Die Ausnahme vom Sparzwang

Damit ihre Kinder betreut werden, müssen Eltern teilweise tief in die Tasche greifen. Foto dpa

Damit ihre Kinder betreut werden, müssen Eltern teilweise tief in die Tasche greifen. Foto dpa

Die finanzielle Lage in Bad Aibling ist angespannt. Einsparungen im Bildungsbereich sind laut Referentin Petra Keitz-Dimpflmeier jedoch kaum realisierbar. Wie sie das begründet und wie es um die Betreuungssituation in der Kurstadt steht.

von Nicolas Bettinger

Bad Aibling – „Ersparnisse in diesem Bereich zu erzielen, ist nahezu aussichtslos.“ Mit dieser Kernaussage machte Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD), Referentin für Schulen und Kindergärten im Bad Aiblinger Stadtrat, ihre Haltung gleich zu Beginn deutlich. In der jüngsten Stadtratssitzung sprach sie in ihrem Referentenbericht über die aktuelle Situation der Kinder- und Jugendeinrichtungen in der Kurstadt. Und klar ist, dass die Kommune aufgrund der finanziellen Schieflage in nahezu allen Bereichen zu intensiven Einsparungen gezwungen ist. Was sich nicht zuletzt durch zahlreiche Kürzungen im Rahmen der Haushaltskonsolidierung zeigte.

Wie steht es um Aiblings
Betreuungsplätze?

Laut Keitz-Dimpflmeier sei dies jedoch im Betreuungs- und Bildungsbereich nicht möglich, da „Schulen zwar vom Personal her vom Staat gesponsert werden, aber von der Ausstattung und der baulichen Erhaltung von der jeweiligen Kommune gezahlt werden müssen“. Das Prinzip „Wer zahlt, schafft an“ gelte hier leider nicht.

Kindergartenplätze würden nur zu rund 40 Prozent durch Elternanteile getragen – der Rest über die staatliche Förderung refinanziert. In diesem Bereich bleibe also immer ein gewisses Defizit, welches in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sei und auch bei regelmäßiger moderater Anpassung der Kindergartengebühren bestehen bleiben werde, so die Referentin. Doch muss das trotzdem dazu führen, dass Kindergärten jetzt ihre eigenen Spielgeräte sponsern müssen?

„Ich finde nicht“, betont Keitz-Dimpflmeier, die dies als kein gutes Zeichen nach außen, weder für den Träger noch für die Eltern, ansieht. Beispielhaft nennt sie dabei ein Klettergerüst, für dessen Anschaffung der Kindergarten „Burg Sonnenstein“ in Bad Aibling seit Sommer, wie berichtet, eigenhändig Gelder sammelt.

Neben der finanziellen Situation wird Keitz-Dimpflmeier auch immer wieder mit der Frage nach ausreichend Betreuungsplätzen in Bad Aibling konfrontiert. „Eine Frage, die jedes Jahr wieder für Spannung sorgt, unter dem Strich aber fast immer mit Ja zu beantworten ist“, stellt sie fest.

So waren nach der Vergabe am 10. April 2025 bei 725 Kindergartenplätzen noch 21 freie Plätze und 23 Wartelistenplätze zu verzeichnen. „Im Bereich der Hortplätze hatten wir am 10. April bei 287 angebotenen Plätzen noch neun freie Plätze und keine Warteliste.“ Lediglich bei den Kinderkrippenplätzen habe es bei 183 Plätzen keine freien Plätze, jedoch 19 Kinder auf der Warteliste gegeben. „Und wenn man nur die leer ausgegangenen Aiblinger berücksichtigt, waren dies dann von den 19 13 Kinder“, so die SPD-Stadträtin.

Generell sei die Betreuungslandschaft in Bad Aibling vielfältig und in jüngster Vergangenheit noch um das „Haus für Kinder – kleine Weltentdecker“ des BRK in Harthausen mit 75 Kindergarten- und 36 Kinderkrippenplätzen erweitert worden. „Leider lässt die Nachfrage nach Plätzen in dem von mir initiierten Waldkindergarten nach wie vor zu wünschen übrig“, bedauert Keitz-Dimpflmeier. Dies lasse sich entweder mit den zu kurzen Betreuungszeiten erklären, welche im Waldkindergarten aber üblich seien. „Vielleicht aber eher mit der Lage und Ausstattung des Kindergartens, bei dem nach meiner Meinung leider am falschen Ende gespart wurde.“

Ebenfalls thematisiert die Referentin den Kontakt zu Kindergärten und Schulen. „Leider“ habe dieser, konkret zu den Kindergartenleitungen und Schulleitungen, abgenommen, „obwohl die Kontaktdaten eigentlich zu Beginn jeder Amtsperiode von mir weitergeleitet wurden“, sagt Keitz-Dimpflmeier. Auch werde sie kaum mehr zu Kindergartenfesten eingeladen, was früher anders gewesen sei.

Referentin bemängelt
abnehmenden Kontakt

Kontakt zu Eltern habe sie als Referentin „vereinzelt immer mal wieder“. Vor allem dann, wenn die Stadt beabsichtigt, die Kindergartengebühren anzuheben. „In diesem Zusammenhang stellt sich für mich die Frage, inwieweit die Referate und deren Zuschnitt noch notwendig sind, wenn unterm Strich der Einflussbereich gering ist und die Außenwirkung auch nicht immer gegeben ist.“ Dieses Thema werde ihr zufolge sicher im Rahmen des Ausgangs der nächsten Kommunalwahl und der Neuzusammensetzung des Stadtrats zu diskutieren sein. Keitz-Dimpflmeier: „Sollten die Referenten entfallen, sind auch hiermit Einsparungseffekte zu erzielen.“

<p>Petra Keitz-Dimpflmeier Foto RE</p>

Petra Keitz-Dimpflmeier Foto RE

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Samstag, 11. Juli 2026
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