Ostermünchens Mr. Tennis und seine Renate

65 Jahre sind Heinz und Renate Spielvogel bereits zusammen. Bürgermeister Georg Weigl (rechts) gratulierte mit einer Orchidee. Foto stache

65 Jahre sind Heinz und Renate Spielvogel bereits zusammen. Bürgermeister Georg Weigl (rechts) gratulierte mit einer Orchidee. Foto stache

Eiserne Hochzeit bei Familie Spielvogel – Zwei Vertriebene finden eine neue Heimat

Tuntenhausen – „Ihr könnt stolz sein, schon 65 Jahre verheiratet zu sein.“ Das waren die Begrüßungsworte von Bürgermeister Georg Weigl, als er zum Ehrentag Heinz und Renate Spielvogel in der Wendelsteinstraße in Ostermünchen aufsuchte und die Glückwünsche der Gemeinde überbrachte. Es ist fürwahr ein seltenes Jubiläum – auch in der Gemeinde Tuntenhausen. Die eiserne Hochzeit symbolisiert Stärke, Widerstandsfähigkeit und Beständigkeit einer Ehe, die allen Herausforderungen standgehalten hat.

Auch bei den Spielvogels – denn bis sie ihr Domizil in Ostermünchen gefunden hatten, war es ein weiter und beschwerlicher Weg. Angefangen hatte eigentlich alles sehr weit weg von Ostermünchen. Heinz Spielvogel (geboren im Oktober 1939) stammt aus dem Sudentenland, wurde in jungen Jahren vertrieben und landete über verschiedene Stationen in Oberrain.

Ähnlich erging es seiner Frau Renate (geboren am zweiten Weihnachtsfeiertag 1941). Sie stammt aus Ostpreußen. „Als die Russen einmarschierten, mussten wir Hals über Kopf weg“, schildert sie die damalige Lage. Es war ein langer Weg, bis sie schließlich nach Oberrain kam. Bürgermeister Weigl zeigte sich beeindruckt: „Das müsst ihr der Jugend von heute weitergeben.“

Kennengelernt haben sich die beiden beim Tanzen. „Im alten Pfarrhof in Ostermünchen“, heute die Siedlung am Pfarrweg, erinnert sich Renate Spielvogel lächelnd. Im November 1960 gaben sich die beiden das Jawort und begannen wenig später in Aßling mit dem Bau ihres Eigenheims, das sie 1965 bezogen.

Knapp 20 Jahre später, im Jahr 1984, zogen sie dann in ihr Heim an der Wendelsteinstraße. Neben dem Hausbau hatte Heinz Spielvogel noch ein weiteres Hobby: den Sport. Als junger Mann ging er im Winter mit Skischuhen und Ski den Wendelstein hoch. „Bis zum Bauchnabel stand ich im Schnee“, erinnert er sich. Dann nutzte er die Gleise der Wendelsteinbahn – die waren geräumt. Das brachte ihm allerdings den Zorn der Bahnbediensteten ein.

Beim SV Ostermünchen (SVO) war er auch ein fester Bestandteil der Fußballmannschaften. Schon mit 14 Jahren spielte er in der Jugend – später in der ersten und zweiten Mannschaft, Heinz Spielvogel verteidigte den Strafraum stets mit viel Engagement. Beim SVO war er 1976 auch Mitbegründer der Sparte Tennis und nach Rudi Drexler und Fritz Wörndle 16 Jahre lang Spartenleiter – aber auch Trainer, Jugendsportwart, Platzwart und Oberschiedsrichter. Er war beim Bau des Tennisheims dabei und Antriebsfeder des Mid-Court-Tennisplatzes. Sein Ruf, „Mr. Tennis“ zu sein, trifft voll ins Schwarze. Für seine Verdienste um den SVO wurde er 2013 zum Ehrenmitglied des Sportvereins ernannt.

Mittlerweile verlegt Heinz Spielvogel mit seiner Frau den Fokus mehr in die benachbarten Wälder: Bäume fällen, zerschneiden und zu Brennholz verarbeiten. Nicht umsonst türmt sich vor dem Haus eine Unmenge an Brennholz. „Aber er sollte nicht mehr alleine in den Wald hinausgehen“, warnt seine besorgte Ehefrau.

Aus der langen und glücklichen Ehe ging Tochter Susanne hervor. Mit ihren beiden Kindern – einem Buben und einem Mädchen – bereichert sie das Leben ihrer Eltern, die ihren Alltag auch heute noch mit Freude und Tatendrang gestalten. ws

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Montag, 13. Juli 2026
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