Fest der Menschlichkeit und Begegnung

von Redaktion

„Kreis Migration“ feiert Zehnjähriges – Ein Abend voller Dankbarkeit im Gasthof Kriechbaumer

Bad Aibling – Mit einer stimmungsvollen Feier hat der „Kreis Migration Bad Aibling“ sein zehnjähriges Bestehen begangen. Rund 80 Gäste folgten der Einladung in den Gasthof Kriechbaumer in Mietraching, um auf ein Jahrzehnt ehrenamtlichen Engagements für Geflüchtete zurückzublicken. Bewegende Reden, musikalische Beiträge, persönliche Geschichten und viel Dankbarkeit standen im Mittelpunkt des Abends. Angela Kodura-Richter führte als Moderatorin durch das Programm.

Sozialpreis der Stadt
im Jahr 2016 erhalten

Altbürgermeister Felix Schwaller erinnerte in seiner Ansprache an die Gründung des Helferkreises und würdigte die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Aibling und dem Landkreis Rosenheim. „Die Arbeit des Kreises Migration hat wesentlich dazu beigetragen, dass Integration in unserer Stadt nicht nur ein Wort, sondern gelebte Realität ist“, betonte Schwaller.

Bereits 2016 wurde der Verein für sein Engagement mit dem Sozialpreis der Stadt ausgezeichnet. Auch Bürgermeister Stephan Schlier hob die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements hervor: „Ohne Menschen, die sich ehrenamtlich für andere einsetzen, wäre unsere Stadt nicht das, was sie heute ist.“ Vorsitzende Petra Mareis ließ mit einer eindrucksvollen Präsentation zehn Jahre Vereinsgeschichte Revue passieren.

Besonders bewegend war die Erinnerung an das Jahr 2015, als sich innerhalb kürzester Zeit 250 Bürger aus Bad Aibling meldeten, um aktiv mitzuhelfen. „Das war ein starkes Zeichen für Menschlichkeit und Zusammenhalt“, so Mareis. Sie sprach jedoch auch die Schattenseiten an: „Wir mussten in dieser Zeit auch Anfeindungen und Hassmails ertragen. Das hat uns verletzt – aber die überwältigende Unterstützung aus der Bevölkerung hat uns getragen und motiviert, weiterzumachen.“

Nach dem festlichen Buffet meldeten sich die beiden Pfarrer mit persönlichen Worten. Pfarrer Philipp Kielbassa würdigte das Logo des Vereins mit den umschlungenen Händen als Symbol für Mitmenschlichkeit: „Nicht abwehren, sondern an die Hand nehmen – das ist gelebte Nächstenliebe.“ Pfarrer Markus Merz lobte das offene Klima in der Stadt: „Ich bin sehr froh, als Pfarrer in einer so herzlichen und offenen Gemeinde leben zu dürfen.“ Beide Geistlichen dankten den Ehrenamtlichen für ihre wertvolle Arbeit und wünschten ihnen weiterhin viel Kraft und Gottes Segen.

Barbara Kleeblatt, Leiterin des Betreuungsteams, sprach über die aktuelle Flüchtlingssituation in Bad Aibling. „Wir benötigen dringend Wohnungen für die deutsch sprechenden, ausgebildeten, arbeitenden und integrierten Flüchtlinge. Sonst haben wir in Zukunft schlechte Aussichten – wenn wir krank oder pflegebedürftig werden oder auch nur ein Restaurant besuchen wollen.“

Michael Beer, ehemaliger Direktor des Gymnasiums Bad Aibling, erinnerte an die Zeit, als die Turnhalle seiner Schule dreimal als Notunterkunft diente. „Der Kreis Migration war jederzeit ein verlässlicher Ansprechpartner – ohne ihn wäre es für das Gymnasium nicht möglich gewesen, die Auswirkungen der Turnhallenbelegung derart erfolgreich und sozialverträglich abzufedern.“

Musikalisch wurde der Abend von Kristina Vladykina und Nazir Akbari gestaltet, der das Publikum mit einfühlsamen Liedern aus seiner Heimat Afghanistan berührte. Das Orga-Team hatte die Gäste eingeladen, persönliche Erlebnisse aus ihrer Arbeit im Kreis Migration aufzuschreiben. Viele der Geschichten zeigten, wie viel Menschlichkeit in diesem Engagement steckt.

Auch Ablehnung und
Hass gehören zum Weg

„In den vergangenen zehn Jahren haben wir viel Zuspruch und Unterstützung erfahren – von der Stadt, von der evangelischen und katholischen Kirche, den Schulen, der Polizei, der Diakonie, allen Spendern und von vielen, die unsere Arbeit wertschätzen – dafür sind wir sehr dankbar. Gleichzeitig mussten wir auch erleben, dass Engagement für Geflüchtete nicht überall auf Verständnis stößt. Hass, Ablehnung und Anfeindungen gehörten leider ebenfalls zu unserem Weg, vor allem in den Jahren 2015 bis 2017“, sagte Petra Mareis zum Abschluss.

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