Bad Aibling – Eine ganz besondere Ausstellung mit dem Titel „Intuitives Malen“ wurde kürzlich im Lesecafé im Rathaus Bad Aibling eröffnet. Dabei werden Bilder gezeigt von jugendlichen Patienten und Geschwisterkindern des ambulanten Kinderhospizes in Rosenheim (Zentrum Südostoberbayern/Stiftung AKM).
Zu Papier
gebrachte Emotionen
Die Bilder entstanden im Rahmen der Malgruppe „Intuitives Malen“, ein Teilhabeangebot für Jugendliche mit einem schwerst kranken oder verstorbenen Geschwisterkind oder Elternteil. „In der Malgruppe können die Jugendlichen Bauch und Herz malen lassen, frei von jeglichem Erwartungsdruck und Bewertungen, ganz intuitiv. Was zählt, ist die Zeit des Machens und Experimentierens, die eine heilende Wirkung haben kann“, erklären die Organisatoren. „Hier ist Raum für Gefühle und Gedanken und eine Auszeit vom oft schwierigen Alltag. Malen bedeutet, anders zu sehen, anders wahrzunehmen und den Blickwinkel zu verändern.“
Die seit zwei Jahren bestehende Gruppe leitet René Menjivar-Köhler, Hobby-Maler mit dem Zertifikat „Künstlerische Gestaltung“ und ehrenamtlicher Trauer- und Hospizbegleiter in der Stiftung AKM, sowie eine Kinderhospizfachkraft aus dem Zentrum Südostoberbayern.
Bei der Vernissage erklärte Bürgermeister Stephan Schlier: „Das ist mein erster Bezugspunkt zu diesem Thema, das Projekt ‚Intuitives Malen‘ habe ich vorher nicht gekannt. Man möchte sich nicht ausmalen, dass Geschwisterkinder sterben. Und ich kann mir gut vorstellen, dass man mit dem Malen die Emotionen ableiten kann. Dass solche Werke entstehen, ist in dieser Situation beeindruckend. Das sind nicht Bilder, sondern Empfindungen der Kinder, die sie gemalt haben.“
Die Leiterin der AKM-Außenstelle Rosenheim, Michaela Jenne-Eiser, betonte: „Diese Kinder sind in einer schwierigen Situation und es ist wichtig, dass sie Raum haben, ihre Emotionen durch das Malen auszudrücken. In solchen Fällen fehlt auch oftmals das Teilhabeangebot in der Freizeit, wie es gesunde Kinder haben.“
Gemalt wird in einer offenen Gruppe alle zwei Monate jeweils zwei Stunden in den Räumen des Hospizes. In den Malstunden gibt es keine Themenvorgaben – ausschließlich „freies Malen“ ist angesagt. Die Materialien werden vom Hospiz mit Unterstützung durch das Stadt- und Kreisjugendamt zur Verfügung gestellt.
Bilder sind noch bis
Ende November zu sehen
Die Ausstellung „Intuitives Malen“ umfasst 24 Exponate von 14 jungen Künstlern zwischen zehn und 22 Jahren. Das ambulante Kinderhospiz in Rosenheim betreut mit 15 hauptamtlichen Kräften und einigen Teilzeitkräften sowie 45 ehrenamtlichen Familienbegleitern aktuell rund 100 Familien. Die Einrichtung und die Teilhabeangebote sind zu großen Teilen spendenfinanziert. Die Ausstellung „Intuitives Malen“ ist noch bis Ende November im Lesecafé zu sehen. bjn