Wie aus einem Soldaten „Bambini“ wurde
Das Ehrenmal wurde von vier Feuerwehrleuten mit Fackeln beleuchtet. Foto re
Jahrtag der Ortsvereine in der Kirche St. Margareta in Ellmosen und am Kriegerehrenmal begangen
Ellmosen – Nach der Eucharistiefeier in der Kirche St. Margareta in Ellmosen, die vom Gesangverein Ellmosen gestaltet wurde, versammelten sich die Mitglieder der Ortsvereine mit ihren Fahnenabordnungen am Kriegerehrenmal. Stadtpfarrer Philipp Kielbassa hielt die Andacht am Ehrenmal und betete für den Frieden im Glauben an Gott. Der Vorsitzende des Veteranen- und Kriegervereins Ellmosen-Harthausen, Felix Schwaller, gedachte auch im Namen der Mitglieder des Gesangsvereins Ellmosen und der Freiwilligen Feuerwehren Ellmosen und Jarezöd der gefallenen, vermissten und toten Kameraden der beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts. Er erinnerte an die vielen zivilen Toten, an die Opfer der Rassenideologie, des Holocaust und der Euthanasie. 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges sind die beiden Weltkriege Geschichte. Vor 36 Jahren fiel die Mauer, die Deutschland Jahrzehnte trennte. Mit den Montagsgebeten und friedlichen Demonstrationen wurde unser Land wieder vereint. „Damals sah man die Demokratie, die Freiheit des Einzelnen und das friedliche Zusammenleben der Völker als Zukunftsvision. Heute sehen und erleben wir sich weltweit ausbreitende diktatorische und autokratische Entwicklungen“, sagte Schwaller. Der Krieg in der Ukraine am Rande Europas, die Zerstörungen in Syrien und Palästina mit den vielen Toten und Geflüchteten und der brutale Völkermord im Sudan zeigen, dass sich die Geschichte anscheinend immer wieder wiederholt.
„Krankhaftes Machtstreben, grenzenlose Gier nach Bodenschätzen und Reichtum, ohne Kontrolle durch demokratische Instanzen, führen zum Krieg. Hass und Hetze, Lügen und Verleumdung gewinnen immer mehr die Oberhand. Deshalb müssen wir in Erinnerung an die leidvolle Geschichte unsere Freiheit und unseren Frieden, die Grundpfeiler einer Demokratie sind, schützen und verteidigen“, führte Schwaller fort. Ein prägendes Beispiel für den Irrsinn des Krieges zeigt sich an der Geschichte des heuer verstorbenen Mitglieds Peter Enzinger, der mit knapp 18 Jahren an die Italienfront versetzt wurde. Auf dem Rückzug vom Kampf um Monte Cassino blieb Peter Enzinger schwer verletzt auf der Straße liegen. Ein italienisches Ehepaar nahm den deutschen Soldaten mit nach Hause und pflegte ihn soweit gesund, dass sie ihn in das nächste deutsche Lazarett bringen konnten. Aufgrund seiner geringen Größe nannten sie Peter Enzinger „Bambini“. Sie sahen in ihm nicht den feindlichen Soldaten, sondern den Menschen oder sogar das Kind. Sie begaben sich in Todesgefahr vor dem italienischen Militär, den Mussolini-Partisanen, den kommunistischen Partisanen und sicher auch vor der Nazi-Clique. Die Freundschaft zwischen der italienischen Familie und Peter Enzinger hielt viele Jahrzehnte.
„Krieg zerstört und bringt unendliches Leid, Menschlichkeit und Liebe bleiben und schaffen Frieden. Diese Geschichte lehrt, dass Kriege keine Lösung sind, sondern nur neues Unrecht schaffen und in einen Kreislauf der Gewalt münden, der bei den Menschen nur Hass und Gewalt hervorbringt“, sagte Schwaller abschließend. Als äußeres Zeichen des Erinnerns und Gedenkens an die Angehörigen der Ortsvereine schmückte das Kriegerehrenmal eine Blumenschale. Das Ehrenmal wurde von vier Feuerwehrleuten mit Fackeln beleuchtet. Die Gedenkfeier endete mit dem von der Dreder Musi intonierten Lied vom guten Kameraden und mit dem Ehrensalut durch drei Böllerschüsse.