Er lebt die Leonhardi-Tradition seit 55 Jahren

von Redaktion

Georg Kuchler nimmt am Sonntag wieder bei der Wallfahrt in Lippertskirchen teil

Lippertskirchen – Rosserer, Fuhrleute und Reiter feiern mit stolzen Pferden und kunstvollen Gespannen am kommenden Sonntag, 9. November, am Wallfahrtsort in Lippertskirchen nach gutem Brauch „Leonhardi“.

Den Anfang macht ein Festgottesdienst, gestaltet von der Musikkapelle Bad Feilnbach. Beginn ist 10 Uhr am Feldaltar auf der Köglwiese. Als Höhepunkt folgt im Anschluss die traditionelle Fahrt um die Wallfahrtskirche Maria Morgenstern. Dort spendet Pfarrer Ernst Kögler den geistlichen Segen.

Die Wallfahrt in Lippertskirchen zu Ehren des legendären Abts und Eremiten von Noblat bei Limoges datiert zur Mitte des 14. Jahrhunderts zurück und zählt zu den ältesten ihrer Art im oberbayerischen Alpenvorland. Rosserer, Fuhrleute und Reiter pflegen mit Stolz ein im Glauben begründetes Brauchtum, bei dem das Vieh – insbesondere Pferde – die Hauptrolle spielt.

Zu den traditionsreichen Fuhrleuten bei der Lippertskirchener Wallfahrt gehört Georg Kuchler senior vom Lehrhof am Weiler Mooseck in Brannenburg. Er sowie Georg Rechenauer von Oberulpoint in Litzldorf und Pferdepflegerin Lisa Höck aus Kolbermoor erklärten den OVB-Heimatzeitungen im Vorfeld der Wallfahrt Wissenswertes über das Leonhardi-Brauchtum.

Von Kindheit an ist der inzwischen 80-jährige Georg Kuchler im Umgang mit Pferden vertraut. Als 13-Jähriger verbrachte er mit seinem „Ross“ die Sommermonate auf der „Antretter Alm“. Dabei viel Verantwortung wahrnehmend, entwickelte sich seine Liebe für Tiere, insbesondere für das „Süddeutsche Kaltblutpferd“. Diese Leidenschaft hält bis heute an. Wallfahrten zur Ehre des heiligen Leonhard als Schutzpatron für das Vieh, für Gefangene und Wöchnerinnen haben seit inzwischen 55 Jahren einen festen Platz im Terminkalender Kuchlers. Anfangs waren es Zweispänner, die bei Leonhardifahrten zum Einsatz kamen, später wurde auch um Vierspänner erweitert.

Beim Leonhardfest in Nußdorf beteiligte sich Kuchler auch als Reiter. Als zuverlässiger Partner bei Leonhardi-Teilnahmen erwies sich der „Schol-Bauer“ von Oberulpoint in Litzldorf, Georg Rechenauer senior, dessen Sohn Georg Rechenauer junior die Tradition nun weiter pflegt. Dritter im Bunde war der Litzldorfer Valentin Gsinn, der heuer im Alter von 89 Jahren verstarb.

Die Ziele der Leonhardifahrten, an denen Kuchler teilnahm, waren Niederaudorf, Leonhardspfunzen, Hundham und Lippertskirchen – und das bei jeder Witterung von herbstlichem Sonnenschein, Regen, Sturm und Schnee und Eis.

Die Teilnahme an Leonhardi-Wallfahrten bedeutet Kuchler zufolge, die Rösser bereits am Vortag oder am frühen Morgen zu waschen, zu striegeln, zu putzen und zu schmücken. Das stolze Aussehen seiner Pferde wird von einem wertvollen Geschirr vom einstigen Sattlermeister Hans Moosegger aus Brannenburg unterstrichen.

In der Anfangszeit machten sich die Rosserer bei der Teilnahmen am Leonhardiritt in Hundhm zu Fuß und bei Dunkelheit mit ihren Kaltblütern auf den Weg von Litzldorf in Richtung Feilnbach und übers Thalhäusl nach Deisenried, wo der kunstvoll gestaltete Wagen der Schalkfrauen vom Trachtenverein GTEV „D´Sulzbergler“ Litzldorf stand. Zum Zusammenspannen musste das spärliche Licht der Zigarren reichen, wie sich Kuchler und Rechenauer im Gespräch mit dem OVB erinnern. Einen Tag darauf folgte die Wallfahrt in Lippertskirchen, verbunden mit einem Fußmarsch von Litzldorf zur Köglwiese, wo Geistliche, Ehrengäste und zahlreiche Teilnehmer mit Pferden und Gespannen eine prachtvolle Kulisse boten.

Kuchler und seine Rosse stehen bis heute bei Trachtenfesten im Fokus vieler Zuschauer. Ebenso trägt er bei besonderen Festen die Standarte. Allerdings ist die Zukunft, was seine Leonharditradition betrifft, offen, wie Kuchler im Gespräch erklärte. Peter Strim

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