Neuer Pop-up-Store im Zentrum Bad Aiblings

Lorenz Daxenbichler (links) erhofft sich zusammen mit Jürgen Schmid in den kommenden Wochen bis Weihnachten zahlreiche Kunden in der Rosenheimer Straße. Foto Bettinger

Lorenz Daxenbichler (links) erhofft sich zusammen mit Jürgen Schmid in den kommenden Wochen bis Weihnachten zahlreiche Kunden in der Rosenheimer Straße. Foto Bettinger

Ein neuer Pop-up-Store in Bad Aibling soll in den kommenden Wochen möglichst viele Besucher anlocken. Mit einem „Taschen Outlet“ soll auch die Innenstadt wieder mehr belebt werden. Was der Inhaber seinen Kunden genau bieten will und wie Bürgermeister Schlier seine Weihnachtseinkäufe tätigt.

von Nicolas Bettinger

Bad Aibling – „Oh, ich wusste gar nicht, dass es Euren Laden gibt“, sagt eine ältere Dame, während sie durch die Reihen schlendert und einzelne Handtaschen beäugt. „Da muss ich meine Schwestern holen und dann kommen wir noch mal her“, freut sich zeitgleich eine junge Frau. Genau wie die beiden Aiblingerinnen stoßen dieser Tage zahlreiche Fußgänger zufällig auf ein neues Geschäft in der Aiblinger Innenstadt, das es in rund sechs Wochen gar nicht mehr geben wird.

Outlet bis
Ende des Jahres

Denn in der Rosenheimer Straße hat ein neuer sogenannter „Pop-up-Store“ eröffnet, ein zeitlich begrenzt eingerichteter Laden, der gewöhnlich vorübergehend in leer stehenden Geschäftsräumen betrieben wird. „Ich habe nach Leerstand gesucht und bin relativ zügig auf den Laden hier gestoßen, wo früher ja ein Gemüse- und später ein Möbelhandel drin war“, sagt Lorenz Daxenbichler. Nachdem zuletzt auch aus dem Vorhaben, dort einen Hundesalon zu eröffnen, nichts geworden war, habe sich der Bad Aiblinger ins Spiel gebracht und die Chance auf einen kurzzeitigen Bezug genutzt.

Bis Ende Dezember bietet der 56-Jährige nun zusammen mit seiner „rechten Hand“ Jürgen Schmid im „Taschen Outlet“ diverse Produkte aus dem Lederwarenfachhandel an. „Die Palette reicht von Geldbörsen, Handtaschen über Schirme bis hin zu Reisegepäck“, erklärt Daxenbichler, der eigentlich einen Großhandel mit Büro in Salzburg betreibt, nun aber auch in seiner Heimatstadt „ein bisschen was zurückgeben“ möchte. Bereits 2019 versuchte er sich im ehemaligen Lichtspielhaus mit demselben Konzept eines temporären Ladens in Bad Aibling. Die Entwicklung der Innenstädte bereite ihm jedoch seit langem Sorgen. „Je kleiner die Stadt ist, desto schwieriger ist es oftmals für den Handel“, sagt Daxenbichler, der von „teils katastrophalen Frequenzen“ spricht.

In Bad Aibling sei es zwar nicht dermaßen schlimm, da hier auch viele vom Durchreiseverkehr oder den Hotelgästen profitierten, jedoch sorgten auch hier leer stehende Geschäftsräume für Herausforderungen. „Weil sonst die Innenstädte veröden, braucht der Endverbraucher etwas Besonderes beim Einkaufen“, sagt er und hat dabei vor allem die individuelle Beratung als entscheidenden Faktor ausgemacht. Genau diese will er auch den Aiblinger Kunden in den kommenden Wochen bieten. Im „Taschen Outlet“ könnten demnach Kunden aus rund 1000 reduzierten Einzelstücken auswählen und sich dazu entsprechend beraten lassen.

Jürgen Schmid, der ebenfalls seit Jahrzehnten im Vertrieb tätig ist und Daxenbichler mit seinem Aiblinger Projekt unterstützt, sieht in Outlets allgemein einen zukunftsfähigen Faktor für die Innenstadtbelebung. „Wenn man übers Jahr verteilt verschiedene Angebote über gewisse Zeiträume anbieten kann, bietet man Abwechslung und das kann die Frequenz deutlich erhöhen.“ Und alleine dieser „Pop-up-Store“ scheint bereits nach kurzer Zeit recht großen Anklang zu finden. „Wir hatten einen super Eröffnungstag mit ungefähr 150 Besuchern“, sagt Schmid. Darunter seien etwa 135 Frauen gewesen.

Auf die Frage, ob er hier nicht auch ein Weihnachtsgeschenk finden könne, antwortete indes Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier, der vom Inhaber zur Eröffnung eingeladen wurde, dass es hierfür noch etwas verfrüht sei. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich da immer erst ziemlich spät dran bin“, sagte er schmunzelnd. Grundsätzlich begrüße er das Konzept. „Selbst wenn Sie hier nur kurzzeitig aufmachen, wird das der Stadt sicher guttun“, ist sich der Rathauschef sicher. In der Kurstadt habe man zwar „ganz tolle Einzelhändler“. Doch auch wenn das Stadtmarketing intensiv an der weiteren Innenstadtbelebung arbeite, stoße man als Verwaltung oftmals an Grenzen.

Probleme mit
dem Leerstand

So würden diverse Angebote, etwa eine vernetzende Plattform, die Eigentümer von Leerstand und potenzielle Händler zusammenbringen sollen, kaum angenommen. „Oftmals wollen die Vermieter ihre Flächen auch einfach nicht zur Verfügung stellen“, erklärt Schlier. Auch das Beispiel der „Nacht der 1000 Lichter“, die aufgrund des zurückhaltenden Interesses der Aiblinger Händler in diesem Jahr abgesagt wurde, spreche eine deutliche Sprache. Umso erfreulicher sei es, dass mit dem „Taschen Outlet“, wenn auch nur für einige Wochen, eine Leerstandslücke geschlossen wird. Zeit genug also, um noch rechtzeitig Weihnachtsgeschenke zu besorgen – auch für den Bürgermeister.

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Samstag, 11. Juli 2026
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