Orgelvirtuose und Jongleur zugleich

von Redaktion

Wie sich die Arbeit von Kirchenmusiker Konrad Liebscher in den vergangenen 25 Jahren verändert hat

Bad Aibling – Vor allem wegen des damit verbundenen Facettenreichtums nennt Diplom-Kirchenmusiker Konrad Liebscher seinen Beruf „die schönste Tätigkeit der Welt“. Schon als der 48-jährige Bad Aiblinger noch im Bankwesen tätig war, war die Musik seine große Leidenschaft. Dass er mittlerweile seit 25 Jahren hauptamtlich im Kirchendienst tätig ist, daran haben der Gesangverein Ellmosen und der ehemalige Bad Aiblinger Stadtpfarrer Hans Holzner großen Anteil.

Der heute 91-jährige Geistliche, der mehrere Instrumente spielt und sich stets für gute Musik begeistern konnte, wurde auf Liebscher aufmerksam, kurz nachdem dieser im Juli 1999 die Chorleitung des Vereins übernommen hatte. Sie liegt noch heute in seinen Händen.

Arbeitsvertrag kommt
kurz vor der Aufführung

Noch während seines Studiums am Richard-Strauss-Konservatorium in München, das Liebscher 1998 begann und 2002 beendete, war es so weit. Holzner engagierte ihn zum 1. Dezember 2000 als hauptamtlichen Organisten in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt – zunächst in Teilzeit. Kirchenmusikalische Erfahrung brachte der damals 23-Jährige mit, weil er bereits in sehr jungen Jahren seit November 1992 als nebenamtlicher Organist in den katholischen Kirchen in Großkarolinenfeld und Tattenhausen fungierte.

„Als ich im September 2000 mein Abschiedskonzert in Tattenhausen gegeben habe, war Holzner vor Ort und legte mir kurz vor Beginn der Aufführung meinen neuen Arbeitsvertrag zur Unterschrift vor“, erinnert sich Liebscher heute noch genau an diesen Moment. Ein Wendepunkt in seinem Leben.

Nach dem Besuch der Grundschule in Großkarolinenfeld und dem erfolgreichen Realschulabschluss in Bad Aibling machte er zunächst eine Banklehre und übte den Beruf nach dem Wehrdienst auch aus.

Mit Blick auf die bevorstehende Gründung des Stadtkirchenverbundes Bad Aibling im Jahr 2012 wurde Liebschers Tätigkeit im Jahr 2009 nach vorangegangenen Erhöhungen seines Stundenkontingents in eine Ganztagsstelle umgewandelt. „Kaplan Baltharaju Banda und ich waren die ersten offiziellen Mitarbeiter der Stadtkirche“, sagt er rückblickend. Seither ist er auch für die Pfarrkirche Sankt Georg zuständig, seit 2012 für das gesamte Gebiet des Pfarrverbandes.

In den 25 Jahren seiner Tätigkeit hat der Kirchenmusiker bei Tausenden von Gottesdiensten, Trauungen, Requien oder Taufen auf der Orgel gespielt und oft auch den Kirchenchor dirigiert. „Und noch viel öfter das Amen im Gebet gesungen oder gesprochen“, sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Viele freudige Anlässe und Augenblicke, in denen er mit tiefer Trauer und Leid konfrontiert wurde, gehören seither zu seinem beruflichen Lebensweg dazu. Und natürlich Veränderungen.

„Heute muss ich nicht mehr so viele Aushilfsorganisten wie früher organisieren, dafür bin ich viel mehr unterwegs“, bezeichnet Liebscher die Neuordnung der Gottesdienstordnung in der Stadtkirche als ein Beispiel, das auch für ihn erhebliche Auswirkungen hat. Sie war erforderlich geworden, weil Pater Athanasius den Pfarrverband zum 1. Dezember vergangenen Jahres verlassen hat und seine Stelle aufgrund des Priestermangels nicht nachbesetzt wurde. Pfarrer Philipp Kielbassa kann bei der Bewältigung der priesterlichen Aufgaben seither nur noch in einem zeitlich begrenzten Maß auf die Unterstützung von Kaplan Banda bauen, weil der auch in einem anderen Pfarrverband gebraucht wird.

