Feldkirchen-Westerham – Der Kulturherbst ist in Feldkirchen-Westerham bereits im vollen Gange. Während schon die erste Rap-Night stattgefunden und das Komiker-Duo „Erkan & Stefan“ seinen Auftritt beendet hat, bereitet sich nun der Kabarettist Urban Priol auf seinen Abend vor. Am Samstag, 18. Oktober, tritt der Aschaffenburger mit seinem aktuellen Programm „Im Fluss“ im Kultur- und Sportzentrum auf. Vorab hat er dem OVB verraten, warum Selbstironie immer wichtig ist und die Umbenennung des Veggie-Schnitzels aktuell das kleinste politische Problem ist.
Am Samstag kommen Sie mit Ihrem aktuellen Programm „Im Fluss“ nach Feldkirchen-Westerham. Waren Sie schon mal dort?
Ich kenne es bislang nur als Ort an der Autobahn, also ich war selbst noch nicht im Ort. Ich bin aber immer neugierig, wenn ich zum ersten Mal irgendwo bin.
Neugierig sind bestimmt auch schon die Besucher des Kulturherbstes auf Ihren Auftritt. Worauf darf man sich freuen?
Auf eine Bestandsaufnahme des täglichen Irrsinns, all das, was uns täglich umzingelt und umwandert. Und ich versuche immer, so tagesaktuell wie möglich zu sein, auch für mich jeden Abend einfach so ein kleiner Galopp durch unsere politische und gesellschaftliche Landschaft.
Kommt daher auch der Name Ihres aktuellen Programms „Im Fluss“?
Genau. Ein Fluss ändert sich beständig, da er täglich einen anderen Pegelstand hat. Und mein Programm wird jeden Tag gespeist durch neue und frische Dinge aus der ewigen Quelle des Daseins.
Sie wollen in Ihren Veranstaltungen zum einen zum Nachdenken anregen, zum anderen natürlich auch unterhalten. Wie wichtig ist Unterhaltung in der heutigen Zeit, in der die Nachrichtensendungen fast nur noch von Krieg und anderen Krisen berichten?
Man kann über verschiedene Dinge nur noch lachen. Es ist für uns wirklich eine große Herausforderung, dass wir all das, was die Politik uns täglich an Futter liefert, noch mit Satire stopfen müssen. Das ist schon wirklich harte Arbeit. Aber das ist auch gleichzeitig spannend und herausfordernd. Und es bringt nichts, wenn wir schlecht gelaunt durch die Landschaft stapfen und nicht mehr lachen, denn dann ist das Dasein nicht mehr gut. Es ist also wichtig, in den absurdesten Dingen auch immer noch etwas Komisches zu sehen.
Und wie genau schaffen Sie es, trotz ernster Themen, Ihren Humor zu bewahren und das auch an Ihr Publikum weiterzugeben?
Ich versuche es immer so zu erklären: Es beginnt damit, dass man sich selbst nicht zu wichtig nimmt, sondern dass man auch die Fähigkeit hat, über sich selbst zu lachen. Mir passieren jeden Tag immer ein, zwei Missgeschicke, über die ich dann selbst lachen muss. Und wenn man über sich selber lachen kann, mit der großen Selbstironie, dann geht vieles schon sehr viel einfacher.
Sie können also viel über sich selbst lachen. War das damals der Antrieb, auf die Bühne zu gehen?
Ich glaube, mein Antrieb, vor über 40 Jahren auf die Bühne zu gehen, war, dass ich immer das loswerden wollte, was mir aufgefallen ist. Als sich dann damals die Möglichkeit bot, mit ein paar Kollegen zusammen aufzutreten, habe ich auf der Bühne gemerkt, dass ich das weitermachen möchte. Dass das einfach mein Ding ist. Und das ist auch heute noch so: All das, was mich täglich aufregt, kann ich abends auf der Bühne wieder loswerden. Wenn ich dann spüre, dass es Menschen gibt, denen es ähnlich geht, die sich also über dieselben Dinge aufregen, dann ist das schon schön.
Gibt es gerade ein politisches Thema, das Ihnen unter den Nägeln brennt?
Ja. Alle reden immer davon, dass wir entbürokratisieren müssen. Aber dann bringen die rechten populistischen Parteien im Europäischen Parlament mit Unterstützung der Konservativen einen Entwurf ein, dass eine Wurst, die nicht aus dem Schwein gepresst ist, nicht mehr Wurst heißen darf. Genauso ein Veggie-Schnitzel oder ein Veggie-Burger so nicht mehr genannt werden sollen, sondern Soja-Bratling. Und dann sagen sie, das sei zum Schutz des Verbrauchers, da sie sonst in die Irre geführt werden können. Also, scheinbar sind wir zu blöd, ein Schnitzel zu erkennen.
Gibt es im Gegensatz dazu auch Themen, die Sie bewusst meiden?
Ich bin in England zur Schule gegangen und habe dort auch studiert, deshalb halte ich es schon sehr mit dem britischen Humor. Heißt, dass es keine Tabus gibt und man für sich selbst wissen muss, was man macht und was man sein lässt. Es gibt diesen berühmten Satz: „Sowas macht man nicht“ oder anders: „Sowas gehört sich nicht“. Daran versuche ich mich schon etwas zu halten, aber nicht aus Respekt vor Obrigkeiten, denn ganz im Gegenteil: Eine große Prise Respektlosigkeit gehört dazu.
Fließen auch persönliche Erlebnisse in Ihre Programme?
Natürlich. Wenn ich zum Beispiel mit der Bahn fahre, passiert dort immer etwas. Es kann eine tägliche Quelle der Heiterkeit sein, wenn man die Situationen gelassen nimmt. Und eigentlich ist es so: Mit zwei Bereichen kann man fast alle treffen. Wenn man etwas über Lehrer sagt oder über die Bahn, dann ist jeder schon mal davon betroffen gewesen.
Werden Sie auch mit der Bahn nach Feldkirchen-Westerham anreisen?
Also, in Bayern ist es ja so, dass unser geschätzter Ministerpräsident, also unser „Food-Blogger“, lieber das Raumfahrtprogramm voranbringen will. Jetzt hat er letztens einen Mondgipfel veranstaltet, sollte sich aber vielleicht erst einmal um den öffentlichen Personennahverkehr in Bayern kümmern. Und vielleicht mal den Ausbau der zweiten Stammstrecke für die S-Bahn in München voranbringen, bevor er ins Weltall will.
Das erste Mal in Feldkirchen-Westerham: Auf was freuen Sie sich?
Also, erstens mal natürlich auf die Natur. Ich bin immer sehr, sehr froh, wenn es wieder mal richtig in den Süden geht, weil ich mich da sehr wohlfühle. Und ich werde schauen, wie ich meine Tagesfreizeit dann noch nutzen kann. Denn abschalten kann ich beim Pilze sammeln oder wenn ich einfach in der Natur unterwegs bin. Dann kann ich immer für den nächsten Auftritt auftanken.
Jennifer Beuerlein