Tuntenhausen – Aktiv werden, statt zusehen! Das war das Motto von engagierten Frauen der Gemeinde Tuntenhausen, als sie 1995 eine eigene Frauenliste gründeten. Was damals niemand glaubte, wurde wahr: Die Frauenliste hat sich in der Gemeinde etabliert.
Das Motto von damals gilt auch heute noch: Sie setzen sich für eine transparente Gemeindepolitik, soziales Engagement und einen sparsamen Flächenverbrauch ein. Aus heutiger Sicht kaum zu glauben, dass es Frauen in der Kommunalpolitik in der Gemeinde Tuntenhausen erst seit 30 Jahren gibt. Ziel der Frauenliste war es, dem Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen in der Kommunalpolitik entgegenzuwirken. Die Erfolgsgeschichte startete.
Kampf um die
vorderen Plätze
Als mögliche Kandidatinnen wurden Frauen auch damals schon angesehen und deshalb zu Wahlveranstaltungen eingeladen. „Die uns zugeteilten Listenplätze waren aber fernab von der Aussicht, überhaupt gewählt zu werden“, erinnert sich Theresia Englhart. Der Forderung der Frauen, auf einen der vorderen Listenplätze gesetzt zu werden, wurde nicht entsprochen.
Also fassten die Frauen den Entschluss, eine eigene kommunalpolitischen Vereinigung zu gründen: Das war die Geburtsstunde der Frauenliste Tuntenhausen. Man schrieb den Oktober 1995. Am 30. November wurde der Verein mit Satzung formal gegründet. So hatten die Bürger der Gemeinde erstmals 1996 die Möglichkeit, sich für Kandidatinnen der Frauenliste zu entscheiden. Und bei der damaligen Kommunalwahl schafften es sogar vier Frauen in den Gemeinderat. Eine davon von der Frauenliste. „Bis dahin war noch nie eine Frau im Gemeinderat Tuntenhausen“, stellte Englhart voller Stolz fest. Lediglich in der Altgemeinde Hohenthann war von 1972 bis 1978 mit Helga Kragl eine Frau im Rat vertreten.
Die Bilanz nach 30 Jahren ist absolut erfreulich: Bei den vergangenen Wahlen hatte die Frauenliste nie Probleme, Frauen zu finden, die nicht nur Interesse am kommunalpolitischen Geschehen hatten, sondern auch bereit waren, für den Rat zu kandidieren. Von Wahl zu Wahl bekam die Frauenliste mehr Wählerstimmen. 2014 stellte die Frauenliste erstmals zwei Gemeinderätinnen: Juliane Korn und Theresia Englhart, die damals auch fürs Bürgermeisteramt kandidiert hatte.
Im zurückliegenden Vierteljahrhundert hat die Frauenliste aus Tuntenhausen auch überregional einiges erreicht: Sie war Gründungsmitglied des Landesverbandes Frauenlisten Bayern und auch an Bord, als die „Frauenliste Bayern“ aus der Taufe gehoben wurde. Höhepunkt war im Oktober 2004 das bundesweite kommunalpolitische Frauenlistentreffen in Tuntenhausen.
„Auch kommunal haben wir einiges bewegt“, blickt Englhart stolz zurück. Sie erinnert an Angela Kirmaiers Engagement im Jahr 2003: „Damals konnten wir gemeinsam mit Dr. Fritz Werndl aus Aubenhausen ein Bürgerbegehren durchsetzen und den Bau einer Holz-Recycling-Anlage im Gewerbegebiet Ostermünchen verhindern.“
Eine gebührende „Jubiläumsfeier“ findet nun am Freitag, 17. Oktober, um 19.30 Uhr im Gasthaus Wallner in Ostermünchen statt. Den Besucher erwartet dort ein interessanter und abwechslungsreicher Abend mit Rückblicken, Ausblicken und persönlichen Begegnungen. Und auch mit einer Videobotschaft von Ilse Aigner.