Biberger Leonhardiritt: Tradition lebt
Die Familie Heller führte mit der Standarte den langen Zug an.Fotos stache
Pferde, Segen und ein Heiliger aus Limoges – Nahezu das gesamte Dorf auf den Beinen
Biberg – Bei wunderbarem Sonnenschein fand am vergangenen Donnerstag der traditionelle Biberger Leonhardiritt statt. Zu Ehren des heiligen Leonhard, des Schutzpatrons der Tiere und insbesondere der Pferde, zogen zahlreiche Reiterinnen und Reiter mit festlich geschmückten Pferden und Wagen durch den Ort.
Höhepunkt des Brauchtums war die feierliche Segnung der Tiere, die von vielen Gläubigen und Zuschauern begleitet wurde. Nahezu das ganze Dorf war auf den Beinen, um die jahrhundertealte Tradition zu pflegen und den Reitern Beifall zu spenden. Das Fest wird in Biberg bis heute immer am Namenstag des heiligen Leonhard begangen.
Reitpferde sind
in der Überzahl
Stark gewandelt hat sich seither aber der Umritt. Waren es früher lauter Bauernpferde, welche oft vierspännig die Festwägen zogen, sind heute die Reitpferde in der Überzahl. Gab es bis 1966, als der Umritt wegen Pferdemangel eingestellt werden musste, nach dem Umritt eine fröhliche Einkehr in den beiden Wirtshäusern, so steht jetzt nur noch die Biberger-Alm (heuer geschlossen) zur Verfügung. Bei der „Schmiede“ sorgten aber die Biberger Frauen dennoch für entsprechende Verpflegung der Besucher.
Begonnen hatte der „Feiertag“ mit dem Patrozinium für alle Verstorbenen der Ortschaft, das Pfarrer Richard Basta und Diakon Josef Hilger würdevoll zelebrierten. Als Ehrengäste waren auch Landrat Otto Lederer, Bürgermeister Georg Weigl und Ehrenbürger Hans Thiel mit dabei.
„Heute feiern wir gemeinsam das Patrozinium dieses berühmten Heiligen“, erinnerte Basta an den Heiligen aus Limoges. Er freue sich, dass die Tradition hier hochgehalten wird und das ganze Dorf feiert. Die Menschen, die hierherkommen, haben ein tiefes Gespür, dass Beistand nötig ist, erklärte Hilger in seiner nachdenklichen Predigt. Er schilderte die Lebensgeschichte des Heiligen Leonhard, der als Adliger auf die Welt kam und später als Eremit im Wald lebte.
„Leonhard hatte ein Herz für Gefangene“, betonte Hilger. Besondere Verehrung wurde ihm ab dem elften Jahrhundert in Altbayern zuteil, wo er als Nothelfer angesehen wird, vor allem aber als Schutzpatron für das Vieh, insbesondere für die Pferde. In seiner Ansprache verwies der Geistliche auf die historischen Wurzeln des Biberger Leonhardiritts.
Er erinnerte an die Votivbilder in der Kirche. „Erste Hinweise auf die Fahrten in Biberg sind eine Votivtafel, die aus dem Jahre 1748 stammt, sowie Bilder vom Leben des heiligen Leonhard an der Emporenbrüstung der Kirche“, erklärte er. „Leonhard hilft uns, auch in unserer modernen Zeit“, betonte Hilger am Ende seiner Predigt.
Besondere Reliquie
und Rauchfass
Vor der Kirche warteten schon Hunderte von Menschen auf den Umzug. Den meisten sah man den Stolz über den Erhalt der alten Tradition ins Gesicht geschrieben. Mit der Standarte führte wiederum die Familie Heller den Zug an.
Neben der Kirche segneten die Geistlichen mit Weihwasser sowie Rauchfass und einer Leonhards-Reliquie die vorbeifahrenden Umzügler in ihren farbenprächtigen und stilvoll geschmückten Gespannen. Immer wieder brandete Beifall von den Zuschauern auf, ob des schönen Pferdeschmucks und der stolzen Pferde. Nach dem dreimaligen Umritt traf man sich entlang der Burgstraße und beim Schmied zu Würstl und Bier. Angesichts der kalten Temperaturen waren auch Punsch und Glühwein angesagt.
Pfarrer Basta und Diakon Hilger segnen Pferde und Teilnehmer.
Großen Applaus gab es auch für die „Kleinen“: Das Ponygespann durfte auch heuer nicht fehlen.