Viel mehr Platz für fairen Handel
Vereinsvorsitzende Andrea Höbel (Mitte) und die Helfer Anita Budde und Günther Hösch aus dem Team der Ehrenamtlichen können den Kunden des Weltladens ein breit gefächertes Warensortiment anbieten. Foto kotter
Erweiterung des Weltladens abgeschlossen – Neue Kunden sollen gewonnen werden
Bad Aibling – Die Freude beim Team des Weltladens Bad Aibling über die gelungene Erweiterung des Geschäfts am bisherigen Standort in der Griesgasse ist groß. Die Herausforderungen, die damit verbunden sind, sind es allerdings ebenso. Rund sieben Wochen haben die Umbaumaßnahmen gedauert. Die Verkaufsfläche weist jetzt 59 statt bisher 27 Quadratmeter auf. „Wir können unsere Produkte künftig viel besser präsentieren. Freilich müssen wir jetzt auch mehr Umsatz machen, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen“, sagt Andrea Höbel. Sie ist seit 2022 Vorsitzende des Vereins „Fair Handeln in Bad Aibling“, unter dessen Trägerschaft der Weltladen steht. 16 Ehrenamtliche haben sich unter seinem Dach zusammengefunden, die für einen reibungslosen Betriebsablauf sorgen.
800 bis 900 Produkte
sind im Sortiment
Günther Hösch ist der einzige Mann in den Reihen der Ehrenamtlichen. Für ihn kein Problem. „Ich fühle mich hier gut aufgehoben“, sagt er. Dass der Verkauf der fair gehandelten Produkte auch während der Bauphase nicht eingestellt werden musste und der Verein Einnahmen hatte, dafür ist Höbel der evangelischen Kirchengemeinde sehr dankbar. Sie stellte ihm vorübergehend ein Ausweichquartier in ihren Räumen zur Verfügung. „Wir sind dort wirklich sehr liebevoll aufgenommen worden“, resümiert die Vorsitzende. Zwischen 800 und 900 Produkte umfasst das erweiterte Sortiment, das nach dem Umbau im Laden angeboten werden kann. Neue Holzregale und liebevoll bestückte Verkaufstische sind nicht nur Garanten für eine einladende Optik, sie ermöglichen es dem Kunden auch, in aller Ruhe nach etwas Passendem zu suchen.
Die Palette der Waren reicht von Lebensmitteln, beispielsweise fair gehandeltem Kaffee oder Schokolade, bis hin zu Dekostücken, Naturkosmetik und Textilien. Einen Vorteil, den die erweiterten Räumlichkeiten mit sich bringen, wertet Höbel als besonders positiv. „Wir können jetzt Schulklassen bei Besuchen viel besser betreuen“, sagt sie. Die Vereinsvorsitzende sieht darin eine gute Möglichkeit, die Idee, die hinter dem Weltladen steckt, auch auf diese Weise einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und neue Kunden zu gewinnen.
Auf die ist das Geschäft auf jeden Fall angewiesen. Rund 5000 Euro musste der Verein für die neue Inneneinrichtung berappen. Künftig fällt auch mehr Miete für das Ladengeschäft an, das sich in einem Altbau aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts befindet. „Die Vermieter sind uns sehr entgegengekommen und haben den Preis nur moderat angehoben“, ist Höbel erleichtert. Sehr gefreut hat sie sich auch über eine Finanzspritze in Höhe von 2000 Euro, die die evangelische Kirche in Bayern aus dem Topf des Projekts „Mission Eine Welt“ zur Verfügung stellte. Sollte der ein oder andere Spender noch einen Beitrag zum Neustart leisten wollen, würde das dem Verein sehr helfen. „Wir sind für jeden Euro dankbar“, sagt Höbel.
Wie eng das finanzielle Korsett geschnürt ist, zeigt sich an den Umsätzen. „In einem guten Monat kommen wir etwa auf 5000 Euro“, berichtet Anna Höbel. Deshalb will sie sich zusammen mit ihrem Team verstärkt Werbeaktionen oder Aktivitäten überlegen, die die Kundenfrequenz erhöhen sollen. Sie denkt dabei an Malaktionen für Kinder, einen Prospekt mit speziellen Angeboten oder auch die Möglichkeit, Tee im Laden probieren zu können.
Für Dezember ist eine erste Aktion in Planung. Interessenten können frische Südfrüchte aus fairem Handel bestellen. Wie all seine Waren bezieht sie der Weltladen über Zwischenhändler in Deutschland, die direkte Handelsbeziehungen zur „Dritten Welt“ unterhalten. „Die zahlen den Herstellern mehr als Handelsunternehmen. Aus dem Warenverkauf bleibt Geld übrig, das beispielsweise in Bildungsprojekte oder die medizinische Versorgung in der ‚Dritten Welt‘ investiert wird“, erläutert Höbel die Philosophie, die hinter den höheren Preisen im Weltladen steckt. Dass diese Philosophie in der Kurstadt auch künftig einen kleinen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit in der Welt leisten kann, diese Hoffnung brachten der evangelische Pfarrer Markus und Diakon Klaus Schießl von der katholischen Stadtkirche kürzlich zum Ausdruck, als sie Gottes Segen für die neuen Räume erbaten.
„Ohne ihn ist die
Stadt nicht denkbar“
„Der Weltladen soll vermitteln, dass wir füreinander da sind und in den vielfältigen Aufgaben in unserem Leben zusammenwirken. Die Welt ist uns von Gott anvertraut, und wir sollten uns über die Grenzen unseres persönlichen Lebensraumes hinaus einsetzen“, sagte der Diakon.
Bürgermeister Stephan Schlier erinnerte in seinem Grußwort daran, dass Bad Aibling eine Fair-Trade-Stadt sei. Die Bedeutung des Weltladens in diesem Zusammenhang brachte er auf einen kurzen Nenner. „Ohne ihn ist die Stadt nicht denkbar.“