Bad Aibling – Lange Zeit waren die Schaufenster des Blumenladens „Vergissmeinnicht“ in Bad Aibling komplett verhängt. Ein Schild wies darauf hin, dass die Räume in der Rosenheimer Straße nach der Schließung zu vermieten sind. Nun, fast ein Jahr später, ist klar, wie es mit der Ladenfläche dort weitergeht. Ab Ende Oktober wird dort ein neues Kapitel aufgeschlagen, was für die Zukunft dieses Bereichs in der Kurstadt nicht unerheblich sein dürfte. Dabei hat ein alter Bekannter seine Finger im Spiel.
Ein kurzer Rückblick: Im Jahr 2023 sorgten die Entwicklungen auf der gegenüberliegenden Straßenseite für Aufsehen. Neben den Kellerbergterrassen sollte ein weiteres großes Wohn- und Geschäftshaus in Bad Aiblings Zentrum entstehen. Doch da sich Planer und Stadtrat nicht einigen konnten, zogen sich die Verantwortlichen zurück und das Konzept der „Rosengärten“ wurde überraschend abgeblasen. Nach dem Grundstücksverkauf des bisherigen Eigentümers war damals unklar, wie es gegenüber der Villa Katharina weitergeht.
Schließlich erwarb Peter Greither für seine gemeinnützige „Garten Eden – Greither-Lindner-Stiftung“ das unerwartet verfügbar gewordene Grundstück. Greither teilte Anfang 2024 gegenüber dem OVB mit, dass auf dem Areal die ehemalige Wäscherei sowie der Jugendtreff „JIMs Bergwerk“ künftig einem neuen Gebäude weichen sollen. Geplant sei dort ein Stadtmuseum. Räumlich würde dies ideal zur gegenüberliegenden Villa Katharina passen, die Sitz der „Garten Eden – Greither-Lindner-Stiftung“ ist. Nun kommt erstmals sichtbar Bewegung in die neue Entwicklung, wenngleich nicht direkt auf dem neuen Grundstück. Denn besagte Räumlichkeiten des ehemaligen Blumenladens auf der anderen Straßenseite sollen nun als Testlauf für den möglichen Neubau eines Museums dienen. Wie Sarah Regensburger mitteilt, startet am 31. Oktober ein „besonderes Pilotprojekt“ in der Rosenheimer Straße 14. In einer Art Testphase setzt Regensburger als künstlerische Leitung das Projekt Museum & Galerie Eden für Peter Greither um.
Testphase mit
Museum und Galerie
„Die Umsetzung eines Programms hier ist jetzt erst mal bis Dezember 2026 geplant“, sagt sie dem OVB. Ob die „Testphase“ darüber hinaus noch verlängert wird oder wie es grundsätzlich danach weitergeht, ist derzeit noch unklar. „Wir hoffen aber natürlich, dass es bei den Menschen ankommt“, so Regensburger.
Das bestätigt auch die Greither-Lindner-Stiftung selbst auf Nachfrage. Man werde nun zunächst testen, wie das Konzept funktioniert und wie gut dieses von den Besuchern angenommen wird. Einen genauen Zeitplan, auch was einen möglichen Start des Museum-Neubaus angeht, gebe es dementsprechend noch nicht. Der volle Fokus liegt nun auf dem Pilotprojekt in dem ehemaligen Blumenladen. „Es ist eine Herausforderung, das in einem Raum umzusetzen, was später womöglich mal in einem größeren Museum stattfindet“, sagt die gebürtige Aiblingerin Regensburger. Jedoch böten etwa die großen Schaufenster tolle Möglichkeiten, Passanten neugierig zu machen. Zudem sei es generell ein großer Vorteil, dass die Interimslösung in Sichtweite des möglichen neuen Museums liege.
Sarah Regensburger selbst hat eine besondere Verbindung zu dem Projekt. Ihr Vater, der bereits verstorbene Max Regensburger – ein Kenner der Stadt, versierter Kunstfreund und Unternehmer mit einem Juweliergeschäft in der Kirchzeile – pflegte eine enge Freundschaft zu Peter Greither. Schon vor Jahren tauschten sich beide über die Vision eines Stadtmuseums aus. Nun nimmt Tochter Sarah Regensburger bei der anfänglichen Umsetzung – wenn auch zunächst in den temporär genutzten Räumen – eine wichtige Rolle ein. „Es wird eine sehr spannende Kombination aus Galerie und Museum“, kündigt sie die Pläne an. Denn beides soll in der Interimsstätte gleichermaßen Platz finden.
Auftakt
am 31. Oktober
Den Auftakt macht die Eröffnung am Freitag, 31. Oktober, um 18 Uhr mit der Ausstellung „Back 2 Back“. Zum Start zeigt einerseits die Galerie Eden Arbeiten von Holger Kurt Jäger, der drei Tage vor der Eröffnung zum Aufbau der Ausstellung aus Düsseldorf anreisen und zusätzlich eine Graffiti-Arbeit am gegenüberliegenden Gebäude realisieren wird. Andererseits zeigt das Museum Eden Arbeiten von Andy Warhol. Zusammen sollen beide Komponenten zwei künstlerische Positionen darstellen, die sich in einem spannungsvollen Dialog begegnen. Über den Auftakt der Testphase hinaus steckt hinter dem Pilotprojekt die Vision, einen offenen Denk- und Dialograum, einen Ort für Inspiration, Reflexion und Transformation zu schaffen. Neben wechselnden Ausstellungen mit regionalen und internationalen Künstlern sowie Exponaten aus Privatsammlungen werden Gespräche, Lesungen, Performances und Workshops das Programm ergänzen. In Zukunft ist dann der Neubau eines Museums in Bad Aibling avisiert, in dem die Vielfalt künstlerischer Positionen in größerem Umfang gezeigt werden kann. Museum und Galerie sind an die gemeinnützige Garten Eden – Greither-Lindner-Stiftung angeschlossen, die Gabi und Peter Greither 2021 gründeten. Die Stiftung engagiert sich für Nachhaltigkeit, Kultur und Bildung – insbesondere für Kinder und Jugendliche. Der Reinerlös aus den Aktivitäten von Museum Eden und Galerie Eden fließt direkt in die Stiftungsarbeit und unterstützt Projekte zu Umweltbewusstsein, Ernährung und kultureller Teilhabe.