Lindenkino-Nostalgie ohne „Frittenbude“

Der ehemalige Anblick des Lindenkinos und des Bettenfachgeschäftes in der Bad Aiblinger Lindenstraße (rechtes Bild) ist längst einer großen Baustelle gewichen. Fotos Bettinger

Der ehemalige Anblick des Lindenkinos und des Bettenfachgeschäftes in der Bad Aiblinger Lindenstraße (rechtes Bild) ist längst einer großen Baustelle gewichen. Fotos Bettinger

Das neue Wohnbauprojekt auf dem Areal des legendären Lindenkinos in Bad Aibling nimmt bald Formen an. Nun äußert sich der neue Investor zu seinen Vorstellungen. Warum er kein Unbekannter in der Region ist und was sein Einstieg für die ursprünglichen Pläne bedeutet.

von Nicolas Bettinger

Bad Aibling – Seit Ende vergangener Woche ist die Lindenstraße in Bad Aibling wieder frei – und eines kann Heinz Nießen in diesem Zusammenhang schon versprechen: „Eine solch größere Sperrung wird es erst mal nicht mehr geben.“ Der Geschäftsführer der Linden8 GmbH hat erst vor einigen Wochen das Ruder für ein größeres Wohnbauprojekt im Zentrum der Kurstadt übernommen.

Wie berichtet, hatten die Besitzer des ehemaligen Lindenkinos sowie des angrenzenden Gebäudekomplexes, in dem sich auch das geschichtsträchtige Bettenfachgeschäft Impulse-Haus befunden hatte, ihr Bauvorhaben, für das die historischen Mauern im vergangenen Jahr abgerissen wurden, erst im September an einen Investor verkauft.

Investor stößt
zufällig auf das Projekt

Jener ist Heinz Nießen, der als Gründer des Bausoftware-Herstellers ORCA aus Neubeuern kein Unbekannter in der Region ist. Nach Jahrzehnten gab der 66-Jährige das Unternehmen kürzlich ab und will sich nun einer neuen Aufgabe widmen. Über persönliche Verbindungen zur Aiblinger Franz Landprecht GmbH, die die Baubetreuung für das Projekt in der Lindenstraße innehat, stieß Nießen eher zufällig auf das Vorhaben, das ihn sofort begeisterte. „Es geht darum, Wohnraum in Bad Aibling zu schaffen – und das halte ich für sehr vernünftig“, sagt er gegenüber dem OVB. Doch ist durch die Übernahme eines neuen Investors jetzt damit zu rechnen, dass die ursprünglichen Pläne allesamt noch einmal umgekrempelt werden?

„Überhaupt nicht“, betont Nießen, der an den Plänen, vor allem an dem „sehr nachhaltigen Konzept“, möglichst gar nichts ändern möchte. Er habe mit seinem Kauf mehr oder weniger nur dafür gesorgt, dass das ausgeschriebene und „fix und fertig“ vorbereitete Vorhaben nun richtig starten könne. Nießen lobt ausdrücklich die Vorarbeit und die Visionen der Vorbesitzer des Areals, die in Person von Marianne Krug-Semsch, Gertrud Krug und Robert Siersch mit dem Wohngebäude ursprünglich „Platz für Neues“ schaffen wollten. Dieses Vorhaben will Nießen nun weiterführen. Die jüngste Sperrung der Lindenstraße hat man unter anderem zur Kranmontage genutzt, nun sind die Bauarbeiten in vollem Gange.

Ändert sich
jetzt alles?

„Jetzt wird der Keller gemacht“, sagt der Investor über das Bauprojekt, das voraussichtlich im Frühjahr 2027 fertiggestellt werden und das auf einer Fläche von 1559 Quadratmetern 16 Wohneinheiten und auf 175 Quadratmetern drei Gewerbeeinheiten beherbergen soll. Holzbau, „vernünftige Materialien“, Nachhaltigkeit – alles Aspekte, die Nießen „sehr sympathisch“ erschienen. Und: „In Bad Aibling wird Wohnraum gebraucht und es geht hier nicht um übliche Industriebauten“, so der 66-Jährige.

Geplant ist eine Massivbauweise aus mineralischen Energiespar-Ziegeln mit Wärme-, Schall- und Brandschutz (recycelbar), einem Dachgeschoss in Holzbauweise und einem Innenausbau teilweise in Trockenbau. Die einzelnen Wohnungen sollen zwei bis fünf Zimmer haben und seien teilweise barrierefrei. Die Stromgewinnung soll mit Photovoltaik erfolgen.

Klar ist: Die Wohnungen sollen zur Miete angeboten werden, wofür sich schon jetzt Interessenten melden könnten, erklärt Nießen. Gleiches gilt für potenzielle Bezieher der drei Gewerbeeinheiten. Wer dort mit seinem Geschäft einziehen könnte, sei laut Nießen derzeit noch völlig offen. Vom Friseurladen bis hin zum Architekturbüro – „ich schließe hier nichts aus. Interessenten können sich gerne melden. Es sollte aber jetzt nicht unbedingt eine Frittenbude rein“, sagt er schmunzelnd.

Gewerbe: „Ich
schließe hier nichts aus“

Abzuwarten bleibt überdies, ob in irgendeiner Form das altehrwürdige Kino-Flair erhalten bleiben kann. Lindenkino-Besitzer Robert Siersch hatte noch vor dem Abriss des historischen Gebäudes von dem Wunsch gesprochen, die Nostalgie, die das legendäre Kino in Bad Aibling auslöste, ein Stück weit am Leben halten zu wollen, etwa durch alte Kinoplakate und Erinnerungen, die das neue Treppenhaus schmücken könnten. Und Investor Heinz Nießen zeigt sich nun auch dem gegenüber nicht verschlossen. Beispielhafte Bilder etwa, im Sinne von „Kunst am Bau“, halte er für durchaus vorstellbar. Ein richtiges „Kino-Flair“ in einem modernen Wohngebäude zu schaffen, hält er dagegen für schwierig. Nachdem in den vergangenen Wochen aber alles so schnell ging, will der Investor nun zunächst mal noch tiefer in das Projekt eintauchen und freut sich erstmal, in ein „super Projekt“ investieren zu können.

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Samstag, 11. Juli 2026
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