Bad Aibling – Vor fast zehn Jahren öffnete die integrative Waldorfkinderkrippe „Sternenbrücke“ in Bad Aibling zum ersten Mal ihre Türen. Seitdem kümmern sich sechs Erzieher um Kinder mit und ohne Beeinträchtigung im Alter von etwa ein bis drei Jahren. Aktuell betreuen sie bis zu 14 Kinder. In dem Holzgebäude in der Anne-Frank-Straße wollen die Mitarbeiter ein „Frühbeet“ für die Kleinen schaffen. Was das bedeutet, erklären Krippenleiterin Sylvia Münch-Berger und Eva Janisch von der Geschäftsführung.
Gute Ausstattung und
strukturierter Tagesablauf
„Die Sternenbrücke ist, was Bau, Ausstattung und Konzeption betrifft, inklusiv konzipiert, das heißt, jedes Kind kann hier individuell gefördert werden, egal welche Beeinträchtigung es mitbringt“, erklärt Eva Janisch. Die Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied des Fördervereins Freie Heilpädagogische Waldorfschule Rosenheim und Umgebung sowie Träger der Raphael-Schule Bad Aibling ist eine der Initiatorinnen der Kinderkrippe. „Die Idee dahinter stammt aus unserem eigenen Leben heraus“, sagt sie. „Wir wollten Eltern, die früh wieder anfangen zu arbeiten, einen Ort bieten, wo ihre Kinder betreut werden und sich gleichzeitig heimisch fühlen.“
Geschaffen wird das durch mehrere Aspekte. Wie zum Beispiel die besondere Ausstattung. So verwenden die Mitarbeiter der Waldorfkinderkrippe „Sternenbrücke“ ausschließlich hochwertige Naturmaterialien wie geöltes Naturholz, Teppiche aus Schafwolle und Leinenstoffe für Kissen und Vorhänge. Auch das Spielmaterial werde sorgfältig ausgewählt. Filzbälle, Stoffsäckchen mit Linsen, Schafwollpüppchen und Holzspielzeuge, die von regionalen Handwerkern gebaut werden, stehen den Kindern stets zur Verfügung.
„Unser Hauptziel ist, allen Kindern einen möglichst stressfreien Gruppenalltag zu ermöglichen, da Stress körperliche Auswirkungen hat und dies damit einen ungünstigen Einfluss auf die kindliche Entwicklung nehmen kann“, schaltet sich Krippenleiterin Sylvia Münch-Berger ein. Deshalb lege man auch viel Wert auf einen klar strukturierten Tagesablauf, bei dem sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert werde. So gibt es feste Zeiten für Ruhe, Pflege, freies Spiel und tägliche Aufenthalte im Freien, egal bei welchem Wetter. „Manchmal trennen wir die Kinder dabei auch in kleinere Gruppen, um Stress zu reduzieren und eine individuellere Betreuung zu schaffen“, sagt Münch-Berger.
Möglich sei das alles durch den starken Zusammenhalt im Team. „Wir haben alle dieselbe Motivation und vertreten dieselben Werte, wir sind wirklich ein ganz tolles Team“, sagt die Krippenleiterin. Sie erklärt weiter, dass jeder helfe, wo gerade Not sei, und nicht selten komme es vor, dass die Kollegen füreinander einspringen. Für Sylvia Münch-Berger ist damit klar: In der Waldorfkinderkrippe herrscht eine „gute Gesamtatmosphäre“.
Mit „Herzblut“ kümmern sich die Mitarbeiter um die Kinder mit und ohne Beeinträchtigung. Eine Unterscheidung machen sie hier nicht. „Inklusion ist uns ein Anliegen und wir leben es. Und es ist immer eine Herausforderung, allen Kindern gerecht zu werden“, sagt die Gruppenleiterin. „Und es ist auch nicht so, dass unbedingt die Kinder mit einer diagnostizierten Beeinträchtigung uns pädagogisch am meisten herausfordern.“ Denn: Jedes Kind möchte gesehen werden. Deshalb sei es den Mitarbeitern wichtig, herauszufinden, wie man die Umgebung passend gestalten kann, damit jedes Kind sich ganz nach seinem Entwicklungsstand entwickeln kann.
Doch auch untereinander können die Kinder viel voneinander lernen, wie Sylvia Münch-Berger tagtäglich bei ihrer Arbeit erlebt. Klettert ein Kind zum Beispiel auf dem Spielgelände irgendwo hoch, wird das oft von anderen Kindern nachgeahmt. „Auch wenn jemand auf einem Holzsteckenpferd reitet, versucht ein Kind mit oder auch ohne Beeinträchtigung dies ebenfalls.“ Ein weiteres Beispiel: In der Gruppe gab es ein Kind, das über Gebärdensprache kommunizierte. „Die Kleinen haben sofort begeistert mitgemacht“, erinnert sich Münch-Berger.
Dass die Kinder im Zusammensein mit- und voneinander lernen, sei sehr wichtig. Durch das Beobachten, Probieren und Experimentieren entwickeln sich die Kleinen ebenfalls weiter. Deshalb legt die Waldorfkinderkrippe den Fokus nicht auf gezielte Förderangebote in bestimmten Entwicklungsbereichen, sondern setzt eher darauf, dass die Kinder in der „Sternenbrücke“ durch den Alltag, also durch gezielte Sinneswahrnehmungen, lernen.
Dabei legt das Team der „Sternenbrücke“ viel Wert auf die Waldorfpädagogik. Vor allem verfolgen sie die pädagogischen Grundsätze von Emmi Pikler und Rudolf Steiner. Auch die Heilpädagogik wird von den Erziehern in den Krippenalltag gerne einbezogen. Allerdings ist laut Eva Janisch nicht nur die Förderung der Individualität der Kinder wichtig. In der Waldorfkinderkrippe „Sternenbrücke“ steht auch das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund. „Wir sind der Meinung, dass Kinder erfahren sollen, dass das Leben in einer Gemeinschaft ein hoher Wert ist“, sagt die Geschäftsführerin. Wenn man als Team zusammenarbeitet, könne man oft mehr erreichen, als wenn jeder nur für sich das Beste herausholt.
Für die Zukunft wünschen sich die beiden Frauen für die Waldorfkinderkrippe nicht allzu viel. Wie es seit fast zehn Jahren hier laufe, sei gut so. „Vielleicht aber noch ein Wachstum nach innen“, sagt Sylvia Münch-Berger. „Immer mehr soll die innere Haltung zu unserer Arbeit und zu den Familien von Verständnis und Respekt geprägt sein.“
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