Auch die Wollkönigin kommt zu Besuch

Opa Mathias Höfer vor seiner selbst konstruierten Kardiermaschine aus dem Jahre 1947. Fotos strim

Opa Mathias Höfer vor seiner selbst konstruierten Kardiermaschine aus dem Jahre 1947. Fotos strim

Seit 1947 besteht in Litzldorf der einzigartige Familienbetrieb Höfer – Tag der offenen Tür ab Freitag

von peter strim

Firmenleiter in der dritten Generation: Matthias und Simone Höfer vor der „Wolldatsch“.

Litzldorf – Die Schafwollspinnerei Höfer in Litzldorf ist ein einzigartiger Familienbetrieb. Seit 1947 fertigt sie edle Produkte rund um die gesunde Sache „Schafwolle“. Mit Strickgarnen und Strickwaren, Teppichen und Bettwaren, Filz, Bastelwolle und Düngepellets reicht ihr Bekanntheitsgrad weit über Bad Feilnbachs Gemeindegrenzen hinaus.

Über die Schulter schauen lassen sich die Höfers und ihre 30 Mitarbeiter von Freitag, 14., bis Sonntag, 16. November, beim „Tag der offenen Tür“. Geöffnet sind Ladengeschäft mit Sonderverkauf und Produktionsstätte jeweils von 9 bis 18 Uhr. Als Ehrengast stattet die Bayerische Wollkönigin Janine Staudacher aus Achenmühle (Rohrdorf) am Samstag, 15. November, den Höfers einen Besuch ab.

Maschine der
Marke Eigenbau

Die bewegte Geschichte des traditionsreichen Familienbetriebs am Fuße des Sulzbergs beginnt mit Mathias Höfer, geboren und aufgewachsen am Unterulpointhof, wie die OVB-Heimatzeitungen in einem Gespräch mit Matthias Höfer (ein „t“ mehr im Vornamen), Inhaber des Unternehmens in der dritten Generation, in Erfahrung brachten. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete dessen Opa bei „Krauss-Maffei“ in München im dortigen Lokomotivenwerk als Maschinenbauer und hatte das große Glück, nicht an die Front zu müssen. Er lernte 1945 Maria Fischbacher kennen. Beide suchten, damals vor dem Nichts stehend, nach Möglichkeiten, über die Runden zu kommen. Die Beiden entschlossen sich für eine Wollkämmerei. Bahnbrechende Idee war eine Kardiermaschine, eine sogenannte „Wolldatsch“, mit der lose Wollfasern geöffnet, entwirrt und parallelisiert fürs nachfolgende Spinnen, Filzen oder Weben vorbereitet werden konnten. Ein Erwerb derartiger Maschinen war in jenen Tagen unmöglich. Handwerkliches Geschick und technische Erfahrungen aus der Lokomotivenfabrik veranlassten den jungen Hias, eine derartige Maschine selbst zu bauen. Als Werkstatt diente, verbunden mit manchen Schwierigkeiten, die Tenne auf dem Ulpointhof. Viele notwendige Teile stammten aus alten Militärfahrzeugen. Nach zwei Jahren Werkeln, Schrauben, Feilen und anderen Handgriffen nahm am 1. Juli 1947 die erste „Wolldatsch“ in der damaligen Zeltenschmiede zu Litzldorf ihren Betrieb auf, mit der Maria Fischbacher Schafwolle von heimischen Bauern verarbeitete. In den folgenden Jahren kamen Textilmaschinen hinzu. Die Handwerkstechnik aus den 1940er- bis 50er-Jahren leistet bis heute zuverlässig ihre Dienste. Wartung und Reparaturen führen die Höfers sowie Mitarbeiter selbst durch. Das einzige Problem: Es gibt keine Ersatzteile auf dem Markt und manches muss in Handarbeit hergestellt werden. Im Januar 1949 feierten die Firmengründer Maria und Hias Hochzeit und dachten an einen Neubau einer Produktionsstätte am östlichen Ortsrand von Litzldorf als Ersatz für die mittlerweile zu klein gewordene Zeltenschmiede.

1950 begann dann zunächst im kleinen Stil die Herstellung von handgesponnenen und handgestrickten Wollprodukten, die in einem damals kleinen Laden zum Verkauf angeboten wurden und großes Interesse fanden.

100 Tonnen Rohwolle
von 35000 Tieren

Im Laufe der Jahre erweiterten sich das Sortiment sowie auch das Ladengeschäft und die Produktionsstätten. Wie Matthias Höfer (43), der zusammen mit Ehefrau Simone (39) seit einigen Jahren das Unternehmen „Schafwollspinnerei Höfer“ leitet, sagt, seien die Generationen von Kindesbeinen an laufend in das Thema „Rund um die Schafwolle“ von der Verarbeitung bis zu den verfügbaren Produkten hineingewachsen. Vor ihm leiteten Vater Hans und Mama Martina das Unternehmen. Verarbeitet werden über 100 Tonnen Rohwolle, die 130 Schäfer von ihren gut 35000 Schafen jährlich anliefern. Das Grundmaterial mit Anspruch auf Nachhaltigkeit stammt aus der Region und dem südbayerischen Raum. Die Zukunft auf dem Gebiet Schafwollverarbeitung sei allerdings zum schwierigen Unterfangen geworden, wie Höfer betont. Zum Erlernen auf dem Gebiet Textilveredelung von Schafwolle gebe es keine Ausbildungsbetriebe oder eine Berufsschule mehr.

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Montag, 13. Juli 2026
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