„Jetzt finden eher seltener Gottesdienste parallel statt, aber häufiger als früher unmittelbar hintereinander. Das bringt auch Zeitdruck mit sich“, sagt Liebscher. Dennoch setzt der vierfache Familienvater auf das Rad als Fortbewegungsmittel, wenn er in einem kleinen Zeitfenster an zwei verschiedenen Orten bei Gottesdiensten gefordert ist. „Im Stadtgebiet bin ich so schneller als mit dem Auto“, ist er überzeugt.

Das Orgelspiel ist freilich nur ein Teil seines breitgefächerten Aufgabenspektrums. Er leitet auch die Chorgemeinschaft Bad Aibling, die sich aus gut zwei Dutzend Aktiven zusammensetzt und im Verlauf des Jahres überwiegend Festgottesdienste in der Georgskirche oder in Mariä Himmelfahrt musikalisch bereichert. Einmal pro Woche probt Liebscher mit den Chormitgliedern. Ebenfalls einmal wöchentlich übt er mit zwei Kinderchören, deren Betreuung ihm obliegt. Seit 2004 erteilt er darüber hinaus Orgelunterricht. Gut 20 Nachwuchsorganisten hat er bisher ausgebildet, die die sogenannte D- und C-Prüfung bestanden haben. Dieser Abschluss ist die Voraussetzung dafür, um nebenberuflich Orgel spielen zu dürfen.

„Ich vermittle den Schülern, wann man was im Kirchenjahr spielt, und führe sie ein Stück weit in die Kunst der Improvisation ein“, beschreibt er den Teil der Ausbildung, der zum Erlernen des Orgelspiels dazugehört und unter anderem auch Musiktheorie, Literatur, Kanongesang und „ein bisserl Chorleitung“ umfasst. Die konzertante Tätigkeit ist dem Kirchenmusiker seit jeher ein wichtiges Anliegen. Etwa zwei- bis dreimal im Jahr lädt er zu Konzerten ein, deren Erlös er stets für kirchliche Zwecke zur Verfügung stellt. „Wir haben beispielsweise Geld für die neue Orgel in Ellmosen oder die Renovierung der Himmelfahrts- und der Sebastianikirche gespendet“, berichtet er.

„Bei allem Stress, ich würde diesen Beruf sofort wieder ergreifen“, sagt Liebscher, ohne zu zögern. Wenn am Ende einer gelungenen musikalischen Gestaltung eines Festgottesdienstes die Kirchenbesucher Chor und Orchester Beifall spenden, dann ist das auch für ihn Balsam für die Seele. Anerkennende Worte für gute Kirchenmusik vernimmt er dagegen eher selten.

„Schön gesungen
ist doppelt gebetet“

„Nicht geschimpft ist genügend gelobt. Diese bayerische Lebensweisheit hat da offenbar große Bedeutung“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Über ein dickes Lob von Stadtpfarrer Philipp Kielbassa darf er sich anlässlich seines Dienstjubiläums aber auf jeden Fall freuen. „Die Kirchenmusik ist ein ganz wichtiges Element der Gottesdienstgestaltung und sicher kein Beiwerk. Schön gesungen ist doppelt gebetet“, sagt der Pfarrer.

„Unsere Stadtkirche kann sich glücklich schätzen, Konrad Liebscher zu haben“, bringt er die gute Zusammenarbeit auf einen Nenner. Kielbassa schätzt neben seiner Fachkenntnis an ihm auch, dass er bei den organisatorischen Planungen, die sein Amt mit sich bringt, stets bemüht ist, möglichst viele Wünsche und Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. „Ich bin ihm dankbar, dass er sich als guter Jongleur erweist.“

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