Volksstück mit Charme und Ecken

von Redaktion

Gelungene Premiere von „Der verkaufte Großvater“ im LuLi-Theater Aibling

Bad Aibling – Mit Anton Hamiks Komödienklassiker „Der verkaufte Großvater“ bringt das Theater Aibling in diesem Herbst einen Publikumsliebling auf die Bühne des LuLi-Theaters. Unter der Regie von Carla Rudholzner und Vero Reiser wurde das Stück, das bereits 1999 in Bad Aibling zu sehen war, nun in einer neuen, jüngeren Ensemblebesetzung präsentiert – mit dem Ziel, es frischer und lebendiger zu interpretieren.

Rudholzner verlegte die Handlung ins Jahr 1920, was der Inszenierung einen historischen Rahmen verleiht. Allerdings passten nicht alle Kostüme und Bühnenelemente stimmig in diese Zeit, und der erste Akt wirkte stellenweise etwas lang.

Insgesamt blieb der Auftakt etwas verhalten, gewann aber im Verlauf des Abends deutlich an Schwung. Im Zentrum stand der verschmitzte Großvater, gespielt von Robert Krämer, der mit schelmischem Blick und pointiertem Timing die Bühne beherrschte. Sein Zusammenspiel mit Marinus Gartmeier als Schwiegersohn Kreithofer sorgte für viele der komischen Momente, ohne dabei ins Überzogene zu kippen. Auch Tatjana Leikam als genervte Magd Zenz brachte mit Temperament und klarer Präsenz frischen Schwung in die bäuerliche Szenerie.

Der zweite Handlungsstrang um die geplante Heirat von Lois (sympathisches Bühnendebüt: Kilian Kiemer) und Ev (Linda Abinger) sowie den wohlhabenden Großbauern Haslinger (Maximilian Juraschek überzeugte mit präziser Mimik, sicherem Spiel und kraftvoller Stimme) fügte sich gut in die Geschichte ein und sorgte für reichlich Verwicklungen.

Daniela Tamegger als resolute Bäuerin Nanni und Dominik Brandstetter als treuherziger Knecht Martl rundeten das Ensemble harmonisch ab. Kleinere Verständlichkeitsprobleme traten zwar vereinzelt auf, was bei der durchgehend im Dialekt gehaltenen Inszenierung aber nicht ungewöhnlich ist. Die Sprache blieb in Teilen derb und volkstümlich – ganz im Sinne der Tradition des Stücks. Das Bühnenbild überzeugte durch gelungene Malereien, hätte im ersten Akt jedoch etwas mehr Detailtiefe und Atmosphäre vertragen können.

Trotz kleiner Unstimmigkeiten war die Spielfreude des Ensembles deutlich spürbar. Besonders schön: Die Regisseurinnen führten das Stück aus echter Verbundenheit zur Theatertradition weiter, denn bereits vor 26 Jahren war „Der verkaufte Großvater“ ein Erfolg in Bad Aibling.

Fazit: Das Theater Aibling präsentiert mit „Der verkaufte Großvater“ einen liebevoll inszenierten Klassiker, getragen von einem spielfreudigen Ensemble und viel Sinn für humorvolle Details. Ein kurzweiliger Theaterabend mit Ecken und Charme.

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