Ein in Bildern erzähltes Jahrhundert

von Redaktion

Kunstverein feiert sein 75-jähriges Bestehen – Debattenkultur ist Teil der Erfolgsgeschichte

Bad Aibling – Der Kunstverein feiert sein 75-jähriges Bestehen, und er begeht sein Jubiläum mit einer Reihe von Veranstaltungen, zum Beispiel auch mit einem Fest, das kürzlich stattfand und zu dem Landrat Otto Lederer die Laudatio hielt. In der aktuellen Ausstellung finden die Feierlichkeiten ihr Ende. Es werden Bilder aus der Geschichte des Kunstvereins gezeigt, die ein Panorama von Gemälden und Grafiken der vergangenen 100 Jahre bilden.

Die Vorsitzende des Vereins, Martina Thalmayr, begrüßte die Besucher, unter anderem Bürgermeister Stephan Schlier, Altbürgermeister Felix Schwaller, Stadträtin Elisabeth Geßner und den Vorsitzenden des Kulturforums Rosenheim, Reinhart Knirsch.

Start mit großem
Echo nach dem Krieg

Martina Thalmayr und Christine Schönmetzler, Kuratorin der Ausstellung, führten im Wechsel in die Geschichte des Kunstvereins ein. Im Jahre 1950 (Deutschland befand sich im Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg) ging es den Künstlern noch nicht gut. Die Menschen mussten Dinge anschaffen, die zum Überleben dringend notwendig waren. So war die Chance gering, dass Geld für Kunst ausgegeben wurde.

Der Maler Sepp Hilz hatte die Idee, einen Kunstverein zu gründen: Kunstinteressierte Personen sollten sich zu einem Verein zusammenschließen. Von deren Beiträgen könnten Bilder von Künstlern zu beiderseitigem Nutzen angekauft werden – zur Erbauung für die einen, als Lebensgrundlage für die anderen. Das Echo auf diese Bekanntmachung war überraschend groß: 60 Gründungsmitglieder fanden sich am 26. Oktober 1950 zur Gründung des Vereins zusammen, darunter prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Auch waren viele bereit, ein Amt in dem neu gegründeten Verein zu übernehmen.

Der ehemalige Oberamtsrichter Edmund Martin Müller wurde zum Vorsitzenden gewählt, Zweiter Vorsitzender wurde Bezirksoberlehrer Wolfgang Koller. Fest verankert in der Satzung war, dass alle künstlerischen Kreise auf völlig unpolitischer Grundlage zusammengeschlossen werden.

Hervorragende Künstler gab es zahlreich in Bad Aibling und Region: Sepp Hilz, Leo von Welden, Hans Müller-Schnuttenbach, Hermann Urban, Willi Kreutzer und Walter Geffken, um nur einige zu nennen. Auch befinden sich im Besitz des Kunstvereins besondere Werke wie die von Leo Putz, Ernst Liebermann und Brynolf Wennerberg. Alle genannten Künstler waren entweder in Bad Aibling beheimatet oder haben sich für einige Zeit dort aufgehalten. Und obwohl es immer wieder zu Streitigkeiten über die verschiedenen Kunstrichtungen – traditionell oder modern – kam, blieb die Existenz des Kunstvereins immer erhalten.

Legendär waren zum Beispiel gleich in den Anfangsjahren die Auseinandersetzungen zwischen Sepp Hilz und Leo von Welden, Hilz sehr konservativ in seiner Malweise, Leo von Welden progressiv. Seine bäuerlichen Gestalten waren knollennasig und eher derb im Ausdruck. Ab Ende der 1960er-Jahre kam die junge Generation zu Wort, man wählte Max Regensburger und Peter Vitzthum in den Vorstand. Künstler wie Peter Tomschiczek, Andreas Legath, Reinhold Pichler und Rolf Märkl prägten das Ausstellungsgeschehen.

Auch sie sind in der Ausstellung (da im Besitz des Kunstvereins) vertreten, zumeist mit Radierungen. 1992 trat die erste weibliche Vorsitzende ihren Posten an: Heidemarie Hauser. Ihr folgte Christine Schönmetzler, die nach einigen Jahren von Benno Kretschmann abgelöst wurde. Schließlich ging das Amt per Wahl auf Martina Thalmayr über.

Lange Zeit war der Kunstverein ohne Raum, aber immer gab es provisorische Unterbringungen für Präsentationen, zum Beispiel der Urscher Hühnerstall, die Landwirtschaftsschule, das Chorherrenstift Beyharting und der Maxlrainer Hof. Seit 1991 erhielt der Kunstverein den ersten eigenen Ausstellungsraum in der Meggendorfer Straße, aus dem eindrucksvolle Ausstellungen wie die von WTH Regensburger oder Erika Maria Lankes in Erinnerung geblieben sind.

Neue Heimat im
Feuerwehrgerätehaus

Seit 2003 ist der KV im Alten Feuerwehrgerätehaus beheimatet, das mit viel Eigenleistung von Mitgliedern des Kunstvereins für seine neue Bestimmung umgemünzt wurde. Ein reger Ausstellungsbetrieb mit etwa neun Ausstellungen im Jahr und Zusatzveranstaltungen beleben das Gebäude.

Es hat manche Krise gegeben in den vergangenen 75 Jahren, aber immer war der Wille da, den Verein am Leben zu erhalten – für die Kunst und ihre Künstler. Das ist immer wieder versöhnlich gelungen. Auszeichnungen durch den Landkreis Rosenheim bestätigten, dass der Verein den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Informationen zum Kunstverein

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