von Redaktion

Zweite Chance für Finni (8) aus Feldkirchen-Westerham: Dem Buben, der durch einen Herzstillstand einen massiven Hirnschaden erlitten hatte, wird erneut ein Hirnschrittmacher eingesetzt. Was dieses Hilfsmittel bewirken soll – und welche Fragen Familie Zettel begleiten.

Feldkirchen-Westerham – Daumen drücken für den kleinen Finni (8) aus Feldkirchen-Westerham: Seit vergangenem Montag befindet sich der Bub, der seit einem Herzstillstand an einer massiven Bewusstseinsstörung leidet, gemeinsam mit Mama Viktoria Zettel (36) wieder in der Schön-Klinik in Vogtareuth. Dort soll Finni erneut ein Hirnschrittmacher eingesetzt werden, nachdem ein erster Versuch im Mai gescheitert war.

„Wir sind zuversichtlich, dass es dieses Mal klappen wird und es keine Komplikationen gibt“, ist Mama Viktoria Zettel (36) voller Hoffnung. Indes hat die Feldkirchen-Westerhamer Familie mit zahlreichen schweren Entscheidungen und niederschmetternden Nachrichten zu kämpfen.

Komplikationen nach dem ersten Versuch

Aufgrund einer Superinfektion hatte Finni im Januar 2024 in einem Krankenhaus einen Atem- und Herzstillstand erlitten. Rund zehn Minuten war der Bub klinisch tot, bevor ihn Ärzte wieder ins Leben zurückholen konnten. Doch die körperlichen Folgen waren und sind für den bis dato kerngesunden Buben dramatisch: Das Gehirn des Feldkirchen-Westerhamers wurde durch den fehlenden Sauerstoff massiv beschädigt. Finni kann seitdem weder sprechen noch laufen.

Um den Zustand des Buben zu verbessern, hatte sich Familie Zettel in Absprache mit den Ärzten im Mai 2025 dazu entschlossen, dem kleinen Dinosaurier-Fan einen sogenannten Hirnschrittmacher, der beispielsweise bei Parkinson-Erkrankungen zum Einsatz kommen kann, implantieren zu lassen. Zunächst zeigte das Gerät durchaus Erfolg. So hatte das extreme Zähneknirschen des Achtjährigen deutlich nachgelassen, die unkontrollierten Bewegungen abgenommen. Doch wenige Tage nach der Operation hatte sich eine schwere Entzündung im Körper des kleinen Buben entwickelt, sodass der Hirnschrittmacher wieder entfernt werden musste.

Doch sowohl Familie Zettel als auch die behandelnden Ärzte wollen nicht aufgeben und nun einen zweiten Versuch starten: So wird Finni in der Schön-Klinik Vogtareuth erneut darauf vorbereitet, dass ihm der Hirnschrittmacher implantiert werden kann. Die notwendige Operation soll bereits in wenigen Tagen erfolgen. „Auch wenn wir uns im Nachgang fragen, ob wir uns im Mai die großen Veränderungen vielleicht nur eingebildet haben, ist unser Vertrauen darauf, dass die Operation Finni wieder mehr Lebensqualität bringt, sehr, sehr groß“, sagt Viktoria Zettel.

Denn gerade die Lebensqualität des Buben ist es, die Finnis Eltern Tag und Nacht um- und antreibt. Und im Hause Zettel zu Überlegungen führt, die für Außenstehende vielleicht zunächst schwer nachvollziehbar sind. Denn auch über eine Art Patientenverfügung müssen sich die Eltern des Achtjährigen Gedanken machen. „Finni befindet sich ja in palliativer Betreuung“, sagt die 36-Jährige. Was nicht heiße, dass mit dem Tod des kleinen Buben gerechnet werden müsse, aber: „Mit derartigen körperlichen Schäden kann es ja nie ausgeschlossen werden, dass eine lebensbedrohliche Situation eintritt.“ Und hier müsse man sich als Eltern – auch wenn es extrem schwerfalle – natürlich Gedanken machen, wie man beispielsweise mit dem Thema „lebensverlängernde Maßnahmen“ umgehe.

