Prutting – Für Andreas März ist es wichtig, dass alle Menschen möglichst selbstständig an allem teilhaben können. In diesem Sinne betreffe Inklusion nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern alle, denn „es gibt nur eine einzige Stadtgesellschaft“, so der Rosenheimer Oberbürgermeister in seinem Grußwort bei der Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen des „Förderverein Inklusion Rosenheim“ und der 15 Jahre alten „Maria Bergmann-Stiftung“, zu der der Vorsitzende Sebastian Grießl 60 Gäste im Pruttinger Dorfstadl begrüßen konnte.
Für März ist klar: „Inklusion ist kein Projekt, das beginnt und irgendwann endet, sondern eine dauerhafte Aufgabe.“ Auch für Landrat Otto Lederer ist die Selbstbestimmung bei der Lebensgestaltung wichtig. Menschen mit Behinderung müssten die notwendigen Hilfen angeboten bekommen, aber selbst entscheiden dürfen, welche sie annehmen wollen.
Daniel Artmann, dessen Engagement „als junger Wilder im Café Grenzenlos begonnen“ hat, hält den persönlichen Kontakt für besonders wichtig. Dieser fördere das Verstehen, so der Landtagsabgeordnete, der die Gäste zu einer stillen Gedenkminute für den verstorbenen Rosenheimer Inklusionspionier Peter Hartwig aufrief.
Begonnen hat die Geschichte der beiden Einrichtungen 1993 mit der von Jakob Brummer initiierten Gründung des Initiativkreises „Wohnungen für Menschen mit Behinderungen“ als Bürgerinitiative, deren erster Vorsitzender Peter Hartwig wurde, so der stellvertretende Vereinsvorsitzende Hans Loy in seinem Rückblick.
Am 10. Mai des Jahres wurde mit einer von der Caritas organisierten „Demonstration gegen die Diskriminierung behinderter Menschen“ die Öffentlichkeit auf die Situation der Betroffenen aufmerksam gemacht.
1995 wurde der Förderverein gegründet, der den Bau einer modellhaften Wohnanlage an der Schießstattstraße unterstützte. Noch im selben Jahr sprachen sich mehr als 3000 Rosenheimer Bürger in einer Unterschriftenaktion für den Bau des Hauses aus.
Unterstützt wurde das Projekt auch von der Kirche und der Lokalpolitik. Im Jahr 2000 konnte schließlich der Grundstein gelegt und im Jahr darauf das Richtfest gefeiert werden. 2002 wurde die Wohnanlage eröffnet.
2010 wurde die „Maria- Bergmann-Stiftung“ mit einem Kapitalgrundstock von 500000 Euro gegründet, die den Betrieb finanziell unterstützt. Das Geld wurde vor allem für die Einrichtung einer Betreuung während der Nacht benötigt.
Das Haus an der Schießstattstraße bietet durch seine barrierefreie Bauweise die idealen Voraussetzungen für die 80 Bewohner. Außerdem informiert die Caritas hier über ihre Angebote, und das „Grenzenlos“ ist nicht nur Treffpunkt der Bewohner, sondern bietet auch den Raum für Feste, Kurse und kulturelle Veranstaltungen.
Anlässlich der Jubiläumsfeier wurden verdiente Mitglieder des Fördervereins und der Stiftungsverwaltung als „Visionäre der Inklusion“ geehrt.