Bad Aibling – Nachdem die fehlende Beschallung bei der ökumenischen Allerheiligenfeier auf dem Bad Aiblinger Friedhof im Vorjahr für viel Kritik gesorgt hatte, erfolgt heuer eine Rückkehr zur bisherigen Praxis. Darauf verständigten sich Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche in einem Gespräch mit Bürgermeister Stephan Schlier.
Hohe Kosten für die Lautsprecheranlage bei einer angespannten Haushaltslage hatten den katholischen Stadtpfarrer Philipp Kielbassa 2024 bewogen, keine Mittel der Stadtkirche mehr für die technische Unterstützung bereitzustellen. So fand im Vorjahr nur ein Gräberumgang statt, der von Bläserweisen umrahmt wurde. „Wir haben nichts gehört. Es waren auch kein Anfang und kein Ende der Feier erkennbar“, sagte einer der Kritiker.
Kritik hat Stadtpfarrer
„zutiefst verletzt“
Auch an das Ohr des Stadtpfarrers drang die Kritik, der sich in einem Gottesdienst nach dem Totengedenken an die Gläubigen wandte und seine Entscheidung verteidigte. Zugleich wies er den Vorwurf zurück, die Verstorbenen seien ihm gleichgültig. „Das hat mich zutiefst verletzt“, bekannte Kielbassa damals freimütig.
Bürgermeister Stephan Schlier ist jedenfalls froh, dass beim Treffen im Rathaus ein Konsens gefunden werden konnte. Mit ausschlaggebend hierfür ist die Tatsache, dass heuer eine andere Firma als bisher mit der Installation der Anlage beauftragt wurde, die diese Dienstleistung deutlich günstiger erbringt. Außerdem sitzt mit der Trauerhife Denk jetzt ein Sponsor im Boot. Schlier geht von Kosten in Höhe von rund 2400 Euro für die Anlage aus. Je 800 Euro zahlen die Stadt und die katholische Kirche, den Rest übernehmen der Sponsor und die evangelische Kirchengemeinde.
Die jetzt gefundene Lösung war dem Rathauschef ein „Herzensanliegen“, wie er bekennt. „Damit können wir vielen Aiblingern ein Angebot machen, denen die Allerheiligenfeier auf dem Friedhof wichtig ist.“ Gegen die Kritik aus dem Vorjahr nimmt er den Pfarrer ausdrücklich in Schutz. „Es ist in der Tat viel Geld, das für eine kurze Zeit ausgegeben wird. Da darf man sich schon Gedanken machen“, sagt der Bürgermeister.
Wer sich die neueste Informationsbroschüre „Stadtkirche aktuell“ anschaue, der erkenne allerdings rasch, wie viel Kielbassa für eine würdige Feier des Allerheiligenfestes tue. Auch Renate Gartmeier, die Vorsitzende des Stadtkirchenrates, begrüßt die Übereinkunft. „Wenn im Rahmen des Gemeinschaftsgedenkens auf dem Friedhof auch gesprochen und Musik gespielt wird, dann braucht es eine Beschallung“, ist sie überzeugt. Nur so könnten die an den Gräbern versammelten Angehörigen der Verstorbenen vernünftig Anteil an der Feier nehmen. Pfarrer Kielbassa zeigt sich ebenfalls zufrieden mit der Einigung und hofft, dass diese Vereinbarung länger Bestand hat. „Alleine hätten wir das finanziell nicht stemmen können“, zeigt er sich dankbar, dass mit der Stadt und der evangelischen Kirchengemeinde die bisherigen Mitzahler an Bord geblieben seien und zudem ein zusätzlicher Geldgeber mit im Boot sitze.
Allerheiligen auf dem städtischen Friedhof werde heuer somit wie vor 2024 ablaufen – mit Schlusssegen und gemeinsamem Beten. „Allerdings wird das alles etwas kürzer ausfallen“, verweist der Pfarrer auf die Tatsache, dass in der Stadtkirche im Gegensatz zum Vorjahr heuer ein Priester weniger Dienst verrichte. „Da müssen wir flexibel sein und neue Wege gehen“, sagt er.
Wichtig ist dem Seelsorger, „dass auch die Dörfer innerhalb der Stadtkirche nicht in Vergessenheit geraten“. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss Kielbassa am Samstag, 1. November, einen wahren Marathon absolvieren. Vier Gottesdienste und fünf Gräbersegnungen stehen in seinem Terminkalender.
Damit er die Herausforderungen bewältigen kann, gibt es ein paar wesentliche Neuerungen. Der Gottesdienst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt beginnt erst um 13.30 Uhr – unmittelbar vor der um 14.30 Uhr beginnenden Gräbersegnung auf dem städtischen Friedhof. In der Georgskirche findet an Allerheiligen kein Gottesdienst statt.
Weitere Messe
mit Gräbersegnung
Erstmals wird heuer nach dem Gedenken auf dem Bad Aiblinger Friedhof noch eine weitere Messe mit anschließender Gräbersegnung in Mietraching zelebriert. Beginn ist um 15.30 Uhr. In Berbling findet bereits um 8.45 Uhr ein Gottesdienst mit Gräbersegnung statt, in Ellmosen um 10.15 Uhr. Um 13 Uhr wird in der Willinger Kirche eine Andacht gehalten, der sich der Gräberumgang anschließt.
In Willing beziehungsweise in der Georgskirche finden dann am Allerseelentag Gottesdienste statt, die um 8.45 Uhr beziehungsweise um 10.15 Uhr beginnen. Auch wenn die Belastung für ihn groß ist, freut den Pfarrer vor allem ein Umstand. „Wir haben das alles einvernehmlich regeln können. Ich habe gerne meinen Teil dazu beigetragen“, sagt er. Norbert Kotter