Tuntenhausen – Zufriedenheit und eine Portion Stolz prägten die 30-Jahr-Feier der Frauenliste Tuntenhausen. Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner lobte die geballte Frauen-Power aus Tuntenhausen. „Bei diesem Anblick geht mir das Herz auf und mein Kampfgeist wird wieder geweckt“, sagte Vorsitzende Resi Englhart sichtlich bewegt bei der Eröffnung im Landgasthof Wallner in Ostermünchen – angesichts des großen Besuchs.
Grußwort
von Ilse Aigner
Der war dem Anlass mehr als angemessen: Viele der Anwesenden hatten sich schon lange nicht mehr gesehen. Englhart zitierte daraufhin Albert Einstein: „Es gibt einen Antrieb, der stärker ist als Dampf und als Atomenergie: der Wille.“
Dieser Wille, so betonte sie, sei in all den Jahren eine treibende Kraft gewesen, die Frauenliste am Leben zu erhalten. Mit einem Augenzwinkern verwies sie schließlich auf die dekorative Pflanze des Abends – einen Lorbeerstrauch: „Diese Lorbeeren haben sich unsere Frauen in den vergangenen 30 Jahren auch redlich verdient.“
Im Videogrußwort von Ilse Aigner sprach diese nicht nur von einer geballten Frauenpower, nein, sie forderte Frauen auf, aktiv zu werden, anstatt zuzusehen. „Und genau das war und ist das Motto der Frauenliste Tuntenhausen“, erklärte Aigner. Leider sind nach ihren Worten noch viel zu wenige Frauen in der Politik: Über 50 Prozent der Bevölkerung seien Frauen, aber nur 28 Prozent seien in der Kommunalpolitik vertreten. Und lediglich zehn Prozent der Rathäuser würden von Frauen geführt. Mit Blick auf die Zukunft der Frauenliste Tuntenhausen rief sie den Anwesenden zu: „Macht weiter so – und viel Erfolg für die nächsten 30 Jahre!“
Pastoralreferentin Marion Höher vertrat an diesem Abend die Geistlichkeit. Schmunzelnd erinnerte sie daran, dass in den 1990er-Jahren erstmals Frauen im Gemeinderat vertreten waren – und nun sei sie die erste Seelsorgerin in der Pfarrei: „Aber ich musste nicht so schwer kämpfen wie sie“, fügte sie anerkennend hinzu.
Nach ihren Worten sei auch in Tuntenhausen der gesellschaftliche Wandel, der sich seit der Jahrtausendwende vollzogen hat, spürbar geworden. „Die Beteiligung von Frauen in Politik und Gesellschaft bereichert das Gemeinwesen ganz ungemein“, erklärte sie. „Durch eure Initiative habt ihr nicht nur eurer eigenen Liste zum Erfolg verholfen, sondern auch Frauen innerhalb der anderen Parteien ermutigt und Türen geöffnet, die zuvor verschlossen waren.“
Mit besonderem Lob würdigte sie das Durchhaltevermögen von Angela Kirmaier und Theresia Englhart und mahnte zugleich: „Es braucht noch mehr Frauen, die sich einbringen – aber auch Männer, die das zulassen.“ Abschließend wünschte sie der Frauenliste „Erfolg, Kraft, Mut und Gottes Segen für die kommenden Jahre.“
Bürgermeister Georg Weigl gratulierte den Frauen ebenfalls zu ihrer Erfolgsstory und verglich diese mit dem Jahr 1918, der Geburtsstunde des Frauenwahlrechts. Und dennoch, so Weigl, sei die Gleichberechtigung in den kommunalen Gremien noch lange nicht vorhanden. In Tuntenhausen jedenfalls, so Weigl, seien die fünf Frauen im Gemeinderat eine echte Bereicherung. Dabei erinnerte er an die damalige kritische Sichtweise beim geplanten Bau einer Recyclinganlage im Oberrainer Feld. „Die Frauenliste ist ein wichtiger Bestandteil in der politischen Gemeinde“, betonte der Bürgermeister am Ende.
Erika Zimmert verlas anschließend Grußworte von Otto Lederer. Der verhinderte Landrat schilderte die Frauenliste als engagierte Menschen, die sich vor Ort einbringen und Demokratie leben. „Frauen dürfen sich nicht mit dem Zuschauen zufriedengeben“, forderte Lederer, denn die Demokratie lebe von der Vielfalt. Das Engagement zeige anderen Frauen, dass Politik keine reine Männersache sei. Er wünschte den Frauen Kraft, Freude und Erfolg auch weiterhin.
Andrea Hinterwaldner vom Landesverband der Frauenliste Bayern bezeichnete Kirmaier und Englhart als geachtete Vorbilder, die einer ganzen Generation gezeigt hätten, wie wichtig es ist, in einer Gemeinde mitzugestalten. „Die Frauenliste ist ein Glücksfall für die Gemeinde. Seid stolz drauf“, lobte die Rednerin die Gründerinnen.
Praktisch mittellos in
den ersten Wahlkampf
Auch Bürgermeisterkandidat Christian Mayer vertrat bei seinen Glückwünschen die Meinung, dass Frauen unbedingt auf allen Ebenen unserer Gesellschaft vertreten sein müssen. „Seid stolz darauf, was ihr die letzten 30 Jahre geleistet habt“, schloss Mayer seine Glückwünsche.
Die Frau der ersten Stunde, Angela Kirmaier, schilderte zum Ende noch die Schwierigkeiten der Gründerjahre, als man mit einem Jahresbeitrag von fünf Mark nahezu mittellos in den Wahlkampf ging. „Aber ich möchte diese Zeit nicht missen“, schloss Kirmaier ihre Laudatio.
Für die Frauen der ersten Stunde gab es dann noch eine Ehrenurkunde in Anerkennung als Gründungsmitglied.