„Selbst die Magensonde, über die er Essen bekommt, ist ja bereits so eine Maßnahme“, sagt Viktoria Zettel, für die diese Erkenntnis selbst „ein Schock“ gewesen ist. Schließlich sei es für sie die grausamste Vorstellung, „Finni nur noch auf dem Friedhof besuchen zu können“. Dennoch seien Gedanken darüber, was ist, wenn es Finni noch schlechter geht, nicht nur erlaubt, sondern absolut notwendig.

„Was ist beispielsweise, wenn er gar keine Reaktionen mehr zeigen kann, in einem kompletten Wachkoma liegt?“, ist nur eine der Fragen, mit denen sich das Ehepaar Zettel befasst. „Wer sagt mir dann, dass mein Kind keine Schmerzen hat und es nicht vielleicht für ihn besser wäre, ihn gehen zu lassen?“ Derartige Gespräche seien „hochemotional“, aber: „Es geht nicht darum, was vielleicht für uns Eltern das Beste ist, sondern nur, was für Finni das Beste ist.“

Überlegungen, die für die Feldkirchen-Westerhamer Familie hoffentlich nie wirklich eine Rolle spielen müssen. Im Gegensatz zur Frage, welche medizinischen Anlaufstellen der heute Achtjährige hat, wenn er einmal erwachsen geworden ist. Weshalb Viktoria Zettel die angekündigte Schließung der sogenannten Jerwa-Station an der Schön-Klinik in Vogtareuth, die Medizin für junge Erwachsene mit neuropädiatrischen und neurologischen Erkrankungen und deren Folgen bietet, schwer getroffen hat. „Das ist ein Skandal“, findet die 36-Jährige. „Da wird ein einmaliges Konzept, das es deutschlandweit so kein zweites Mal gibt, einfach vernichtet.“

Daher versucht sie, Elke Fischer-Wagemann, deren Sohn Nils selbst von der Jerwa-Station profitiert, in ihrem Kampf gegen die Schließung zu unterstützen. Fischer-Wagemann hatte auf der Plattform change.org eine Petition gegen die Schließung gestartet, die mittlerweile mehr als 18000 Unterstützer gefunden hat. „Die Station Jerwa begleitet junge Menschen mit Behinderung beim Übergang von der Neuropädiatrie in die Erwachsenenmedizin. Diese Übergangsversorgung ist einzigartig in Deutschland“, stellte Fischer-Wagemann erst jüngst gegenüber dem OVB klar. „Hier erleben wir etwas, was wir vorher anderswo nie gefunden haben: eine interdisziplinäre Behandlung und Beratung auf höchstem Niveau.“

Aus der Jerwa-Station „ist ein Skandal“

Das Aus der Jerwa-Station wird daher sicherlich auch während des erneuten Aufenthalts von Finni und Viktoria Zettel in der Schön-Klinik in Vogtareuth allerhand Gesprächsstoff bieten. Zunächst wird sich die 36-Jährige aber ganz auf die bevorstehende Operation ihres tapferen Buben konzentrieren. Denn wenn alles glatt läuft, dann soll der Achtjährige so schnell wie möglich wieder seine neue Schule, die Korbinianschule in Steinhöring (Landkreis Ebersberg), besuchen dürfen.

Denn mit dieser Einrichtung, die Finni halbtags besucht, scheint Familie Zettel wirklich ein Glückslos gezogen zu haben. „Wir haben unfassbar viel Glück, dass er dort einen Platz bekommen hat“, berichtet Viktoria Zettel, die von der ganzen Einrichtung und Finnis „toller Lehrerin“ hellauf begeistert ist. „Die kümmern sich rührend um Finni, nehmen ihn überall mit“, erzählt die 36-Jährige. „Der Trubel mit den Kindern dort – das tut Finni wirklich unheimlich gut.“

Zwischen Hoffnung und dem schlimmsten Fall

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