Bruckmühl – Eine facettenreiche, informative Präsentation von 108 Seiten, zwei großflächige Konferenzbildschirme zum Verfolgen des Sitzungsablaufes, einen 134-minütigen Sachvortrag und ein sichtlich gut aufgelegter Bürgermeister: Die zahlreichen Bruckmühler bekamen bei der diesjährigen Bürgerversammlung in der Kulturmühle einiges zu sehen und zu hören.
Die sieben Themenschwerpunkte umfassten: das Rathaus der kurzen Wege, die Haushaltssituation, die Kindertagesstätten und Kindergärten sowie die Ganztagesbetreuung an den Schulen, der soziale und bezahlbare Wohnraum, der Hochwasserschutz und die Unterbringung von Flüchtlingen.
Effizienzsteigerung
im Rathaus
Zum Thema „Rathaus der kurzen Wege“ führte Bürgermeister Richard Richter eingangs aus, dass seit Mai dieses Jahres alle Verwaltungsbereiche wieder unter einem Dach vereint sind. Nach Abschluss der Um- und Ausbaumaßnahmen an den Gebäudeteilen „BWB 15“ und „BWB 17“ konnten die in den Gebäudetrakt „BWB 29“ ausgelagerten Bereiche umziehen und somit der räumliche Zusammenschluss mit dem Teil „BWB 13“ vollzogen werden. „Dies ist nicht nur ein großer Kurze-Wege-Vorteil für die Bürger, sondern dient auch der Effizienzsteigerung der Verwaltungstätigkeit“, zeigte sich der Rathauschef zufrieden.
Gleich zu Beginn seines detaillierten Sachvortrages sprach Rathauschef Richard Richter beim „traurigen Thema Haushaltssituation“ Klartext. Der Haushalt der Marktgemeinde umfasst für das laufende Jahr 65 Millionen Euro. Davon entfallen gerundet 50,1 Millionen Euro auf den Verwaltungshaushalt und 14,9 Millionen Euro auf den Vermögenshaushalt. Nach den derzeitigen Prognosen der Kämmerei wird sich die Verschuldung von 23,6 Millionen Euro zum Ende dieses Jahres erfreulicherweise auf 20,6 Millionen Euro reduzieren. Trotz einer durchaus guten Einnahmensituation bereitet aber vor allem die Ausgabensituation den Verantwortlichen der Marktgemeinde großes Kopfzerbrechen.
„Dies basiert aber nicht auf unserem Missmanagement, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass Bund und Länder immer mehr Maßnahmen auf die Kommunen delegieren, ohne die dafür erforderlichen Finanzmittel bereitzustellen. Die Folge: Wir müssen auf unsere Rücklagen zurückgreifen oder durch Grundstückverkäufe Einnahmen generieren“, machte Richter sichtlich angefasst deutlich. Im Hinblick auf die kommenden Jahre und die bevorstehenden Aufgaben wird dieses alarmierende Szenario nach seiner Bewertung zu einer Herkulesaufgabe für alle Städte und Gemeinden.
„Unsere Kinder sind
uns jeden Euro wert“
Mit 644 Kindergarten-, 132 Krippen- und 115 Mischgruppenplätzen zeigt sich der Markt Bruckmühl gut und modern aufgestellt. Lediglich 19 Kinder stehen derzeit auf der Warteliste. Richard Richter zeigte sich jedoch optimistisch, dass auch diese Kinder mittelfristig einen Platz bekommen können.
In diesem Zusammenhang führte er den 13 Millionen Euro teuren Neubau einer achtgruppigen Kita auf der Rösnerwiese (Träger ist die Awo) mit 174 Plätzen als erfolgreiches Leuchtturmprojekt an. Zudem haben vor Kurzem umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an der „Kindervilla Kunterbunt“ mit einem Finanzvolumen von circa 1,1 Millionen Euro begonnen. Dabei betonte das Gemeindeoberhaupt: „Unsere Kinder sind uns jeden eingesetzten Euro wert.“
Auf der Ausgabenseite schlägt auch schmerzlich der „von oben verordnete“ Rechtsanspruch für eine Ganztagesbetreuung samt Mittagsverpflegung von Schulkindern der ersten Klassen ab 2026 zu Buche. Für entsprechende Baumaßnahmen an der Heufelder Schule sind rund drei Millionen Euro und an der Grundschule Bruckmühl 2,5 Millionen Euro angesetzt.
Einen besonderen Fokus legt der Markt Bruckmühl auch auf das Thema sozialer und bezahlbarer Wohnraum. So konnte im Februar dieses Jahres in Heufeld eine soziale Wohnanlage mit 18 Einheiten der Nutzung übergeben werden.
Aktuell laufen dazu Baumaßnahmen für 27 bezahlbare Wohnungen im Ortsteil Hinrichssegen am Rübezahlweg. Mit insgesamt 70 gemeindlichen Wohnungen zeigt sich Bruckmühl gut aufgestellt.
Ein weiterer Schwerpunkt war und ist der Hochwasserschutz. Dazu geht die Gemeinde laut dem Rathauschef im engen Schulterschluss mit dem Gemeinderat den eingeschlagenen Weg der Schutzmaßnahmen für den südlichen Gemeindebereich mit dem Konzept eines Sturzflutrisikomanagements samt Machbarkeitsstudie und weitreichenden Maßnahmen für die südlichen Gemeindeteile konsequent weiter.
Das prognostizierte Finanzvolumen beläuft sich auf 6,59 Millionen Euro ohne Grunderwerb. Für den Bürgermeister war klar: „Der Schutz von Leib, Leben und Eigentum hat oberste Priorität, dieser kann aber nicht nur in Händen der Gemeinde liegen, hier sind auch die Grundstücks- und Hauseigentümer in der Eigenverantwortung.“
Zwei weitere Unterkünfte für Flüchtlinge
Weiter griff Rathauschef Richard Richter das in der Region kontrovers und teils emotional diskutierte Thema Flüchtlingsunterbringung auf. So hat die Marktgemeinde dem Landkreis Rosenheim in diesem Jahr weitere Grundstücksflächen an der Wernher-von-Braun-Straße zur Erstellung von zwei zusätzlichen Unterkunftsgebäuden in Ergänzung zu den bereits bestehenden Flüchtlingsunterkünften zur Verfügung gestellt.
Die neue Ankommenseinrichtung ist für 200 Personen konzipiert. Die optische Gestaltung des viergeschossigen Baukörpers hat dabei zu kontrovers geführten Diskussionen geführt. „Wir waren hier aber als Gemeinde außen vor, auch wurden die Kosten zu 100 Prozent vom Investor übernommen“, machte der Rathauschef deutlich.
Der erfreulichste Aspekt in dieser ganzen Thematik: Die Sporthalle des Gymnasiums steht wieder den Schülern und Sportlern zur Verfügung.