von Redaktion

Neue Umweltauflagen erfordern umfassende Modernisierungen – Zehn Jahre dauern die Maßnahmen

Bad Aibling – Um ihr ausreichend Kapazitäten für die Zukunft zu verschaffen und sie an aktuelle Umweltschutzauflagen anzupassen, wird die Bad Aiblinger Kläranlage in den kommenden zehn Jahren eine Dauerbaustelle sein. Das kündigte Bürgermeister Stephan Schlier bei der Bürgerversammlung im Kurhaus an.

Das zwischen 1963 und 1965 errichtete Bauwerk wurde nach Auskunft Schliers in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem dreimal bautechnisch an die neuesten Auflagen bei der Abwasserreinigung angepasst. Diplomingenieur Anton Mader vom Fachbüro Diepold und Gerold, mit dem die Stadt seit 2015 zusammenarbeitet, informierte bei der Erläuterung anstehender Maßnahmen die Anwesenden darüber, dass die Anlage derzeit auf 39600 Einwohnerwerte (EW) ausgelegt sei.

Gebläsehaus wird
gerade errichtet

Unter EW versteht man eine Kennzahl, die die anfallende Schmutzfracht im Zulauf einer Kläranlage angibt und alle in Privathaushalten und Gewerbebetrieben anfallenden Abwässer berücksichtigt. Pro Bewohner rechnet man in Privathaushalten mit einem täglichen Abwasser-Anfall von durchschnittlich etwa 150 bis 200 Litern. „Bei Gewerbebetrieben sind die Mengen deutlich höher“, so der Bürgermeister.

An größeren Baumaßnahmen wurden in der jüngeren Vergangenheit laut Mader unter anderem die Erneuerung der Räumerbrücke mit Fahrbahnsanierung beim Vorklärbecken, die Schaffung eines zweiten Rechengerinnes mit Einbau eines Siebkorbrechens im Rechengebäude, die Errichtung eines Gebäudes zur Aufnahme eines Sandwäschers samt Installation dieser Anlage, die Erneuerung der Rohrleitungen beim Hebewerk und der Austausch der Belüfterteller im Belebungsbecken vorgenommen. Aktuell im Bau ist ein Gebläsehaus, mit dem die Erneuerung der Gebläse zur Lufterzeugung einhergeht. Die Maßnahme soll 2026 abgeschlossen sein.

Die wasserrechtliche Erlaubnis für den Betrieb der Anlage auf Basis der aktuell vorhandenen EW laufe am 31. Dezember 2026 aus, informierte Mader. Die wasserrechtliche Erlaubnis für die sogenannte „Regenentlastung“ – darunter versteht man gereinigtes Wasser, das in Bad Aibling in der Regel in die Mangfall oder den Mangfallkanal eingeleitet wird – endet am 31. Dezember 2029. Im Frühjahr kommenden Jahres will die Stadt die Antragsunterlagen für die Erweiterung der Kläranlage beim Landratsamt Rosenheim einreichen.

Der Bürgermeister nannte die anstehenden Maßnahmen „einen laufenden Prozess ohne größere Überraschungen“. Schlier sieht drei Hauptgründe, die die Millioneninvestitionen im kommenden Jahrzehnt erforderlich machen. „Unsere Anlage ist in die Jahre gekommen, wir kämpfen immer wieder mit ausfallender Technik“, sagte er. Zudem müsse sich die Stadt auf weitere Auflagen einstellen, die mit den zu beantragenden neuen Wasserrechtsbescheiden verbunden sein dürften. Dies erfordere Nachrüstungen im technischen Bereich.

„Bad Aibling ist größer geworden, wir haben jetzt auch unsere Kapazitätsgrenze erreicht“, beschrieb er die Notwendigkeit, warum die Anlage künftig auf 73000 EW ausgelegt sein wird. Bei dieser Größenordnung seien dann auch Zukunftsreserven für weitere 20 Jahre enthalten.

In der Liste der Maßnahmen, die in den kommenden zehn Jahren anstehen, finden sich nach Auskunft von Anton Mader unter anderem die Erneuerung der Zentrifuge zur Schlammentwässerung, die Erneuerung der Blockheizkraftwerke sowie die Errichtung eines Regenüberlaufbeckens vor der Kläranlage.

Gebaut werden müssen auch ein drittes Nachklärbecken sowie ein weiteres dreiteiliges Belebungsbecken, das zu den beiden vorhandenen hinzukomme. Es soll ein Volumen von 4250 Kubikmetern haben. „Das gesamte Volumen der Belebungsbecken beträgt dann 8950 Kubikmeter“, erläuterte Mader. Was die zu erwartenden Kosten für das anstehende Maßnahmenbündel betreffe, könne man derzeit noch keine konkreten Angaben machen, sagte der Bürgermeister.

Gebühren könnten
erhöht werden

Er nutzte die Vorstellung der Zukunftsplanung, der er bewusst breiten Raum in der Versammlung gegeben habe, auch, um nochmals auf die im Sommer vorgenommene Erhöhung der Wasser- und Abwassergebühren einzugehen. „Wir müssen auf diesem Sektor laut Gesetz kostendeckend arbeiten. Deshalb werden die Gebühren in einem Kalkulationszeitraum von vier Jahren überprüft und bei Bedarf angepasst“, so Schlier. Das erfolge unabhängig von der Haushaltslage der Stadt.

Trotz der Mehrkosten, die auf die Bürger zugekommen seien, müsse sich Aibling „nicht verstecken“, betonte der Bürgermeister. „Wir liegen mit unseren Sätzen im Gemeinde-Vergleich im Mittelfeld.“

Kläranlage wird zur Dauerbaustelle

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