von Redaktion

Interview Schön-Klinik-Chefarzt Dr. Roland Rusz klärt über die Krankheit Osteoporose auf

Bad Aibling – Osteoporose ist eine weitverbreitete, aber oft unbemerkte Erkrankung, bei der die Knochendichte abnimmt. Welche Probleme das für betroffene Menschen mit sich bringt, weiß Dr. Roland Rusz, Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie in der Schön-Klinik Bad Aibling Harthausen.

Können Sie uns das Krankheitsbild Osteoporose kurz und knapp erklären?

Bei Osteoporose nimmt die Knochendichte und -struktur ab. Wirbelkörper oder die Knochen im Körper werden porös und bekommen eine ähnlich löchrige Struktur wie ein Schwamm. Die Folge: Diese Knochenstücke sind anfälliger für Brüche.

Osteoporose ist eine weitverbreitete, aber oft unbemerkte Erkrankung. Welche typischen Symptome oder Beschwerden deuten auf einen möglichen Beginn der Osteoporose hin?

Der Knochenstrukturabbau verläuft symptomlos, die Patienten haben keine Schmerzen. Sie bemerken die Erkrankung schlicht und ergreifend nicht.

Erste Zeichen, die auf Osteoporose hinweisen können, sind tatsächlich Fragilitätsfrakturen am Handgelenk, den Wirbelkörpern oder dem Schenkelhals, die zunächst gar nicht erkannt werden oder nach banalen Stürzen entstehen. Ein weiteres Indiz ist gerade bei älteren Patienten die Entstehung des sogenannten Witwenbuckels, indem sich die Wirbelkörper verändern oder eine verminderte Körpergröße durch Schrumpfen erkennbar ist.

Von zentraler Bedeutung ist außerdem die Früherkennung und eine optimierte radiologische Diagnostik, etwa durch Knochendichtemessungen, die den Kalk-Salz-Gehalt offenbaren und Verschleißerscheinungen aufzeigen. Liegt der sogenannte T-Score bei oder unter einem Wert von Minus 2,5, ist eine Osteoporose wahrscheinlich.

Welche Gruppen sind besonders von Osteoporose betroffen und warum?

Weil Östrogenmangel den Knochenabbau beschleunigt, erkranken Frauen häufig nach der Menopause. Aber auch bei Männern tritt die Krankheit auf. Inaktivität, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkoholismus oder chronische Erkrankungen fördern die Erkrankung. Im Gegensatz dazu wirken eine gesunde Ernährung mit Kalzium, Vitamin D tanken – vor allem im Winter – sowie das Muskeltraining vorbeugend.

Gibt es einen Moment aus Ihrer Arbeit mit Osteoporose-Patienten, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Als Wirbelsäulenchirurg treffe ich ständig Osteoporose-Patienten und muss leider sagen: Wir bekommen Patienten mit Wirbelbrüchen fast immer zu spät auf den OP-Tisch.

Dadurch, dass die Erkrankung häufig so lange unerkannt bleibt, beginnt die Versorgung zu spät. Der Eingriff wird umso komplexer, je mehr Zeit verstreicht. Hinzu kommt, dass osteoporotische Frakturen schlecht heilen, aufgrund der Instabilität der Knochen oder des Zerfalls des Wirbelkörpers. Gerade die Diagnostik ist eine Herausforderung, wenn die Erkrankung nicht richtig erkannt wird und konservative Methoden nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Inwiefern haben sich die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren dank des medizinischen Fortschritts im 21. Jahrhundert weiterentwickelt?

Generell sind medikamentöse Therapien, die den Knochenabbau bremsen oder direkt in den Stoffwechsel eingreifen, am meisten verbreitet. Darüber hinaus gibt es heutzutage anabole Therapiemethoden, die den Knochenabbau nicht nur bremsen, sondern die den Knochenaufbau auch aktiv fördern.

Was wünschen Sie sich von Betroffenen, Angehörigen und der Gesellschaft im Umgang mit Osteoporose?

Ein großes Problem ist nach wie vor, dass wir Chirurgen am Ende der Behandlungs-Kette stehen, weil die Erkrankung zu spät erkannt wird. Ich wünsche mir, dass Osteoporose als Volkskrankheit anerkannt wird und die Diagnostik frühzeitig erfolgt, in Form von Vorsorgeuntersuchungen wie beispielsweise der bereits erwähnten Knochendichtemessung und einer Verfeinerung der radiologischen Diagnostik.Marina Birkhof

Unerkannte Gefahr für die Knochen

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