungsgröße. Sein Vorschlag: 17 Wohnungen unter 50 Quadratmetern mit je einem Stellplatz, neun Wohnungen bis zu 70 Quadratmeter – ebenfalls je ein Stellplatz und sechs Wohnungen über 70 Quadratmeter mit jeweils zwei Stellplätzen. Ein Carsharing-Konzept sieht drei dauerhaft betriebene E-Carsharing-Fahrzeuge, betrieben durch den Bauherrn, vor sowie Ladeinfrastruktur mittels PV-Anlage auf dem Gebäude, Fahrzeugbereitstellung, Versicherung und Wartung durch den Bauherrn.
Die Verwaltung sieht die dargestellten Maßnahmen als plausibel an. Sie sind aus ihrer Sicht durchaus geeignet, den Bedarf an Kfz-Stellplätzen zu verringern. Man sieht darin eine zeitgemäße Antwort auf den demografischen Wandel und die Energie- und Verkehrswende. Erfahrungswerte mit einem Vergleichsobjekt in Soyen und die Einschätzung des Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr stützen die Annahme eines realistisch niedrigeren Stellplatzbedarfs. So plädierte die Verwaltung, dem Antrag zuzustimmen.
Anschließend entbrannte allerdings eine intensive Diskussion, auch Bürgermeister Georg Weigl äußerste Bedenken: „Was ist, wenn der ermäßigte Schlüssel nicht funktioniert“? Eine Mehrzahl der Gemeinderäte fand die Reduzierung als „zu gach“ und zu viel. Einige zweifelten auch an, ob in Hohenthann ein solches Mobilitätskonzept überhaupt funktioniert, wenn ein Bahnhof in weiter Ferne ist (Ostermünchen, Aßling).
Für Martin Lurz (WG Hohenthann) ist es nicht vorstellbar, dass so etwas in Hohenthann funktioniert. Maria Breuer (ÜW Ostermünchen) sah die Gefahr des Parkens auf benachbarten Straßen. Johann Stürzer (CSU/FW) plädierte für ein Beibehalten der Satzung, die man ja ohnehin erst kürzlich verabschiedet hat.
Bürgermeister Weigl schlug dann folgende Lösung vor: Eine kleine Reduzierung wäre vorstellbar. Dazu müsse man sich aber mit dem Bauherrn zusammensetzen und erörtern. 38 plus drei jedenfalls seien eine nicht machbare Reduzierung.
Einstimmig wurde dann der Antrag auf eine ermäßigte Stellplatzregelung vom Gemeinderat abgelehnt. Nach Gesprächen mit dem Bauherrn wird gegebenenfalls ein neues Konzept zur Entscheidung vorgelegt. ws