Bad Feilnbach – Bad Feilnbach ist weit über seine Gemeindegrenzen hinaus als Apfeldorf bekannt. Über die traditionsreiche und generationsübergreifende Kultur des Obstanbaus, im Speziellen in Bezug auf den Apfel, vermittelte Michael Litzlfelder im Rahmen der Informationsreihe „Baukultur“ im Bad Feilnbacher Rathaussaal.
Eingeladen hatte der Baukulturbeauftragte der Gemeinde, Thomas Zink, der eingangs einer sehr gut besuchten Veranstaltung, unter ihnen Mitglieder der beiden Obst- und Gartenbauvereine Feilnbach-Wiechs-Litzldorf und Au-Dettendorf, den Zusammenhang von Obstanbau und Baukultur erläuterte. Nach Definition vom Amt für ländliche Entwicklung bereichern Streuobstwiesen aus Sicht der Baukultur die Landschaften in der Region, zu der auch der Obstanbau als bedeutender Schatz in der Gemeinde gehöre.
Bad Feilnbach, so Thomas Zink, werde auch gerne als das „Bayerische Meran“ bezeichnet. Wie Michael Litzlfelder dazu ausführte, begünstigt das gewisse Dreieck mit Auer Berg im Westen und die Luftströmungen aus dem Inntal sowie Nebellage in der Ebene den Obstanbau in der Region. Vor allem schütze der Nebel vor großen Frösten und trage zum Gedeihen von Äpfeln, Birnen und vielen anderen Obstarten bei.
Aus der Historie heraus war der Ort Feilnbach vor allem zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ein riesiger Obstgarten, der von Gundelsberg bis etwa dem heutigen Schwimmbad reichte. Der Bestand an Obstbäumen betrug einst das Fünffache im Gegensatz zu aktuell zwischen 15000 und 20000 Bäumen. Äpfel und Obst allgemein galten dabei als wichtiger Lieferant für süße Produkte und waren ein wichtiges Lebensmittel in der kalten Jahreszeit.
100 Sorten, davon 60 bebildert, sind der ganze Stolz vom „Daveicht-Michi“, der sich seit 36 Jahren mit Herz und Leidenschaft dem Obstanbau widmet. Sein umfangreiches Fachwissen legte ihm sein Vater in die Wiege und auch bei Sohn Michi junior, Vorsitzender vom Obst- und Gartenbauverein Feilnbach-Wiechs-Litzldorf, sind die Obst- und Apfel-Gene deutlich erkennbar. Zwölf schmackhafte ältere und neuere Sorten standen in der engsten Auswahl, ausführlich in Theorie und Praxis vorgestellt zu werden. Die Bilder stammen vom Apfelexperten Michi Litzlfelder sowie Thomas Zink. Die köstlichen Vitaminlieferanten servierte Chefin vom Daveichthof „Martina“.
Leckerbissen in verschiedenen Geschmacksrichtungen von Hochstamm- und Halbstammbäumen waren „Prinz Albrecht von Preußen“, „Berner Rosen“, Rheinischer Winter-Rambour, Topaz, Ida Red, „Bohn-Apfel“, Ontario, Jonagold, Winterglockenapfel, Florina, Gravensteiner, Santana sowie Kaiser-Wilhelm-Apfel. Für den eigenen Hausgarten mit wenig Platz eignen sich „Spindelbäume“, die bereits im zweiten Standjahr schon erste Früchte liefern, jedoch nach 15 Jahren ausgedient haben.
Die Familie Litzlfelder, aber auch die Obstbauern im gesamten Gemeindegebiet, sind absolute Gegner von Spritzmitteln. In Sachen Reife und Zeit zur Ernte solle jeder Obstanbauer bisserl selber schauen. Ebenso brauche der Obstbauer neben erster Ware auch die sogenannte zweite Wahl an Früchten als wertvolle und unverzichtbare Lieferanten von Säften, Most, Edelbränden, Marmeladen, Apfelchips und manch anderem. Die Gesellschaft solle in Sachen Obst wieder schätzen lernen, was die Natur bringt, auch wenn es nicht den Anforderungen von Verbrauchern entspricht, wie Litzlfelder appellierte.