Bad Feilnbach – In der Nacht auf Sonntag wurden die Uhren wieder von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt. Während es dadurch morgens eine Stunde früher hell wird, tritt die abendliche Dämmerung früher als zur Sommerzeit ein. Und wem die trübe, herbstliche Jahreszeit ohnehin zu schaffen macht, für den wird es mental nach der Zeitumstellung nicht weniger herausfordernd.
Mit einem guten Gefühl
in den Morgen starten
Der Bad Feilnbacher Dr. Axel Koch, Verhaltenspsychologe und Hochschulprofessor, beschäftigt sich in seinen Büchern – etwa „Morgen fang ich aber wirklich an!“ – und Coachings unter anderem mit dem Verhalten von Menschen, die ungewollt in alte Muster zurückfallen.
„Beim Thema Herbstblues begegne ich immer wieder dem Satz ‚Dunkel ist doof‘“, sagt Koch gegenüber dem OVB. Und rein physiologisch sei dies auch nachvollziehbar zu erklären, da sich im Organismus Tageslicht auch tatsächlich positiv aufs Gemüt auswirke.
„Wer kennt es nicht: Man steht auf, draußen ist es trüb, man hat von Anfang an keine Lust und würde am liebsten wieder ins Bett zurück“, beschreibt der Psychologe ein weitverbreitetes Muster. Doch laut Koch könne man an diesem Punkt gegensteuern, konkret indem man an der persönlichen Haltung arbeitet. „Wer hier jetzt alles doof findet, müsste bewusst auf eine Hilfestellung zurückgreifen, um in eine gute Stimmung zu kommen.“
Sein Grundtipp für diese Momente: „Sich überlegen, was ein Bild, eine Aktivität, eine Handlung ist, die einen positiver stimmt.“ Dies könne schon mit Kleinigkeiten gelingen, die einem betroffenen Menschen guttun. „Manch einer erfreut sich etwa an einer schönen, warmen Tasse Tee“, erklärt Koch beispielhaft. Er selbst denke in solchen Augenblicken zum Beispiel gerne an den letzten Ostseeurlaub, an die Erlebnisse oder die Meeresluft. Wem allein positive Gedanken nicht weiterhelfen würden, der könne auch auf ein gutes Gespräch oder eine Weile am warmen Kamin zurückgreifen.
„Es geht einfach darum, es sich schön zu machen oder etwas zu finden, was einem ein gutes Gefühl macht“, so der Professor und Buchautor.
Dass diese Technik funktionieren kann, verdeutlicht er an einem gegensätzlichen Beispiel. „Wir sehen es ja umgekehrt. Bei vielen Menschen reicht schon das Wort ‚Zahnarzt‘, um sie in eine negative Stimmung zu versetzen“, erklärt Koch. Was in dieser Richtung blitzschnell gelingt, sei mit einer positiven Ausrichtung zwar etwas schwieriger, könne aber trotzdem funktionieren.
Wesentlicher Punkt:
„Ich habe die Wahl“
„Der wesentliche Punkt ist, dass ich die Wahl habe.“ Niemand sei dazu verpflichtet, sich in der dunklen Jahreszeit schlecht zu fühlen, erklärt der Psychologe. Sich dieser Wahlmöglichkeit bewusst zu sein, sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum richtigen Umgang mit der tristen Jahreszeit und den damit einhergehenden schlechten Stimmungen. Wer dann noch etwas finden kann, das ihm eine positive Energie, eine positive Motivation verleihen kann, könne mit dem sogenannten Herbstblues gut umgehen.
Kochs entscheidende Botschaft an alle, denen die herbstlichen Tage zu schaffen machen: „Es passiert leicht, dass wir uns in dieser Zeit wie von einem Staubsauger in ein Loch ziehen lassen. Aber wir haben die Wahl, ob wir dort drinbleiben oder wieder rauskommen.“