Bad Aibling – Hat Bad Aibling ein generelles Post-Problem? Immerhin sorgt hier der Griff in den Briefkasten mal wieder für Frust. Erneut beschwerten sich mehrere Bürger, die ihre Pakete und Briefe teils erst mit wochenlanger Verspätung erhielten. Durchaus problematisch, gerade wenn es um sensible Unterlagen, wichtige Dokumente oder fristgerecht zu zahlende Rechnungen geht. Doch warum kommt es in der Kurstadt immer wieder zu solch ärgerlichen Verzögerungen?
Fast dreiwöchige
Verzögerung
Bereits Anfang Juli hatten zahlreiche Aiblinger Probleme mit Briefen und Paketen. Diese kamen deutlich zu spät oder teils gar nicht erst an, wie einige Bürger berichteten. Insbesondere im Innenstadtbereich war damals unter anderem von Sendungen die Rede, die zwei Wochen nach Poststempel ankamen. Im Juli bestätigte die DHL auf Nachfrage eine vorübergehende Verzögerung in der Zustellung, die jedoch behoben und Rückstände abgearbeitet worden seien.
Auch wollte man dort „engere Qualitätskontrollen“ durchführen. Erklärt wurden die Verzögerungen damit, dass es in „Einzelfällen“ am Ende von Zustelltouren zu Abbrüchen aufgrund von Dienstzeitende kommen könnte, sodass nicht alle Haushalte bedient werden. Diese würden dann jedoch am nächsten Tag priorisiert zugestellt.
Doch offenbar läuft es auch weiterhin nicht reibungslos. Eine Bad Aiblingerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, berichtete dem OVB kürzlich von massiven Problemen. Noch bis Mai habe sie fast täglich Briefe erhalten, die ihr an der Haustür persönlich in die Hand gedrückt wurden, nachdem die Postbotin geklingelt habe. Ein paar Wochen später sei dann, wohl auch durch einen personellen Wechsel, alles anders gewesen. Laut der Bürgerin fahre nun wohl jemand gelegentlich mit einem Fahrzeug vorbei und liefere Post nur noch an maximal zwei Tagen in der Woche ab.
„Das Aufkommen an Post ist auch schon merklich zurückgegangen, sodass ich nicht weiß, ob hinsichtlich des aktuellen Zustellers Briefe gehortet werden“, schildert die Frau ihre Beobachtungen und beschwerte sich auch beim Unternehmen DHL. Der traurige Höhepunkt ihrer Erfahrungen: Am 20. September erhielt sie einen „Schwung Briefe“, die alle von den Absendern zwischen dem 1. und 3. September ausgedruckt waren. „Die Post ist damit 20 Tage in der BRD unterwegs, zum Teil von Rosenheim nach Aibling – das kann nicht sein!“ Ähnlich sei es Gewerbetreibenden im Innenstadtbereich gegangen. „Es ist halt die Kontinuität und Verlässlichkeit, die hier plötzlich abhandengekommen ist.“
Ein anonymer Brief, der die Redaktion erreicht hat, schildert ähnliche Umstände in Bad Aibling. Auch hier ist von Post die Rede, die ihre Empfänger teilweise erst nach zwei Wochen erreicht. „Angeblich geht Paketpost vor und sollte Briefpost ausgetragen werden, wird halt das, was nicht geschafft wird, wieder mitgenommen“, schreibt der unbekannte Absender. In dem Schreiben ist zudem davon die Rede, dass es die Probleme vor dem Stützpunktwechsel von Aibling nach Tuntenhausen weitestgehend nicht gegeben habe, weshalb Personalmangel nicht als Ausrede herhalten könne. Alles in allem sei es für eine 20000-Einwohner-Stadt sowohl für Bürger als auch für Gewerbetreibende „äußerst unattraktiv“, später Post zu erhalten, „als ein Dorf in Kenia“. Während verspätete Rechnungen und Zeitschriften belastend und ärgerlich seien, könnte sich verzögerte Post im Gewerbe sogar geschäftsschädigend auswirken.
Doch wie reagiert die DHL auf die Schilderungen? „Leider kam es in Bad Aibling zu Problemen in der Zustellung“, bestätigte DHL-Sprecherin Sonja Radojicic nun die grundsätzlichen Schwierigkeiten gegenüber dem OVB. Allerdings habe man diese inzwischen lösen können. Auf die Gründe für die verzögerten Zustellungen in Bad Aibling ging die Sprecherin nicht ein. Die Sendungen seien letztlich allen Empfängern zugestellt worden.
Während eine betroffene Bad Aiblinger Bürgerin den personellen Zustellerwechsel als Problemursache vermutet, betont die DHL etwa, dass kein Personalmangel vorliege. „Unsere Personaldecke vor Ort ist stabil“, so Radojicic. Es seien nun wieder erfahrene Zusteller in der Innenstadt im Einsatz. „Wir bitten für die entstandenen Unannehmlichkeiten um Entschuldigung.“
Und tatsächlich scheint sich etwas getan zu haben. „Seltsamerweise habe ich jetzt nach meiner Beschwerde überhaupt kein Problem mehr mit verzögerter Auslieferung“, erklärt die betroffene Aiblingerin nun. Nach fast dreiwöchigen Verzögerungen erhalte sie nun wieder Briefe, die nur wenige Tage nach Poststempel im Briefkasten landen.
Ganz grundsätzlich erklärt die DHL gegenüber dem OVB, dass man als flächendeckender Postdienstleister Unregelmäßigkeiten nicht gänzlich ausschließen könne. „So gibt es immer wieder Fälle, in denen es aus unterschiedlichen Gründen zu betrieblichen Problemen kommen kann, zum Beispiel kurzfristige Erkrankungen oder Witterungseinbrüche.“ Für Beschwerden könnten sich Kunden auf unterschiedlichen Kanälen an die DHL wenden, beispielsweise klassisch per Telefon bei der zentralen Kunden-Hotline 0228/4333112.
Generell seien die Rahmenbedingungen derzeit „sehr schwierig“ – die Briefmengen sinken, Transport- und Lohnkosten steigen, der Spielraum für Portoerhöhungen ist nicht ausreichend, so Radojicic. Wichtig zu erwähnen sei, dass zum 1. Januar 2025 ein neues Postgesetz in Kraft trat, wonach etwa 95 Prozent der innerhalb Deutschlands verschickten Briefe spätestens am dritten und 99 Prozent am vierten auf den Einlieferungstag folgenden Werktag zugestellt werden müssen.
„Personaldecke
vor Ort ist stabil“
„Aufgrund der sinkenden Briefmengen haben wir schon länger damit begonnen, die Bearbeitung von Briefsendungen anzupassen“, erklärt die DHL-Sprecherin. So sei die Sortierung von Sendungen mit einer Laufzeit von bis zu vier Tagen nach Einlieferung wie Dialogpost (Werbesendungen) auf einen A-Teil und einen B-Teil der Zustelltour schon seit einer Weile etabliert. Damit nutze man die Möglichkeit, die Sendungsmengen durch die Sortierung in den Briefzentren möglichst effizient für die Zustellung zu steuern. Dies führt dazu, dass Sendungen für einen Haushalt stärker gebündelt und dann zeitgleich ausgeliefert werden. „Wir verstehen, wenn der Eindruck entsteht, dass die Hauspost ‚schwallartig‘ ankommt“, sagt Radojicic. Die A/B-Logik in der Briefbearbeitung stehe jedoch in keinem Zusammenhang mit der Paketzustellung an die betreffenden Haushalte und ist laut DHL in dieser Form mit der Bundesnetzagentur abgestimmt.